Kopfschmerzen ab 12 Jahren: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie CG150 befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung von primären Kopfschmerzerkrankungen bei Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen. Dazu zählen Spannungskopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Dieser entsteht häufig als Komplikation bei der Behandlung primärer Kopfschmerzen durch eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln.
Ziel der Leitlinie ist es, die Erkennung der verschiedenen Kopfschmerzarten im klinischen Alltag zu verbessern. Dadurch soll eine gezieltere Therapie ermöglicht und unnötige bildgebende Diagnostik vermieden werden.
Empfehlungen
Diagnostik und Warnsignale (Red Flags)
Die Leitlinie empfiehlt eine weiterführende Diagnostik oder fachärztliche Überweisung bei bestimmten Warnsignalen. Dazu gehören unter anderem:
-
Plötzlicher Kopfschmerz, der innerhalb von 5 Minuten sein Maximum erreicht
-
Neu aufgetretene neurologische Ausfälle oder kognitive Dysfunktionen
-
Kopfschmerzen, die durch Husten, Niesen oder körperliche Anstrengung ausgelöst werden
-
Begleitendes Fieber, Bewusstseinsstörungen oder kürzliche Schädeltraumata
Zur Unterstützung der Diagnose wird das Führen eines Kopfschmerztagebuchs über mindestens 8 Wochen empfohlen. Darin sollten Häufigkeit, Dauer, Schweregrad sowie eingenommene Medikamente dokumentiert werden.
Klassifikation der Kopfschmerzarten
Die Diagnose der primären Kopfschmerzen sollte anhand spezifischer klinischer Merkmale gestellt werden. Bei Überschneidungen von chronischer Migräne und chronischem Spannungskopfschmerz wird bei Vorliegen jeglicher Migränemerkmale die Diagnose einer chronischen Migräne empfohlen.
| Merkmal | Spannungskopfschmerz | Migräne (mit/ohne Aura) | Clusterkopfschmerz |
|---|---|---|---|
| Schmerzcharakter | Drückend/beengend | Pulsierend/pochend | Variabel (stechend, brennend) |
| Intensität | Leicht bis mittelstark | Mittelstark bis stark | Stark bis sehr stark |
| Lokalisation | Beidseitig | Einseitig oder beidseitig | Einseitig (um das Auge/Gesicht) |
| Dauer | 30 Minuten bis kontinuierlich | 4 bis 72 Stunden | 15 bis 180 Minuten |
| Begleitsymptome | Keine | Licht-/Lärmempfindlichkeit, Übelkeit | Rötung, Tränenfluss, verstopfte Nase (einseitig) |
Akuttherapie
Bei Spannungskopfschmerzen wird der Einsatz von Aspirin, Paracetamol oder NSAR empfohlen. Opioide sollen laut Leitlinie nicht verwendet werden.
Für die Akutbehandlung der Migräne wird eine Kombinationstherapie aus einem oralen Triptan und einem NSAR oder Paracetamol empfohlen. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren sollte ein nasales Triptan gegenüber einem oralen Präparat bevorzugt werden.
Bei Clusterkopfschmerzen wird eine Akuttherapie mit 100 % Sauerstoff und/oder einem subkutanen oder nasalen Triptan empfohlen. Paracetamol, NSAR oder orale Triptane sollen hierbei nicht angeboten werden.
Prophylaxe
Zur Migräneprophylaxe können Propranolol, Topiramat oder Amitriptylin in Betracht gezogen werden. Die Entscheidung sollte nach einer ausführlichen Aufklärung über Nutzen und Risiken getroffen werden.
Bei chronischem Spannungskopfschmerz kann eine Akupunkturbehandlung von bis zu 10 Sitzungen über 5 bis 8 Wochen erwogen werden.
Für die Prophylaxe von Clusterkopfschmerzen wird Verapamil empfohlen. Vor Therapiebeginn sollte fachärztlicher Rat eingeholt werden, insbesondere bezüglich der EKG-Überwachung.
Medikamentenübergebrauchskopfschmerz
Es wird darauf hingewiesen, dass ein Medikamentenübergebrauchskopfschmerz durch das Absetzen der übergebrauchten Medikamente behandelt wird. Die Leitlinie rät zu einem abrupten Absetzen aller übergebrauchten Akutmedikamente für mindestens einen Monat.
Betroffene sollten engmaschig betreut und darüber aufgeklärt werden, dass sich die Symptome kurzfristig verschlechtern können. Eine routinemäßige stationäre Aufnahme für den Entzug wird nicht empfohlen.
Dosierung
Die Leitlinie nennt spezifische Dosierungen für ausgewählte Therapiesituationen:
| Medikament | Dosis | Indikation |
|---|---|---|
| Aspirin | 900 mg | Akuttherapie der Migräne (Monotherapie) |
| Riboflavin | 400 mg einmal täglich | Migräneprophylaxe (Nahrungsergänzungsmittel) |
| Frovatriptan | 2,5 mg zweimal täglich | Menstruationsassoziierte Migräne (an erwarteten Tagen) |
| Zolmitriptan | 2,5 mg zwei- bis dreimal täglich | Menstruationsassoziierte Migräne (an erwarteten Tagen) |
| Sauerstoff (100 %) | Mindestens 12 l/min | Akuttherapie des Clusterkopfschmerzes |
Kontraindikationen
Topiramat darf nicht zur Migräneprophylaxe in der Schwangerschaft eingesetzt werden. Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist eine hochwirksame Empfängnisverhütung zwingend erforderlich.
Aspirin-haltige Präparate dürfen wegen des Risikos für das Reye-Syndrom nicht bei Personen unter 16 Jahren angewendet werden.
Opioide und Ergotamine sollen laut Leitlinie weder bei Spannungskopfschmerzen noch bei Migräne oder Clusterkopfschmerzen zur Akuttherapie angeboten werden.
Bei Personen mit Depressionen und Migräne wird zur Vorsicht bei der Verschreibung von Propranolol geraten. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Selbstverletzungen durch Überdosierung.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie betrifft den Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Es wird empfohlen, alle übergebrauchten Akutmedikamente abrupt und nicht ausschleichend für mindestens einen Monat abzusetzen. Betroffene sollten im Vorfeld zwingend darüber aufgeklärt werden, dass sich die Kopfschmerzen vor einer Besserung zunächst kurzfristig verschlimmern können.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, ein Kopfschmerztagebuch für mindestens 8 Wochen zu führen. Darin sollten Häufigkeit, Dauer, Schweregrad sowie eingenommene Medikamente dokumentiert werden.
Es wird eine Kombinationstherapie aus einem oralen Triptan und einem NSAR oder Paracetamol empfohlen. Bei Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren sollte laut Leitlinie ein nasales Triptan bevorzugt werden.
Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, Opioide zur Akuttherapie von Spannungskopfschmerzen, Migräne oder Clusterkopfschmerzen einzusetzen.
Zur Akutbehandlung wird die Gabe von 100 % Sauerstoff über eine Non-Rebreather-Maske mit mindestens 12 Litern pro Minute empfohlen. Zusätzlich kann ein subkutanes oder nasales Triptan eingesetzt werden.
Ein Verdacht besteht, wenn Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat bei Einnahme von Paracetamol oder NSAR auftreten. Bei Triptanen, Opioiden oder Kombinationspräparaten liegt die Grenze laut Leitlinie bei 10 oder mehr Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Headaches in over 12s: diagnosis and management (NICE, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen