Mastoiditis: Diagnostik, Antibiose und Chirurgie
Hintergrund
Die Mastoiditis ist eine Entzündung der luftgefüllten Knochenzellen des Processus mastoideus. Sie tritt meist als Komplikation einer akuten Otitis media auf, wenn sich die Infektion aus der Paukenhöhle in den angrenzenden Knochen ausbreitet.
Am häufigsten sind Kinder unter zwei Jahren betroffen. Durch den breiten Einsatz von Antibiotika und die Einführung der Pneumokokken-Impfung ist die Inzidenz der Erkrankung in den letzten Jahrzehnten drastisch gesunken.
Unbehandelt kann die Erkrankung zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Meningitis, intrakraniellen Abszessen oder venösen Sinusthrombosen führen. Der häufigste ursächliche Erreger ist Streptococcus pneumoniae.
Empfehlungen
Die StatPearls-Zusammenfassung formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung der Mastoiditis:
Diagnostik
Laut Leitlinie wird die Mastoiditis primär klinisch diagnostiziert. Typische Befunde umfassen retroaurikuläre Rötung, Schwellung, Druckschmerzhaftigkeit und ein Abstehen der Ohrmuschel.
Zur weiteren Abklärung wird die Bestimmung von Entzündungsparametern (Blutbild, BSG, CRP) empfohlen. Meist zeigt sich eine Leukozytose mit Linksverschiebung sowie eine Erhöhung der Entzündungsmarker.
Bei diagnostischer Unsicherheit oder Verdacht auf Komplikationen wird eine CT-Bildgebung empfohlen. Diese kann eine Zerstörung der knöchernen Septen, Flüssigkeitseinlagerungen oder eine Abszessbildung darstellen.
Therapie und Management
Die Leitlinie empfiehlt für die Mehrheit der Betroffenen eine stationäre Aufnahme. Eine alleinige Antibiotikatherapie ist oft unzureichend und geht mit einer höheren Komplikationsrate einher.
Für das stationäre Management unkomplizierter Fälle werden folgende Maßnahmen empfohlen:
-
Intravenöse Antibiotikatherapie
-
Hochdosierte intravenöse Steroide
-
Myringotomie mit Einlage eines Paukenröhrchens
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Engmaschige klinische Verlaufskontrollen
Bei ausbleibender Besserung innerhalb von 48 Stunden wird eine Mastoidektomie empfohlen. Auch bei einer akuten Verschlechterung des klinischen Zustands ist ein chirurgisches Eingreifen indiziert.
Überweisung und Konsile
Es wird empfohlen, Personen mit klinischen Zeichen einer akuten Mastoiditis umgehend in eine Notaufnahme mit HNO-ärztlicher Anbindung einzuweisen. Die weitere Versorgung erfordert in der Regel ein interdisziplinäres Setting.
Dosierung
Die Leitlinie beschreibt folgende empirische Antibiotikaregime für die Behandlung der akuten Mastoiditis:
| Patientengruppe | Empfohlene Antibiotikatherapie |
|---|---|
| Unkompliziert, ambulant (strenge Kriterien) | Ceftriaxon i.v. (täglich) |
| Stationär, ohne chronische Otitis media | Vancomycin i.v. (Monotherapie) |
| Stationär, mit chronischer Otitis media | Vancomycin i.v. in Kombination mit Antipseudomonas-Wirkstoff |
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass ein unauffälliges Trommelfell eine akute Mastoiditis zwar meistens, aber nicht immer ausschließt. Zudem wird betont, dass sich die Erkrankung in manchen Fällen sehr rasch bereits zu Beginn einer akuten Otitis media entwickeln kann, ohne dass eine längere Vorgeschichte von Ohrenschmerzen vorliegt.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist Streptococcus pneumoniae der häufigste Auslöser. Weitere relevante Pathogene sind Gruppe-A-Streptokokken, Staphylococcus aureus und Haemophilus influenzae.
Es wird zwischen extrakraniellen und intrakraniellen Komplikationen unterschieden. Dazu zählen laut Leitlinie unter anderem subperiostale Abszesse, Fazialisparese, Labyrinthitis sowie intrakranielle Abszesse und Sinusthrombosen.
Die Leitlinie empfiehlt eine Mastoidektomie, wenn sich der klinische Zustand unter intravenöser Antibiose und Myringotomie nach 48 Stunden nicht bessert. Auch bei einer akuten Verschlechterung des Zustands ist ein chirurgisches Eingreifen indiziert.
Eine ambulante Therapie mit täglichen intravenösen Ceftriaxon-Gaben ist laut Leitlinie nur bei streng selektierten, unkomplizierten Fällen möglich. Voraussetzung ist das Fehlen relevanter Vorerkrankungen und das Vorliegen von nur minimalen Untersuchungsbefunden.
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Quelle: StatPearls: Mastoiditis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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