Nahrungsmittelallergie (Kind): Diagnostik & IgE-Tests
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie CG116 befasst sich mit der Beurteilung und Diagnose von Nahrungsmittelallergien bei Kindern und Jugendlichen unter 19 Jahren. Eine Nahrungsmittelallergie ist eine unerwünschte Immunreaktion, die in IgE-vermittelte, nicht-IgE-vermittelte und gemischte Reaktionen unterteilt wird.
Abzugrenzen ist die Allergie von der Nahrungsmittelintoleranz, welche nicht immunologisch bedingt ist und beispielsweise durch Enzymmängel verursacht wird. Die Leitlinie fokussiert sich primär auf das Vorgehen in der haus- und kinderärztlichen Praxis.
Der diagnostische Ausgangspunkt ist der klinische Verdacht auf eine Allergie. Eine strukturierte, allergiefokussierte Anamnese stellt laut Leitlinie das wichtigste Instrument dar, um das weitere Vorgehen zu planen.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Beurteilung:
Klinische Beurteilung und Anamnese
Es wird empfohlen, eine Nahrungsmittelallergie in Betracht zu ziehen, wenn Kinder Symptome aufweisen, die nicht adäquat auf Standardtherapien ansprechen. Dies betrifft insbesondere atopische Ekzeme, gastroösophagealen Reflux oder chronische gastrointestinale Beschwerden wie Obstipation.
Die Leitlinie fordert eine detaillierte, allergiefokussierte Anamnese durch eine kompetente medizinische Fachkraft. Diese sollte unter anderem die Eigen- und Familienanamnese für atopische Erkrankungen, das Alter bei Symptombeginn, die Reproduzierbarkeit der Symptome sowie die Ernährungsgeschichte umfassen.
Basierend auf der Anamnese wird eine körperliche Untersuchung empfohlen. Hierbei sollte besonders auf Gedeihstörungen, Zeichen der Mangelernährung und allergiebedingte Komorbiditäten wie Asthma oder allergische Rhinitis geachtet werden.
Symptomklassifikation
Die Leitlinie unterscheidet die Symptome nach dem vermuteten Pathomechanismus:
| Organsystem | IgE-vermittelt | Nicht-IgE-vermittelt |
|---|---|---|
| Haut | Pruritus, Erythem, akute Urtikaria, akutes Angioödem | Pruritus, Erythem, atopisches Ekzem |
| Gastrointestinaltrakt | Angioödem (Lippen/Zunge/Gaumen), oraler Pruritus, Übelkeit, kolikartige Schmerzen, Erbrechen, Diarrhö | Reflux, blutige/schleimige Stühle, Abdominalschmerzen, infantile Koliken, Nahrungsverweigerung, Obstipation, perianale Rötung, Gedeihstörung |
| Respirationstrakt | Obere und untere Atemwegssymptome (z.B. Niesen, Giemen) | Untere Atemwegssymptome (z.B. Husten, Giemen) |
| Systemisch | Anaphylaxie | Blässe, Müdigkeit |
Diagnostik bei IgE-vermittelter Allergie
Bei Verdacht auf eine IgE-vermittelte Allergie wird ein Hautpricktest und/oder eine Blutuntersuchung auf spezifische IgE-Antikörper empfohlen. Die Wahl des Tests sollte von der Anamnese, der Akzeptanz durch das Kind und den verfügbaren Kompetenzen abhängen.
Allergietests dürfen niemals ohne vorherige allergiefokussierte Anamnese durchgeführt werden. Die Ergebnisse müssen laut Leitlinie immer im Kontext der klinischen Geschichte interpretiert werden.
Es wird explizit davon abgeraten, Atopie-Patch-Tests oder orale Nahrungsmittelprovokationen zur Diagnose von IgE-vermittelten Allergien in der Primärversorgung durchzuführen.
Diagnostik bei nicht-IgE-vermittelter Allergie
Bei Verdacht auf eine nicht-IgE-vermittelte Allergie empfiehlt die Leitlinie eine probeweise Eliminationsdiät des verdächtigten Allergens für in der Regel zwei bis sechs Wochen. Im Anschluss sollte eine Reexposition erfolgen.
Es wird geraten, für die Ernährungsberatung, die zeitliche Planung und die Nachsorge eine qualifizierte Ernährungsfachkraft hinzuzuziehen.
Überweisung in die Spezialversorgung
Die Leitlinie empfiehlt eine Überweisung an Spezialisten unter anderem in folgenden Fällen:
-
Gedeihstörung in Kombination mit gastrointestinalen Symptomen
-
Fehlendes Ansprechen auf eine Eliminationsdiät mit einem einzelnen Allergen
-
Eine oder mehrere akute systemische Reaktionen
-
Bestätigte IgE-vermittelte Allergie mit gleichzeitigem Asthma
-
Verdacht auf multiple Nahrungsmittelallergien oder Kreuzreaktivitäten
-
Starker klinischer Verdacht auf eine IgE-vermittelte Allergie bei negativen Testergebnissen
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät ausdrücklich von der Verwendung folgender alternativer Diagnoseverfahren zur Feststellung einer Nahrungsmittelallergie ab:
-
Vega-Test
-
Angewandte Kinesiologie
-
Haaranalyse
-
Serum-spezifische IgG-Tests
💡Praxis-Tipp
Es wird empfohlen, bei Kindern mit atopischem Ekzem, gastroösophagealem Reflux oder chronischer Obstipation, die nicht adäquat auf eine Standardtherapie ansprechen, stets an eine zugrundeliegende Nahrungsmittelallergie zu denken. Die Leitlinie betont zudem nachdrücklich, dass Hautpricktests nur in Einrichtungen durchgeführt werden dürfen, die für die Behandlung einer Anaphylaxie ausgestattet sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie können bei Verdacht auf eine IgE-vermittelte Allergie Pricktests oder spezifische IgE-Bluttests durchgeführt werden. Pricktests dürfen jedoch nur erfolgen, wenn eine Notfallausrüstung zur Behandlung einer Anaphylaxie vorhanden ist.
Die Leitlinie empfiehlt eine probeweise Eliminationsdiät des verdächtigten Allergens für zwei bis sechs Wochen. Anschließend sollte eine Reexposition erfolgen, idealerweise in Absprache mit einer qualifizierten Ernährungsfachkraft.
Eine Überweisung wird unter anderem bei Gedeihstörungen, akuten systemischen Reaktionen oder bei Verdacht auf multiple Allergien empfohlen. Auch bei einer bestätigten IgE-vermittelten Allergie mit gleichzeitigem Asthma sollte laut Leitlinie eine fachärztliche Vorstellung erfolgen.
Nein, die Leitlinie rät explizit von der Bestimmung serum-spezifischer IgG-Antikörper ab. Diese Tests haben keinen diagnostischen Wert bei der Feststellung einer Nahrungsmittelallergie.
Bei gestillten Säuglingen wird empfohlen, der Mutter Ratschläge zur Allergenkarenz zu geben. Bei flaschenernährten Säuglingen sollte laut Leitlinie über die am besten geeignete hypoallergene Ersatznahrung aufgeklärt werden.
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Quelle: CG116: Food allergy in under 19s: assessment and diagnosis (NICE). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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