Listeriose: Diagnostik, Therapie und Schwangerschaft
Hintergrund
Listeriose wird hauptsächlich durch Listeria monocytogenes verursacht, ein grampositives, fakultativ intrazelluläres Stäbchenbakterium. Der Erreger ist ubiquitär verbreitet und kann sich auch bei Kühlschranktemperaturen in Lebensmitteln vermehren.
Die Infektion erfolgt meist lebensmittelbedingt, beispielsweise durch Rohmilchprodukte, rohes Fleisch oder Räucherfisch. Bei Schwangeren kann der Erreger transplazentar oder perinatal auf das Kind übertragen werden.
Während immunkompetente Personen oft asymptomatisch bleiben oder nur milde gastrointestinale Beschwerden entwickeln, drohen bei Risikogruppen schwere Verläufe. Zu diesen Gruppen zählen Schwangere, Neugeborene, ältere Menschen und Immunsupprimierte, bei denen Sepsis oder Meningitis auftreten können.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Die Listeriose ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche lebensmittelbedingte Infektion, die durch das Bakterium Listeria monocytogenes verursacht wird. Besonders gefährdet sind Schwangere, Neugeborene, ältere Menschen und immungeschwächte Personen. Pathophysiologie: Listerien sind grampositive Stäbchenbakterien, die sich intrazellulär vermehren und die Blut-Hirn-Schranke sowie die Plazentaschranke überwinden können. Sie werden meist durch kontaminierte Lebensmittel wie Rohmilchprodukte oder rohes Fleisch aufgenommen und dringen über die Darmschleimhaut in den Wirtsorganismus ein. Klinische Bedeutung: Aufgrund der hohen Letalität bei systemischen Verläufen erfordert die Erkrankung eine rasche ärztliche Intervention. Eine Infektion in der Schwangerschaft kann zu Aborten, Totgeburten oder schweren neonatalen Infektionen führen. Diagnostische Grundlagen: Die Diagnose wird in der Regel durch den kulturellen Erregernachweis aus sterilen Körpermaterialien wie Blut, Liquor oder Fruchtwasser gesichert. Serologische Verfahren spielen aufgrund mangelnder Sensitivität und Spezifität in der Routinediagnostik keine Rolle.
Wissenswertes
Die Inkubationszeit der Listeriose ist sehr variabel und kann zwischen wenigen Tagen und bis zu 70 Tagen betragen. In der Schwangerschaft liegt sie im Durchschnitt bei etwa drei bis vier Wochen. Dies erschwert oft die genaue Zuordnung zu einem bestimmten kontaminierten Lebensmittel.
Bei immunkompetenten Erwachsenen verläuft die Infektion oft asymptomatisch oder als milde, fieberhafte Gastroenteritis. Bei Risikogruppen können sich jedoch schwere systemische Verläufe wie eine Sepsis oder Meningoenzephalitis entwickeln.
Mittel der ersten Wahl zur Behandlung einer systemischen Listeriose ist in der Regel ein Aminopenicillin, häufig in Kombination mit einem Aminoglykosid. Cephalosporine sind gegen Listerien unwirksam, da diese eine natürliche Resistenz aufweisen.
Ein Erregernachweis aus dem Stuhl wird in der klinischen Routine meist nicht empfohlen, da auch gesunde Menschen Listerien asymptomatisch ausscheiden können. Entscheidend für die Diagnose einer invasiven Listeriose ist der Nachweis aus primär sterilen Materialien wie Blut oder Liquor.
Die Granulomatosis infantiseptica ist die schwerste Form der konnatalen Listeriose und geht mit disseminierten Mikroabszessen in verschiedenen Organen einher. Sie ist mit einer sehr hohen Letalität verbunden und erfordert eine sofortige intensivmedizinische Betreuung des Neugeborenen.
In Deutschland besteht eine namentliche Meldepflicht für den direkten oder indirekten Nachweis von Listeria monocytogenes aus Blut, Liquor oder anderen sterilen Substraten. Auch krankheitsbedingte Todesfälle durch Listeriose müssen an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Der RKI-Ratgeber warnt davor, dass sich Listerien auch bei Kühlschranktemperaturen und in Vakuumverpackungen selektiv vermehren können. Es wird betont, dass eine lange Kühlschranklagerung nicht vor einer Infektion schützt. Vakuumverpackte Lebensmittel sollten von Risikopatienten daher möglichst zügig nach dem Einkauf verbraucht werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Inkubationszeit variiert stark je nach klinischem Bild. Laut RKI-Ratgeber beträgt sie bei Gastroenteritis wenige Stunden bis 6 Tage, bei neurologischen Manifestationen 1 bis 14 Tage und bei schwangerschaftsassoziierten Fällen bis zu 67 Tage.
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie hochdosiertes Ampicillin oder Amoxicillin in Kombination mit einem Aminoglykosid. Als Alternative der zweiten Wahl wird Cotrimoxazol genannt.
Eine generelle Isolierung der Betroffenen ist laut RKI nicht erforderlich, es gelten die Standardhygienemaßnahmen. Eine Ausnahme können Wöchnerinnen nach der Geburt eines infizierten Kindes darstellen, um nosokomiale Übertragungen zu vermeiden.
Es wird empfohlen, auf Rohfleischerzeugnisse, Rohwurst, rohen oder geräucherten Fisch, Rohmilchweichkäse sowie vorgeschnittene verpackte Blattsalate zu verzichten. Blattsalate sollten stattdessen selbst frisch zubereitet werden.
Da Listerien auch bei bis zu 5 % der gesunden Personen im Stuhl vorkommen, ist diese Untersuchung bei Einzelfällen wenig aussagekräftig. Der RKI-Ratgeber beschränkt den Einsatz der Stuhldiagnostik daher auf Ausbruchsuntersuchungen.
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Quelle: RKI-Ratgeber: Listeriose (RKI/STIKO). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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