AAN2018Neurologie

Multiple Sklerose (MS): DMT-Therapie und Algorithmen

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AAN (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract des Positionspapiers.

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische, autoimmunvermittelte neurodegenerative Erkrankung. Sie ist durch Entzündungen, Demyelinisierung und axonale sowie neuronale Schäden im zentralen Nervensystem gekennzeichnet.

Die Diagnose wird typischerweise bei jungen Erwachsenen zwischen 30 und 40 Jahren gestellt, wobei Frauen häufiger betroffen sind. Auch Kinder, Jugendliche und ältere Menschen können an Multipler Sklerose erkranken.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche neue krankheitsmodifizierende Therapien (DMTs) wie Ocrelizumab, Cladribin und Siponimod zugelassen. Diese erweitern die Behandlungsoptionen für die schubförmig remittierende MS (RRMS) erheblich, während die Möglichkeiten für progrediente Verlaufsformen weiterhin begrenzt sind.

Klinischer Kontext

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems bei jungen Erwachsenen. In Mitteleuropa leben zahlreiche Betroffene, wobei Frauen etwa doppelt bis dreifach so häufig erkranken wie Männer. Die Erstmanifestation tritt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf.

Der Erkrankung liegt eine autoimmunvermittelte Demyelinisierung und axonale Schädigung in Gehirn und Rückenmark zugrunde. Autoreaktive T- und B-Lymphozyten überwinden die Blut-Hirn-Schranke und lösen lokale Entzündungsherde aus. Im weiteren Verlauf rückt zunehmend die neuroaxonale Degeneration in den Vordergrund, die maßgeblich für die irreversible Behinderungsprogression verantwortlich ist.

Für behandelnde Ärzte ist die frühzeitige Diagnosestellung essenziell, um das Zeitfenster für eine effektive immunmodulatorische Therapie optimal zu nutzen. Die Diagnose stützt sich primär auf die McDonald-Kriterien, welche den klinischen Verlauf, MRT-Befunde sowie den Nachweis oligoklonaler Banden im Liquor kombinieren. Ziel der verlaufsmodifizierenden Therapien (DMT) ist es, Schubraten zu senken, das Fortschreiten der Behinderung zu verzögern und die Lebensqualität der Patienten zu erhalten.

Wissenswertes

Zur verlaufsmodifizierenden Basistherapie der schubförmigen MS gehören klassische Präparate wie Interferon-beta und Glatirameracetat. Zudem werden zunehmend orale Therapeutika wie Teriflunomid oder Dimethylfumarat eingesetzt. Die Auswahl richtet sich nach Krankheitsaktivität, Verträglichkeit und Patientenpräferenz.

Eine hocheffektive Therapie wird bei hochaktiven Verläufen mit häufigen Schüben oder rascher Behinderungsprogression eingeleitet. Hierzu zählen monoklonale Antikörper wie Natalizumab, Ocrelizumab oder Alemtuzumab sowie Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren. Diese Medikamente erfordern ein engmaschiges Monitoring bezüglich potenzieller Nebenwirkungen.

Die Familienplanung erfordert eine vorausschauende Anpassung der verlaufsmodifizierenden Therapie, da viele Präparate teratogen wirken oder unzureichend geprüft sind. Während der Schwangerschaft sinkt die Schubrate oft natürlich ab, steigt jedoch im Postpartum-Zeitraum wieder an. Einige Basistherapeutika können bei strenger Indikationsstellung bis zum Eintritt der Schwangerschaft fortgeführt werden.

Das PML-Risiko ist besonders bei bestimmten hochwirksamen Therapien relevant und korreliert mit dem Vorhandensein von JC-Virus-Antikörpern, der Therapiedauer und einer vorherigen Immunsuppression. Eine regelmäßige Bestimmung des JCV-Antikörper-Index ist daher bei entsprechenden Medikamenten obligatorisch. Bei hohem Risiko muss eine Therapieumstellung erwogen werden.

Der Therapieerfolg wird klinisch anhand der Schubrate und der Progression auf der Expanded Disability Status Scale (EDSS) beurteilt. Zusätzlich sind regelmäßige MRT-Kontrollen entscheidend, um subklinische Krankheitsaktivität wie neue T2-Läsionen oder Gadolinium-aufnehmende Herde frühzeitig zu erkennen. Das Konzept der Krankheitsfreiheit (NEDA) dient dabei oft als therapeutisches Ziel.

B-Zell-depletierende Antikörper richten sich gegen das CD20-Antigen und führen zu einer langanhaltenden Reduktion zirkulierender B-Zellen. Sie haben sich als hochwirksam in der Reduktion von Schüben und MRT-Aktivität erwiesen. Einige dieser Präparate sind auch für die Behandlung der primär progredienten MS zugelassen.

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💡Praxis-Tipp

Das Positionspapier betont, dass sich die therapeutischen Möglichkeiten bei der schubförmig remittierenden MS (RRMS) durch neue Wirkstoffe wie Ocrelizumab, Cladribin und Siponimod deutlich erweitert haben. Bei progredienten Verlaufsformen wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Therapieoptionen nach wie vor stark limitiert sind, was bei der Aufklärung und dem Erwartungsmanagement der Patienten berücksichtigt werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Das Dokument nennt Ocrelizumab, Cladribin und Siponimod als Beispiele für neuere krankheitsmodifizierende Therapien (DMTs). Diese haben die Behandlungsoptionen insbesondere für die schubförmig remittierende MS (RRMS) erweitert.

Es werden Algorithmen für verschiedene MS-Subtypen wie RIS, CIS, RRMS und progrediente MS bereitgestellt. Zudem gibt es spezifische Empfehlungen für Kinder, ältere Patienten sowie für Schwangerschaft und Stillzeit.

Die bisherigen nationalen Empfehlungen stammen aus dem Jahr 2015 und spiegeln nicht mehr den aktuellen Stand der Wissenschaft wider. Eine Anpassung an internationale Standards soll die Therapieauswahl und die langfristigen Patientenergebnisse verbessern.

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Quelle: Practice Guideline: Disease-Modifying Therapies for Adults With Multiple Sclerosis (AAN, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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