Marstacimab bei Hämophilie: Datenerhebung und Register
Hintergrund
Das vorliegende Konzept des IQWiG beschreibt die Anforderungen an eine anwendungsbegleitende Datenerhebung (AbD) für den Wirkstoff Marstacimab. Dieser monoklonale Antikörper richtet sich gegen den Tissue Factor Pathway Inhibitor (TFPI) und soll die Blutgerinnung verstärken.
Da zum Zeitpunkt der Konzepterstellung keine direkt vergleichenden Daten gegenüber bestehenden Therapiealternativen vorliegen, wird eine AbD zur Bewertung des langfristigen Zusatznutzens gefordert. Ziel ist es, die Evidenzlücke durch prospektive, versorgungsnahe Daten zu schließen.
Die relevante Zielgruppe umfasst Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren mit schwerer Hämophilie A ohne Faktor-VIII-Inhibitoren. Ebenfalls eingeschlossen sind Personen mit mittelschwerer bis schwerer Hämophilie B ohne Faktor-IX-Inhibitoren.
Empfehlungen
Das IQWiG-Konzept formuliert folgende methodische Anforderungen an die Datenerhebung:
Studiendesign
Das Konzept sieht eine nicht randomisierte, vergleichende Registerstudie vor. Es wird eine prospektive Datenerhebung empfohlen, um den Nutzen und Schaden von Marstacimab gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie zu bewerten.
Datenquelle
Als primäre Datenquelle wird das Deutsche Hämophilieregister (DHR) benannt. Voraussetzung für die Nutzung ist laut Konzept die Umsetzung folgender geplanter Erweiterungen:
-
Erfassung patientenberichteter Endpunkte (PROs) wie der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
-
Standardisierte Dokumentation spezifischer unerwünschter Ereignisse (UEs).
-
Implementierung einer Source Data Verification zur Qualitätssicherung.
-
Vereinheitlichung der Meldezeitpunkte.
Dauer und Umfang
Für die Datenerhebung werden spezifische Rahmenbedingungen definiert:
-
Die Nachbeobachtungszeit pro Person muss mindestens 3 Jahre betragen.
-
Es ist eine Fallzahl von mindestens 100 Personen pro Fragestellung erforderlich, um eine adäquate Confounderkontrolle zu ermöglichen.
-
Eine orientierende Fallzahlschätzung auf Basis der annualisierten Blutungsrate (ABR) ist aufgrund fehlender Übertragbarkeit bisheriger Studiendaten nicht sinnvoll durchführbar.
Auswertung
Das Konzept fordert die Erstellung eines detaillierten statistischen Analyseplans (SAP). Zur Adjustierung für Confounder wird primär die Propensity-Score-Methode empfohlen.
Um den Beobachtungsstart zwischen den Therapiearmen zu vereinheitlichen, wird die Etablierung entsprechender Verfahren vorgeschlagen. Hierbei wird beispielhaft die Target Trial Emulation genannt.
Dosierung
Das Konzept zitiert folgende Dosierungen aus den laufenden klinischen Studien (z. B. BASIS-Studie), da Marstacimab zum Zeitpunkt der Berichterstellung noch nicht zugelassen war:
| Wirkstoff | Dosierung (Studienprotokoll) | Applikationsweg |
|---|---|---|
| Marstacimab | 300 mg (Anfangsdosis), danach 150 mg 1-mal wöchentlich (Erhöhung auf 300 mg nach 6 Monaten möglich) | Subkutan |
💡Praxis-Tipp
Bei der Interpretation künftiger Registerdaten zu Marstacimab wird auf die mögliche Verzerrung aufgrund des nicht randomisierten Vergleichs hingewiesen. Das IQWiG betont, dass eine adäquate Adjustierung für Confounder zwingend erforderlich ist, wofür eine vollständige Erfassung aller relevanten Parameter im Deutschen Hämophilieregister sichergestellt werden muss.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Konzept dient bei Hämophilie A eine Routineprophylaxe mit Faktor-VIII-Präparaten oder Emicizumab als Vergleichstherapie. Bei Hämophilie B wird eine Routineprophylaxe mit Faktor-IX-Präparaten herangezogen.
Das Deutsche Hämophilieregister (DHR) wird als einzige bereits bestehende und geeignete Datenquelle für Deutschland eingestuft. Es sind jedoch noch strukturelle Anpassungen, wie die Erfassung von Lebensqualität und unerwünschten Ereignissen, erforderlich.
Das Konzept sieht eine Nachbeobachtungszeit von mindestens 3 Jahren vor. Dies wird mit dem Risiko für Gelenkblutungen und daraus resultierenden Gelenkveränderungen begründet.
Die identifizierten Studien, wie BASIS und BASIS KIDS, sind einarmig angelegt. Sie ermöglichen laut Konzept keinen direkten Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie, weshalb eine anwendungsbegleitende Datenerhebung gefordert wird.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A24-39: Konzept für eine anwendungsbegleitende Datenerhebung – Marstacimab (Hämophilie A und B) (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A22-83: Konzept für eine anwendungsbegleitende Datenerhebung – Etranacogen Dezaparvovec
IQWiG A23-49: Konzept für eine anwendungsbegleitende Datenerhebung – Exagamglogen Autotemcel (Sichelzellkrankheit)
IQWiG A23-67: Konzept für eine anwendungsbegleitende Datenerhebung – Exagamglogen Autotemcel (Beta-Thalassämie)
IQWiG A22-20: Konzept für eine anwendungsbegleitende Datenerhebung - Valoctocogen roxaparvovec
IQWiG I23-06: Fidanacogen Elaparvovec (Hämophilie B); Bewertung gemäß § 35a SGB V; Recherche nach Indikationsregistern
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen