Migräne: Akuttherapie und medikamentöse Prophylaxe

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Migräne ist eine häufige primäre Kopfschmerzerkrankung, die weltweit zu den führenden Ursachen für krankheitsbedingte Einschränkungen gehört. Die SIGN-Leitlinie 155 fasst die aktuelle Evidenz zur pharmakologischen Behandlung bei Erwachsenen zusammen.

Die Leitlinie unterscheidet zwischen der episodischen und der chronischen Migräne. Eine chronische Migräne liegt vor, wenn an mindestens 15 Tagen pro Monat Kopfschmerzen auftreten, wovon mindestens acht Tage typische Migränesymptome aufweisen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Erkennung und Behandlung des Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes (MOH). Dieser entsteht häufig als Komplikation einer zu häufigen Einnahme von Akutmedikationen und erfordert ein gezieltes Management.

Empfehlungen

Die SIGN-Leitlinie formuliert detaillierte Empfehlungen zur medikamentösen Stufentherapie.

Akuttherapie

Laut Leitlinie sollte die Akutbehandlung so früh wie möglich in der Kopfschmerzphase erfolgen. Es wird empfohlen, bei unzureichender Wirkung nach zwei Stunden eine erneute Gabe zu erwägen.

Als Erstlinientherapie bei akuter Migräne empfiehlt die Leitlinie:

  • Aspirin (900 mg) oder Ibuprofen (400 mg, bei Bedarf Steigerung auf 600 mg) (starke Empfehlung)

  • Triptane, wobei Sumatriptan (50–100 mg) als Mittel der ersten Wahl gilt (starke Empfehlung)

  • Bei schwerer Migräne oder frühem Erbrechen wird die nasale oder subkutane Applikation von Triptanen empfohlen.

  • Eine Kombinationstherapie aus Sumatriptan (50–85 mg) und Naproxen (500 mg) sollte in Betracht gezogen werden.

Zusätzlich wird bei begleitender Übelkeit oder Erbrechen die Gabe von Antiemetika wie Metoclopramid (10 mg) oder Prochlorperazin (10 mg) empfohlen.

Prophylaxe

Eine prophylaktische Therapie wird empfohlen, um die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren. Die Leitlinie rät, die Behandlung mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese schrittweise zu steigern.

Als Erstlinientherapie zur Prophylaxe der episodischen oder chronischen Migräne werden empfohlen:

  • Propranolol (80–160 mg täglich) (starke Empfehlung)

  • Topiramat (50–100 mg täglich) (starke Empfehlung)

  • Amitriptylin (25–150 mg zur Nacht) oder Candesartan (16 mg täglich) können erwogen werden.

Bei chronischer Migräne und Versagen von mindestens drei oralen Prophylaktika empfiehlt die Leitlinie den Einsatz von Botulinumtoxin A oder CGRP-monoklonalen Antikörpern (Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab, Eptinezumab).

Menstruelle Migräne

Für Frauen mit perimenstrueller Migräne wird eine gezielte Prophylaxe von zwei Tagen vor bis drei Tagen nach Blutungsbeginn empfohlen. Hierfür sollte laut Leitlinie Frovatriptan (2,5 mg zweimal täglich) erwogen werden.

Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MOH)

Die Leitlinie betont, dass ein Medikamentenübergebrauch zwingend adressiert werden muss. Die Strategie zum Entzug sollte individuell angepasst werden und kann einen abrupten Entzug mit oder ohne sofortigen Beginn einer Prophylaxe umfassen.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende Dosierungen für die medikamentöse Therapie der Migräne:

Akuttherapie

WirkstoffDosisIndikation / Bemerkung
Aspirin900 mgErstlinientherapie
Ibuprofen400 - 600 mgErstlinientherapie
Sumatriptan (oral)50 - 100 mgTriptan der ersten Wahl
Sumatriptan + Naproxen50 - 85 mg + 500 mgKombinationstherapie
Metoclopramid10 mgBei Übelkeit / Erbrechen

Prophylaxe

WirkstoffZieldosisIndikation / Bemerkung
Propranolol80 - 160 mg täglichErstlinientherapie
Topiramat50 - 100 mg täglichErstlinientherapie
Amitriptylin25 - 150 mg zur NachtAlternative Prophylaxe
Candesartan16 mg täglichAlternative Prophylaxe
Frovatriptan2,5 mg zweimal täglichPerimenstruelle Prophylaxe

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor spezifischen Risiken und formuliert folgende Kontraindikationen:

  • Schwangerschaft: Topiramat und Valproat sind aufgrund eines hohen Risikos für Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen beim Fötus kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter müssen eine hochwirksame Kontrazeption anwenden.

  • Aspirin: Die Einnahme von Aspirin ist im dritten Trimenon der Schwangerschaft kontraindiziert.

  • Triptane: Diese Wirkstoffklasse ist bei Personen mit unkontrollierter Hypertonie sowie symptomatischer kardiovaskulärer oder zerebrovaskulärer Erkrankung kontraindiziert.

  • CGRP-Antikörper und Candesartan: Die Anwendung sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit vermieden werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Laut Leitlinie ist es ein häufiger Fehler, Betroffene bei der Verordnung von Akutmedikation nicht über das Risiko eines Medikamentenübergebrauchskopfschmerzes (MOH) aufzuklären. Es wird empfohlen, darauf zu achten, dass Triptane an maximal 9 Tagen und einfache Analgetika an maximal 14 Tagen pro Monat eingenommen werden. Zudem wird betont, dass die individuelle Response auf verschiedene Triptane stark variiert, weshalb bei Therapieversagen ein Wechsel des Präparats angeraten wird.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt in diesen Fällen den Einsatz von nasalen oder subkutanen Triptanen, da orale Präparate gastrisch absorbiert werden. Nasales Zolmitriptan oder subkutanes Sumatriptan gelten hier als besonders effektiv.

Es wird empfohlen, die Indikation zur Prophylaxe anhand der Einschränkung der Lebensqualität und der Alltagsfunktion zu stellen, nicht nur anhand der reinen Anzahl der Attacken. Die Prophylaxe sollte für mindestens drei Monate in der maximal tolerierten Dosis evaluiert werden.

Laut Leitlinie sollte eine perimenstruelle Prophylaxe mit Frovatriptan (2,5 mg zweimal täglich) erwogen werden. Diese wird von zwei Tagen vor bis drei Tagen nach Beginn der Blutung eingenommen.

Die Leitlinie empfiehlt CGRP-monoklonale Antikörper bei chronischer Migräne, wenn ein Medikamentenübergebrauch adressiert wurde und mindestens drei orale Prophylaktika versagt haben. Sie können auch bei schwer behandelbarer episodischer Migräne erwogen werden.

Es wird ein Entzug der übergebrauchten Medikation empfohlen, wobei über eine vorübergehende Verschlechterung der Kopfschmerzen aufgeklärt werden sollte. Prednisolon sollte laut Leitlinie nicht routinemäßig zur Linderung der Entzugssymptome eingesetzt werden.

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Quelle: SIGN 155: Pharmacological Management of Migraine (2023 Update) (SIGN, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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