Mutter-Kind-Gesundheit: Triage & Telemedizin (COVID-19)
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie von 2020 adressiert die Aufrechterhaltung essenzieller Gesundheitsdienste für sexuelle, reproduktive, mütterliche, neugeborene, kindliche und jugendliche Gesundheit (SRMNCAH) während der COVID-19-Pandemie. Sie betont die Notwendigkeit, diese Dienste trotz der massiven Belastung der Gesundheitssysteme zu priorisieren.
Pandemiebedingte Einschränkungen wie Lockdowns, Ressourcenknappheit und die Angst vor Infektionen gefährden die routinemäßige Versorgung. Dies kann zu einem Anstieg von Mütter- und Kindersterblichkeit sowie ungewollten Schwangerschaften führen.
Um dem entgegenzuwirken, wird eine Reorganisation der Versorgungsstrukturen empfohlen. Zentrale Elemente sind dabei die Einbeziehung von Telemedizin, strikte Infektionsschutzmaßnahmen (IPC) und die gezielte Aufgabendelegation (Task-Shifting) an entsprechend geschultes Personal.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Reorganisation der Versorgung:
Triage und Infektionsschutz (IPC)
Laut Leitlinie wird eine strikte Triage und das Screening aller Patienten auf COVID-19-Symptome bei Ankunft in der Gesundheitseinrichtung empfohlen.
Für Verdachts- oder bestätigte Fälle sind isolierte Bereiche, vorzugsweise mit Unterdruck, sowie separates Personal vorzusehen. Es wird betont, dass medizinisches Personal bei jedem Patientenkontakt angemessene persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen muss.
Schwangerenvorsorge (ANC) und Geburt
Die Leitlinie empfiehlt, Routinekontrollen bei risikoarmen Schwangerschaften zu reduzieren oder durch telemedizinische Konsultationen zu ersetzen. Bei der stationären Geburt wird Folgendes empfohlen:
-
Die Zulassung einer asymptomatischen Begleitperson während der Geburt.
-
Die Wahl des Entbindungsmodus (vaginal oder Sectio) primär nach geburtshilflichen Indikationen und nicht nach dem COVID-19-Status zu richten.
-
Das Tragen vollständiger PSA bei Kaiserschnitten von COVID-19-positiven Frauen, da hierbei ein hohes Aerosolrisiko besteht.
Postnatale Versorgung und Stillen
Eine routinemäßige Trennung von Mutter und Neugeborenem wird nicht empfohlen, auch nicht bei einer nachgewiesenen COVID-19-Infektion der Mutter. Die Leitlinie rät ausdrücklich zur Fortsetzung des Stillens und zur Förderung des Haut-zu-Haut-Kontakts.
COVID-19-positive Mütter sollten beim Stillen jedoch strikte Hygienemaßnahmen beachten:
-
Händewaschen mit Wasser und Seife vor und nach dem Kontakt mit dem Kind.
-
Tragen einer medizinischen Gesichtsmaske während des Stillens.
-
Regelmäßige Reinigung und Desinfektion von berührten Oberflächen.
Familienplanung und sexuelle Gesundheit (SRH)
Es wird empfohlen, den Zugang zu Kontrazeptiva sicherzustellen, um ungewollte Schwangerschaften während der Pandemie zu vermeiden. Die Leitlinie schlägt vor, Medikamente für längere Zeiträume abzugeben, um Vor-Ort-Besuche in den Kliniken zu minimieren.
Zudem wird betont, dass sichere Schwangerschaftsabbrüche (dort, wo sie legal sind) als zeitkritische, essenzielle Dienste aufrechterhalten werden müssen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist explizit darauf hin, dass das Stillen bei einer mütterlichen COVID-19-Infektion nicht kontraindiziert ist. Es gibt keine Evidenz für eine Übertragung von SARS-CoV-2 über die Muttermilch.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist, dass Neugeborene unter keinen Umständen routinemäßig von ihren COVID-19-positiven Müttern getrennt werden sollten. Es wird betont, dass die Vorteile von Haut-zu-Haut-Kontakt und frühem Stillen das potenzielle Infektionsrisiko deutlich überwiegen, sofern grundlegende Hygienemaßnahmen wie das Tragen einer Maske eingehalten werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Trennung von Mutter und Kind nicht empfohlen. Rooming-in und Haut-zu-Haut-Kontakt sollen unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen beibehalten werden.
Ja, die Leitlinie empfiehlt das Stillen ausdrücklich, da das Virus nach aktuellem Stand nicht über die Muttermilch übertragen wird. Es wird empfohlen, dass die Mutter dabei eine Maske trägt und sich vorab die Hände wäscht.
Es wird empfohlen, physische Kontakte bei risikoarmen Schwangerschaften in den Einrichtungen zu reduzieren. Stattdessen rät die Leitlinie zur verstärkten Nutzung von Telemedizin und Telefonkonsultationen.
Nein, die Leitlinie stellt klar, dass der Entbindungsmodus auf rein geburtshilflichen Indikationen basieren sollte. Der COVID-19-Status allein stellt keine Indikation für einen Kaiserschnitt dar.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Continuing essential SRMNCAH health services during COVID-19 pandemic (WHO, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Prevention, identification and management of health worker infection in the context of COVID-19
Compendium of good practices in response to COVID-19 in the SE Asia Region
Guidance on COVID-19 for the care of older people and people living in long-term care facilities, other non-acute care facilities and home care
Exploration of COVID-19 health-care worker cases : implications for action
Improving the health and wellbeing of children and adolescents: guidance on scheduled child and adolescent well-care visits
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen