Mammographie-Screening: Indikation für Ultraschall
Hintergrund
Der aktuelle Cochrane Review untersucht die Evidenz für und gegen ein Ultraschallscreening, das zusätzlich zur Mammographie bei Frauen mit durchschnittlichem Brustkrebsrisiko durchgeführt wird. Ziel ist es, die Vor- und Nachteile dieser kombinierten Methode abzuwägen.
Die alleinige Mammographie ist eine etablierte Methode zur Früherkennung, kann jedoch insbesondere bei dichtem Brustgewebe Tumore übersehen. Daher wird in der Praxis häufig ein zusätzlicher Ultraschall eingesetzt, um die Sensitivität des Screenings zu erhöhen.
Befürworter argumentieren, dass der Ultraschall falsch-negative Raten senken kann. Kritiker warnen jedoch vor einem Anstieg falsch-positiver Befunde, die zu unnötigen Biopsien und psychischer Belastung führen können.
Empfehlungen
Der Cochrane Review liefert folgende zentrale Erkenntnisse zur Kombination von Mammographie und Ultraschall im Vergleich zur alleinigen Mammographie:
Krebserkennung und Tumorstadien
Laut Review führt der zusätzliche Ultraschall zu einer höheren Entdeckungsrate von Brustkrebs. Es werden etwa zwei bis drei zusätzliche Karzinome pro 1000 untersuchten Frauen gefunden (hohe Evidenz).
Dieser Effekt zeigt sich besonders deutlich bei Frauen mit dichtem Brustgewebe. Bei Frauen mit nicht-dichtem Gewebe ist der Zusatznutzen laut den analysierten Kohortenstudien statistisch nicht signifikant.
Der Review zeigt zudem, dass Intervallkarzinome in der kombinierten Screening-Gruppe seltener auftreten. Auch der Anteil an Tumoren mit positivem Lymphknotenstatus ist bei der kombinierten Methode geringer.
Risiken und Nebenwirkungen
Die Autoren betonen, dass der zusätzliche Ultraschall mit signifikanten Nachteilen verbunden ist. Die Rate an falsch-positiven Ergebnissen steigt deutlich an.
Auf 1000 gesunde Frauen kommen durch den Ultraschall etwa 37 zusätzliche falsch-positive Befunde. Zudem werden 27 zusätzliche, letztlich unnötige Biopsien durchgeführt (hohe Evidenz).
Auswirkungen auf die Mortalität
Keine der eingeschlossenen Studien untersuchte, ob die höhere Entdeckungsrate durch den Ultraschall tatsächlich zu einer geringeren Brustkrebsmortalität führt. Auch Daten zur Gesamtmortalität fehlen.
Aufgrund der fehlenden Evidenz für einen Überlebensvorteil und der hohen Rate an falsch-positiven Befunden rechtfertigen die Daten laut Review keinen routinemäßigen Einsatz des Ultraschalls als Zusatz-Screening bei Frauen mit durchschnittlichem Risiko.
Vergleich der Screening-Methoden
| Endpunkt | Mammographie allein | Mammographie + Ultraschall | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Zusätzliche Krebserkennung | Referenz | + 2 bis 3 Fälle pro 1000 Frauen | Hoch |
| Intervallkarzinome | Referenz | Deutlich seltener | Hoch |
| Falsch-positive Befunde | Referenz | + 37 Fälle pro 1000 Frauen | Hoch |
| Zusätzliche Biopsien | Referenz | + 27 Fälle pro 1000 Frauen | Hoch |
| Senkung der Mortalität | Unbekannt | Unbekannt | Unzureichend |
💡Praxis-Tipp
Der Cochrane Review warnt davor, den Ultraschall routinemäßig als Zusatz-Screening bei Frauen mit durchschnittlichem Risiko einzusetzen. Obwohl mehr Tumore entdeckt werden, ist die Rate an falsch-positiven Befunden und unnötigen Biopsien unverhältnismäßig hoch, ohne dass bisher ein Überlebensvorteil nachgewiesen wurde.
Häufig gestellte Fragen
Ja, laut Cochrane Review werden durch den zusätzlichen Ultraschall etwa zwei bis drei weitere Brustkrebsfälle pro 1000 Frauen entdeckt. Dieser Vorteil zeigt sich vor allem bei Frauen mit dichtem Brustgewebe.
Bisher gibt es dafür keine Beweise. Der Review stellt fest, dass keine der analysierten Studien untersucht hat, ob die höhere Entdeckungsrate tatsächlich zu einer geringeren Mortalität führt.
Der Review warnt vor einer deutlich erhöhten Rate an falsch-positiven Ergebnissen. Dies führt bei gesunden Frauen zu unnötiger psychischer Belastung und einer signifikant höheren Anzahl an unnötigen Biopsien.
Aktuell wird der routinemäßige Einsatz bei Frauen mit durchschnittlichem Risiko nicht empfohlen. Die Autoren betonen, dass der fehlende Nachweis eines Überlebensvorteils die hohen Raten an falsch-positiven Befunden nicht rechtfertigt.
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Quelle: Cochrane Review: Mammography in combination with breast ultrasonography versus mammography for breast cancer screening in women at average risk (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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