NICEA2024Neurologie

Multiple Sklerose (MS): Diagnostik und Überweisung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG127 befasst sich mit der Erkennung und Überweisung von Patienten mit Verdacht auf neurologische Erkrankungen. Sie richtet sich primär an Ärzte in der Primärversorgung und in Notaufnahmen.

Ziel ist es, Verzögerungen bei der Diagnose potenziell schwerwiegender oder gut behandelbarer neurologischer Erkrankungen zu vermeiden. Gleichzeitig sollen unnötige Überweisungen bei benignen oder selbstlimitierenden Beschwerden reduziert werden.

Die Empfehlungen sind nach spezifischen Leitsymptomen gegliedert und unterscheiden zwischen Erwachsenen ab 16 Jahren und Kindern unter 16 Jahren.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert spezifische Kriterien für die Überweisung bei neurologischen Symptomen. Dabei werden verschiedene Dringlichkeitsstufen definiert.

DringlichkeitDefinition laut Leitlinie
Sofortige Überweisung (Refer immediately)Vorstellung beim Spezialisten innerhalb weniger Stunden
Dringliche Überweisung (Refer urgently)Vorstellung beim Spezialisten innerhalb von 2 Wochen
Routinemäßige Überweisung (Refer)Standardmäßige Terminvereinbarung

Schwindel und Vertigo (Erwachsene)

Bei plötzlich einsetzendem Schwindel mit fokal-neurologischen Defiziten wird eine sofortige Überweisung zum Ausschluss eines posterioren Schlaganfalls empfohlen. Zuvor sollte bei Diabetikern eine Hypoglykämie ausgeschlossen werden.

Für Patienten mit akutem vestibulärem Syndrom empfiehlt die Leitlinie die Durchführung eines HINTS-Tests (Head-Impulse, Nystagmus, Test-of-Skew), sofern geschultes Personal verfügbar ist. Bei Hinweisen auf einen Schlaganfall im HINTS-Test ist eine sofortige Bildgebung indiziert.

Bei transientem Rotationsschwindel bei Kopfbewegung wird das Hallpike-Manöver zur Diagnose des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels (BPPV) empfohlen.

Paresen und motorische Ausfälle (Erwachsene)

Laut Leitlinie erfordern folgende motorische Symptome eine sofortige oder dringliche Abklärung:

  • Plötzlich einsetzende Schwäche, auch wenn sie nur lokal begrenzt ist (Verdacht auf Schlaganfall oder TIA)

  • Rasch progrediente (innerhalb von 4 Wochen) symmetrische Schwäche der Extremitäten (sofortige Überweisung)

  • Sehr rasch progrediente (Stunden bis Tage) Schwäche einer einzelnen Extremität oder Hemiparese (Verdacht auf Malignom)

  • Schwere Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins Bein und neu aufgetretenen Blasen-, Darm- oder Sexualfunktionsstörungen (Verdacht auf Cauda-equina-Syndrom)

Sensorische Störungen (Erwachsene)

Eine sofortige Überweisung wird bei rasch progredienter symmetrischer Taubheit und Schwäche empfohlen.

Bei rezidivierenden, kurzen (unter 2 Minuten) und stereotypen Gefühlsstörungen wird eine dringliche Überweisung zur Epilepsiediagnostik empfohlen.

Bei persistierenden, distal betonten Gefühlsstörungen und abgeschwächten Muskeleigenreflexen sollte primär an eine periphere Neuropathie gedacht werden. Hier empfiehlt die Leitlinie zunächst die Kontrolle von Vitamin B12, Schilddrüsenfunktion, Nierenwerten, Blutzucker und Alkoholkonsum.

Pädiatrische Besonderheiten (Kinder unter 16 Jahren)

Die Leitlinie definiert spezifische Warnzeichen bei Kindern, die eine sofortige oder dringliche Überweisung erfordern:

  • Kopfschmerzen bei Kindern unter 4 Jahren (dringliche Überweisung)

  • Kopfschmerzen, die nachts wecken oder morgens beim Erwachen auftreten (sofortige Überweisung)

  • Neu aufgetretenes Schielen mit Verlust des roten Fundusreflexes (sofortige Überweisung in die Ophthalmologie)

  • Akute Verwirrtheit unklarer Genese (sofortiger Transport ins Krankenhaus und Blutzuckermessung)

  • Verlust motorischer Fähigkeiten (motorische Regression)

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:

  • Ein Befreiungsmanöver (z. B. Epley-Manöver) bei benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel darf bei instabiler Halswirbelsäulenerkrankung nicht durchgeführt werden.

  • Antipsychotika und Antiemetika können als Nebenwirkung eine Dystonie auslösen oder verschlechtern.

  • Medikamente gegen motorische Tics bei Kindern sollten nicht ohne fachärztliche Überweisung und Beratung verschrieben werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Praxis-Hinweis der Leitlinie ist der Umgang mit funktionellen neurologischen Störungen. Es wird betont, dass bei Patienten mit bereits fachärztlich diagnostizierter funktioneller Störung rezidivierende Symptome wie Schwindel, Schwäche oder Taubheitsgefühle oft Teil der Erkrankung sind und ohne neue neurologische Ausfälle keine erneute Überweisung erfordern.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine sofortige Überweisung bei Kindern unter 12 Jahren, wenn die Kopfschmerzen nachts wecken, morgens beim Erwachen auftreten oder durch Husten und Bücken verschlimmert werden. Auch Kopfschmerzen mit Erbrechen, Ataxie oder Bewusstseinsveränderungen erfordern eine sofortige Abklärung.

Bei persistierenden, distal betonten Gefühlsstörungen mit abgeschwächten Reflexen wird primär eine Basisdiagnostik auf periphere Neuropathie empfohlen. Laut Leitlinie sollten unter anderem Vitamin B12, Schilddrüsenwerte, Nierenfunktion, Blutzucker und der Alkoholkonsum überprüft werden.

Bei plötzlichem Schwindel mit fokal-neurologischen Ausfällen wird eine sofortige Überweisung zum Ausschluss eines Schlaganfalls empfohlen. Bei Diabetikern sollte zuvor eine Hypoglykämie ausgeschlossen und gegebenenfalls behandelt werden.

Der HINTS-Test wird bei Erwachsenen mit akutem vestibulärem Syndrom (Schwindel, Übelkeit, Gangunsicherheit) empfohlen, sofern geschultes Personal verfügbar ist. Ein unauffälliger Test macht einen Schlaganfall sehr unwahrscheinlich, während Auffälligkeiten eine sofortige Bildgebung erfordern.

Einfache motorische Tics, die das Kind nicht beeinträchtigen, erfordern laut Leitlinie keine routinemäßige Überweisung. Eine Überweisung wird erst erwogen, wenn die Tics die Lebensqualität erheblich einschränken oder mit Angststörungen, Autismus oder ADHS assoziiert sind.

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Quelle: NG127: Multiple sclerosis in adults (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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