CochraneIa2022

Musiktherapie bei Sucht: Craving und Therapiemotivation

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Suchterkrankungen stellen weltweit ein erhebliches gesundheitliches und soziales Problem dar. Die Standardbehandlung umfasst meist multidisziplinäre Ansätze, jedoch sind die Abbruchraten hoch und Rückfälle häufig.

Musiktherapie wird zunehmend als ergänzende, nicht-pharmakologische Intervention in Entzugs- und Rehabilitationseinrichtungen eingesetzt. Sie zielt darauf ab, emotionale Dysregulationen zu behandeln, das Belohnungssystem zu stimulieren und alternative Bewältigungsstrategien aufzubauen.

Dieser systematische Cochrane Review aus dem Jahr 2022 untersucht die Wirksamkeit von Musiktherapie als Zusatz zur Standardversorgung. Der Fokus liegt dabei auf psychologischen Symptomen, dem Verlangen nach Substanzen (Craving) und der Therapiemotivation.

Empfehlungen

Der Review formuliert basierend auf der Meta-Analyse von 21 randomisiert-kontrollierten Studien folgende Kernaussagen zur Wirksamkeit der Musiktherapie:

Verlangen nach Substanzen (Craving)

Laut Review reduziert Musiktherapie als Zusatz zur Standardversorgung das Verlangen nach Drogen moderat (moderate Evidenz). Es wird hervorgehoben, dass eine stärkere Reduktion des Cravings erreicht wird, wenn die Intervention länger als eine einzelne Sitzung dauert.

Therapiemotivation

Die Auswertung zeigt einen kleinen bis mittleren positiven Effekt der Musiktherapie auf die Motivation zur Behandlung und Veränderung (moderate Evidenz). Auch im Vergleich zu anderen aktiven Kontrollinterventionen (wie verbaler Therapie) zeigt sich hier ein moderater Vorteil.

Psychologische Symptome und Abstinenz

Für eine Reduktion von depressiven Symptomen oder Angstzuständen durch Musiktherapie gibt es laut Review keine klare Evidenz. Ebenso konnte kein eindeutiger Effekt auf die Motivation, dauerhaft abstinent zu bleiben, oder auf die Verweildauer in der Therapie nachgewiesen werden.

Vergleich der Interventionseffekte

Die folgende Tabelle fasst die Effekte der Musiktherapie plus Standardversorgung im Vergleich zur alleinigen Standardversorgung zusammen:

EndpunktEffekt der MusiktherapieEvidenzgrad
Substanzverlangen (Craving)Moderate ReduktionModerat
TherapiemotivationKleine bis moderate SteigerungModerat
Depressive SymptomeKein klarer EffektModerat
AngstzuständeKein klarer EffektNiedrig
Verbleib in der TherapieKein bedeutsamer EffektModerat
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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Review weist darauf hin, dass Musiktherapie bei Suchtpatienten idealerweise über mehrere Sitzungen (ein bis drei Monate) erfolgen sollte, da Einzelsitzungen das Craving weniger effektiv reduzieren. Zudem wird betont, dass Musik das Verlangen nach Substanzen auch triggern kann, weshalb die Begleitung durch qualifizierte Musiktherapeuten essenziell ist.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review gibt es derzeit keine klare Evidenz dafür, dass Musiktherapie depressive Symptome bei Menschen mit Suchterkrankungen signifikant reduziert. Die verfügbaren Daten zeigten keine eindeutigen Effekte.

Ja, der Review zeigt, dass Musiktherapie als Zusatz zur Standardbehandlung das Verlangen nach Substanzen moderat verringern kann. Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt, wenn die Therapie über mehrere Sitzungen hinweg stattfindet.

Die Auswertung der Studien ergab keinen bedeutsamen Effekt der Musiktherapie auf den Verbleib in der Behandlung. Die Abbruchraten unterschieden sich nicht signifikant von der Standardversorgung.

Es wird ein kleiner bis mittlerer positiver Effekt auf die allgemeine Therapiemotivation und die Bereitschaft zur Veränderung beschrieben. Auf die spezifische Motivation, dauerhaft clean oder nüchtern zu bleiben, konnte jedoch kein klarer Effekt nachgewiesen werden.

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Quelle: Cochrane Review: Music therapy for people with substance use disorders (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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