Knochenmarkzytologie: Gesundheit.gv.at Leitlinie
Hintergrund
Die Knochenmarkzytologie (KMZYTO) ist ein labordiagnostisches Verfahren zur mikroskopischen Untersuchung von Knochenmarkzellen. Laut der Leitlinie von Gesundheit.gv.at dient sie der weiterführenden Abklärung krankhafter Veränderungen des blutbildenden Systems, beispielsweise bei Verdacht auf Leukämie.
Im gesunden erwachsenen Organismus findet die Blutbildung (Myelopoese) im Knochenmark statt und umfasst die rote, weiße und thrombozytäre Zellreihe. Unter normalen Umständen werden nur ausgereifte Blutkörperchen oder reife Frühformen in das periphere Blut freigesetzt.
Das Auftreten unreifer Vorstufen im peripheren Blut macht weiterführende hämatologische Untersuchungen erforderlich. Neben der Leukozytentypisierung mittels Durchflusszytometrie ist für eine exakte Diagnosestellung immer auch eine Untersuchung des Knochenmarks notwendig.
Empfehlungen
Materialgewinnung
Die Leitlinie beschreibt die Knochenmarkaspiration als Standardverfahren, welches meist am Beckenkamm oder Brustbein durchgeführt wird. Das gewonnene Material kann für verschiedene diagnostische Zwecke genutzt werden:
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Markbröckchenausstriche für die Zytologie
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Histopathologische Gewebeuntersuchungen
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Durchflusszytometrie und zytogenetische Analysen
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Molekulargenetik und Infektionsdiagnostik
Präparation und Färbung
Es wird betont, dass bei der Verarbeitung des Materials besondere Sorgfalt erforderlich ist. Eine unsachgemäße Verarbeitung, wie zu dickes Ausstreichen oder starker mechanischer Druck, kann die zytologische Beurteilung erschweren.
Für die mikroskopische Begutachtung werden verschiedene Färbemethoden eingesetzt:
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Romanowsky-Färbung (May-Grünwald-Giemsa oder Wright)
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Eisenfärbung (Berliner-Blau-Reaktion)
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Spezialfärbungen für spezifische Zelllinien (z.B. PAS, Myeloperoxidase)
Befunderstellung und Klassifikation
Der schriftliche Befund muss laut Leitlinie in drei Abschnitte gegliedert sein. Zunächst wird die Qualität und der Zellgehalt des Materials beurteilt.
Anschließend erfolgt die Quantifizierung der Zellen (Myelogramm) und die Angabe des G:E-Verhältnisses (Granulozytopoese zu Erythrozytopoese), welches normalerweise 3:1 beträgt.
Abschließend wird das Ergebnis nach den Bewertungsgruppen der Österreichischen Gesellschaft für Zytologie (ÖGZ) klassifiziert:
| Bewertungsgruppe | Bedeutung |
|---|---|
| Gruppe 0 | Nicht beurteilbar |
| Gruppe A | Kein Anhaltspunkt für Malignität |
| Gruppe B | Auffällig, unklare Dignität |
| Gruppe C | Malignitätsverdächtig, maligne |
Referenzwerte (Myelogramm)
Die Leitlinie gibt folgende Referenzbereiche für die Verteilung kernhaltiger Zellen im Knochenmark an:
| Zellfraktion | Referenzbereich |
|---|---|
| Myeloblasten | 0–3 % |
| Promyelozyten | 2–5 % |
| Myelozyten | 8–17 % |
| Metamyelozyten | 10–25 % |
| Stabkernige neutrophile Granulozyten | 8–20 % |
| Segmentkernige neutrophile Granulozyten | 8–16 % |
| Eosinophile Granulozyten | 2–6 % |
| Basophile Granulozyten | 0–1 % |
| Monozyten | 0–3 % |
| Proerythroblasten | 0–2 % |
| Basophile Erythroblasten | 1–4 % |
| Polychromatische Erythroblasten | 12–24 % |
| Orthochromatische Erythroblasten | 2–24 % |
| Lymphozyten | 10–20 % |
| Plasmazellen | 0–3 % |
| Megakaryozyten | 0–1 % |
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor einer unsachgemäßen Probenverarbeitung bei der Erstellung von Markbröckchenausstrichen. Es wird darauf hingewiesen, dass ein zu dickes Ausstreichen des Materials oder ein zu starker mechanischer Druck die Zellen zerstören und die nachfolgende zytologische Beurteilung massiv erschweren können.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist die Untersuchung bei Verdacht auf Erkrankungen des blutbildenden Systems indiziert. Dies ist insbesondere der Fall, wenn unreife Vorstufen der blutbildenden Zellreihen im peripheren Blut auftreten.
Das Verhältnis zwischen Granulozytopoese und Erythrozytopoese (G:E-Verhältnis) beträgt im gesunden Knochenmark normalerweise 3:1. Es überwiegt somit die weiße Zellreihe aufgrund ihrer kürzeren Lebensdauer.
Die Leitlinie verweist auf die Einteilung der ÖGZ in vier Gruppen. Diese reichen von Gruppe 0 (nicht beurteilbar) über Gruppe A (kein Anhalt für Malignität) und B (unklare Dignität) bis zu Gruppe C (maligne).
Für die Knochenmarkaspiration werden typischerweise der Beckenkamm oder das Brustbein punktiert. Dort wird das Knochenmark nach der Punktion des Knochens angesaugt.
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Quelle: Laborwert: Knochenmarkdifferentialzellbild (Gesundheit.gv.at, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.