Meningitis & Meningokokken: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG240 behandelt die Erkennung, Diagnose und das Management der bakteriellen Meningitis und Meningokokken-Erkrankung. Sie richtet sich an medizinisches Fachpersonal und umfasst Empfehlungen für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Bakterielle Meningitis und Meningokokken-Erkrankungen können sich sehr schnell entwickeln. Sie präsentieren sich anfangs oft mit unspezifischen Symptomen, was die klinische Abgrenzung zu anderen, weniger bedrohlichen Infektionen erschwert.
Die Leitlinie schließt Personen mit bekannter Immundefizienz sowie bestätigter viraler, tuberkulöser oder fungaler Meningitis aus. Auch Patienten mit neurochirurgischen Eingriffen oder Shunts werden in diesem Dokument nicht behandelt.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das klinische Management:
Klinische Erkennung und Red Flags
Laut Leitlinie besteht ein dringender Verdacht auf bakterielle Meningitis bei der Kombination spezifischer Red-Flag-Symptome. Es wird empfohlen, bei Vorliegen dieser Kombination sofortige Maßnahmen einzuleiten:
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Fieber
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Kopfschmerzen
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Nackensteifigkeit
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Veränderte Bewusstseinslage oder Kognition (einschließlich Verwirrtheit oder Delir)
Für eine Meningokokken-Erkrankung gelten laut Leitlinie hämorrhagische, nicht wegdrückbare Hautausschläge (Purpura > 2 mm) als absolute Warnzeichen. Ebenso wird ein sich schnell ausbreitender petechialer Ausschlag als Red Flag eingestuft.
Diagnostik im Krankenhaus
Es wird empfohlen, innerhalb der ersten Stunde nach Ankunft im Krankenhaus eine ärztliche Beurteilung durchzuführen. Blutkulturen und eine Lumbalpunktion sollten vor der ersten Antibiotikagabe veranlasst werden. Dies darf die Antibiotikagabe jedoch nicht signifikant verzögern.
Vor der Lumbalpunktion sollte gemäß Leitlinie keine routinemäßige Bildgebung (CT/MRT) erfolgen. Eine Ausnahme bilden Personen mit spezifischen Risikofaktoren für eine raumfordernde Läsion.
Zu den Indikationen für eine vorherige Bildgebung zählen:
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Neue fokale neurologische Ausfälle oder Krampfanfälle
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Abnorme Pupillenreaktionen
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Ein Glasgow Coma Scale (GCS) Score von 9 oder weniger
Antibiotikatherapie
Die Leitlinie empfiehlt den Beginn einer intravenösen Antibiotikatherapie innerhalb von einer Stunde nach Ankunft im Krankenhaus. Als empirische Erstlinientherapie wird Ceftriaxon empfohlen.
Bei Kontraindikationen für Ceftriaxon kann auf Cefotaxim ausgewichen werden. Zusätzlich wird intravenöses Amoxicillin für Personen mit Risikofaktoren für Listeria monocytogenes empfohlen.
Begleittherapie und Monitoring
Bei Personen über 3 Monaten mit starkem Verdacht auf oder bestätigter bakterieller Meningitis wird die Gabe von intravenösem Dexamethason empfohlen. Die erste Dosis sollte idealerweise vor oder zusammen mit der ersten Antibiotikagabe verabreicht werden.
Eine routinemäßige Flüssigkeitsrestriktion unter den Erhaltungsbedarf wird bei bakterieller Meningitis nicht empfohlen. Erhaltungsflüssigkeiten sollten bevorzugt oral oder über eine enterale Sonde gegeben werden.
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt folgende spezifische Antibiotikatherapien nach Identifikation des ursächlichen Erregers:
| Indikation (Erreger) | Empfohlenes Medikament | Dosis | Behandlungsdauer |
|---|---|---|---|
| Streptococcus pneumoniae | Ceftriaxon (alt. Cefotaxim) | Höchstdosis nach lokaler Vorgabe | 10 Tage |
| Haemophilus influenzae Typ b | Ceftriaxon (alt. Cefotaxim) | Höchstdosis nach lokaler Vorgabe | 7-10 Tage |
| Gruppe-B-Streptokokken | Ceftriaxon (alt. Cefotaxim) | Höchstdosis nach lokaler Vorgabe | 14 Tage |
| Enterobacterales (Coliforme) | Ceftriaxon (alt. Cefotaxim) | Höchstdosis nach lokaler Vorgabe | 21 Tage |
| Listeria monocytogenes | Amoxicillin oder Ampicillin | Standarddosis | 21 Tage |
| Neisseria meningitidis | Ceftriaxon (alt. Cefotaxim) | Höchstdosis nach lokaler Vorgabe | 5 Tage |
Kontraindikationen
Eine Lumbalpunktion ist laut Leitlinie unter bestimmten Bedingungen kontraindiziert und sollte nicht durchgeführt werden bei:
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Ausgedehnter oder sich schnell ausbreitender Purpura
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Infektion an der Einstichstelle der Lumbalpunktion
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Risikofaktoren für eine raumfordernde Läsion oder klinischen Zeichen eines erhöhten Hirndrucks
Bei einer schweren allergischen Reaktion (z. B. Anaphylaxie) auf Penicilline oder Cephalosporine wird von der Gabe von Ceftriaxon abgeraten. In diesen Fällen wird stattdessen Chloramphenicol (ggf. in Kombination mit Co-trimoxazol bei Listerien-Risiko) empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger klinischer Fehler ist das Warten auf eine kraniale Bildgebung vor der Lumbalpunktion bei unkomplizierten Fällen. Die Leitlinie betont, dass eine routinemäßige Bildgebung vor der Punktion vermieden werden sollte, da dies den Beginn der lebensrettenden Antibiotikatherapie unnötig verzögert. Zudem wird explizit davor gewarnt, eine Meningokokken-Erkrankung nur aufgrund eines fehlenden Hautausschlags auszuschließen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird empfohlen, die intravenöse Antibiotikatherapie innerhalb von einer Stunde nach Ankunft im Krankenhaus zu beginnen. Blutkulturen und Lumbalpunktion sollten idealerweise vorher erfolgen, dürfen die Gabe aber nicht verzögern.
Es wird Ceftriaxon in der höchsten empfohlenen Dosierung als empirische Therapie empfohlen. Bei Risikofaktoren für Listerien sollte zusätzlich Amoxicillin verabreicht werden.
Die Leitlinie empfiehlt die Gabe von intravenösem Dexamethason bei Patienten über 3 Monaten mit starkem Verdacht auf bakterielle Meningitis. Bei reinen Meningokokken-Erkrankungen wird eine routinemäßige Kortikosteroidgabe hingegen nicht empfohlen.
Eine Lumbalpunktion wird nicht empfohlen bei Zeichen eines erhöhten Hirndrucks, einem GCS von 9 oder weniger, neuen fokalen neurologischen Ausfällen oder einer sich schnell ausbreitenden Purpura. In diesen Fällen sollte zunächst eine Bildgebung und Stabilisierung erfolgen.
Bei einer bestätigten Infektion mit Neisseria meningitidis empfiehlt die Leitlinie eine Behandlungsdauer von 5 Tagen mit Ceftriaxon. Danach kann die Therapie beendet werden, sofern sich die betroffene Person klinisch erholt hat.
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Quelle: Meningitis (bacterial) and meningococcal disease (NICE, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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