WHO2024

Massenanfall von Verbrennungen: Triage & Erstversorgung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Ein Massenanfall von Verletzten (MANV) mit schweren Verbrennungen stellt Gesundheitssysteme vor enorme Herausforderungen. Die WHO-Leitlinie (2024) definiert Standards für den Einsatz spezialisierter Teams, um die Überlebenschancen der Betroffenen zu verbessern.

Im Zentrum der Strategie stehen sogenannte Burn Assessment Teams (BATs) und Burn Specialist Teams (BSTs). Diese unterstützen lokale Krankenhäuser bei der Triage, der klinischen Versorgung und der Koordination von Verlegungen.

Die Leitlinie zielt darauf ab, knappe Ressourcen effizient zu nutzen und eine strukturierte Patientensteuerung von der Unfallstelle bis zur definitiven Versorgung zu gewährleisten.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management eines Massenanfalls von Verbrennungspatienten:

Triage

Die Leitlinie empfiehlt eine dreiphasige Triage: am Unfallort, bei Ankunft im ersten Krankenhaus und nach der initialen Wundreinigung.

Am Unfallort wird eine standardisierte MANV-Triage empfohlen, gefolgt von einer Einschätzung der verbrannten Körperoberfläche (%KOF). Laut Leitlinie sollte die Tiefe der Verbrennung am Unfallort nicht zur Triage herangezogen werden.

Die Entscheidung über eine palliative Versorgung (Kategorie "expectant" oder "infaust") sollte frühestens im ersten aufnehmenden Krankenhaus getroffen werden.

Erstversorgung

Als grundlegende Maßnahmen der Erstversorgung werden folgende Schritte empfohlen:

  • Kühlung der Wunde für 10 Minuten bis zu 3 Stunden nach dem Trauma mit zimmerwarmem Trinkwasser

  • Frühzeitige Analgesiegabe und Basis-Wundreinigung zur Entfernung von Schmutz

  • Anlage eines einfachen, nicht-zirkulären Verbands oder einer Plastikfolie

  • Überprüfung und gegebenenfalls Auffrischung des Tetanusschutzes

Flüssigkeitsmanagement

Bei einem Massenanfall wird die primäre orale Rehydratation (z. B. mit ORS-Lösungen) empfohlen (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz). Eine intravenöse (IV) Volumentherapie kann je nach klinischem Bedarf und Ressourcen ergänzt werden.

Die Leitlinie betont, dass die Flüssigkeitsgabe so früh wie möglich beginnen sollte, idealerweise bereits am Unfallort (Best Practice).

Chirurgische Therapie und Rehabilitation

Lebens- und extremitätenerhaltende Eingriffe wie Escharotomien und Fasziotomien können laut Leitlinie auch von Nicht-Verbrennungschirurgen durchgeführt werden. Komplexe Eingriffe wie Exzisionen und Hauttransplantationen sollten erfahrenen Spezialisten vorbehalten bleiben.

Es wird empfohlen, rehabilitative Maßnahmen wie Lagerung, Schienung und Frühmobilisation sofort nach der Stabilisierung der Vitalfunktionen zu beginnen.

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt die Nutzung von Standardformeln zur Berechnung des Flüssigkeitsbedarfs basierend auf der verbrannten Körperoberfläche (%KOF).

FormelBerechnungVerteilung
Parkland (Baxter)4 ml × %KOF × Körpergewicht (kg)50 % in den ersten 8 Stunden, 50 % in den folgenden 16 Stunden
Modifizierte Parkland3 ml × %KOF × Körpergewicht (kg)50 % in den ersten 8 Stunden, 50 % in den folgenden 16 Stunden
Modifizierte Brooke2 ml × %KOF × Körpergewicht (kg)Verteilung über 24 Stunden
Vereinfachte Formel100 ml × Körpergewicht (kg)Verteilung über 24 Stunden (nicht %KOF-abhängig)

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt davor, die Tiefe der Verbrennung am Unfallort als Kriterium für die Triage zu verwenden, da dies durch Ersthelfer häufig zu Fehleinschätzungen führt.

Zudem wird von der routinemäßigen prophylaktischen Gabe von Antibiotika bei Verbrennungspatienten abgeraten, sofern keine spezifische klinische Indikation vorliegt.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler am Unfallort ist die sofortige Einstufung schwerstverbrannter Patienten als infaust. Die Leitlinie betont nachdrücklich, dass diese Entscheidung aufgrund der hohen Fehleranfälligkeit bei der initialen Einschätzung frühestens nach Ankunft im ersten Krankenhaus und idealerweise durch erfahrenes Personal getroffen werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt die Nutzung der Neunerregel nach Wallace für Erwachsene und der modifizierten Neunerregel für Kinder. Dies gilt als einfachste und praktikabelste Methode für Ersthelfer.

Es wird primär eine orale Flüssigkeitsgabe empfohlen, da diese logistisch einfacher umsetzbar ist. Eine intravenöse Gabe sollte laut Leitlinie ergänzend erfolgen, wenn es der klinische Zustand erfordert und Ressourcen verfügbar sind.

Die Kühlung kann im Zeitfenster von 10 Minuten bis zu 3 Stunden nach dem Trauma erfolgen. Es wird die Verwendung von zimmerwarmem oder kühlem Trinkwasser empfohlen, um eine Hypothermie zu vermeiden.

Laut Leitlinie können Notfalleingriffe wie Escharotomien, Fasziotomien und die erweiterte Wundreinigung auch von Nicht-Verbrennungschirurgen durchgeführt werden. Komplexe Exzisionen erfordern hingegen Spezialisten.

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Quelle: Standards and recommendations for burns care in mass casualty incidents (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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