Isatuximab: Therapie bei rezidiviertem Multiplem Myelom
Hintergrund
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Zusatznutzen von Isatuximab in Kombination mit Carfilzomib und Dexamethason bewertet. Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Patientinnen und Patienten mit multiplem Myelom, die bereits mindestens eine vorangegangene Therapie erhalten haben.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) unter anderem die Kombination aus Carfilzomib und Dexamethason festgelegt. Die Datengrundlage der Bewertung bildet die offene, randomisierte Phase-3-Studie IKEMA.
In der Studie wurden Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplem Myelom untersucht. Primärer Endpunkt war das progressionsfreie Überleben, während für die Nutzenbewertung patientenrelevante Endpunkte wie Gesamtüberleben, Morbidität, Lebensqualität und Nebenwirkungen herangezogen wurden.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen:
Gesamtüberleben und Symptomatik
Laut Bericht zeigt sich für das Gesamtüberleben kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Isatuximab plus Carfilzomib/Dexamethason und der Vergleichstherapie. Auch bei den Endpunkten zur Symptomatik und zum allgemeinen Gesundheitszustand lassen sich keine signifikanten Unterschiede feststellen.
Gesundheitsbezogene Lebensqualität
Für den Endpunkt der körperlichen Funktion zeigt sich eine Effektmodifikation durch das Krankheitsstadium (R-ISS) zu Studienbeginn:
-
Bei Patientinnen und Patienten im R-ISS-Stadium I oder II liegt kein signifikanter Unterschied vor.
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Für die Subgruppe im R-ISS-Stadium III ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen erheblichen Zusatznutzen zugunsten der Isatuximab-Kombination.
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In den übrigen Funktionsskalen (z. B. emotionale oder kognitive Funktion) zeigen sich keine signifikanten Unterschiede.
Nebenwirkungen
Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse (UE) zeigt sowohl Vor- als auch Nachteile für die Isatuximab-Kombination:
-
Es zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen beträchtlich geringeren Schaden bei schweren Thrombozytopenien.
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Demgegenüber steht ein Anhaltspunkt für einen beträchtlich höheren Schaden bei infusionsbedingten Reaktionen.
-
Ebenfalls zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen beträchtlich höheren Schaden bei Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes.
-
Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUE) insgesamt gibt es keinen signifikanten Unterschied.
Gesamtfazit zum Zusatznutzen
Das IQWiG stuft die Verteilung der positiven und negativen Effekte als ausgeglichen ein. Zusammenfassend ist laut Bericht ein Zusatznutzen von Isatuximab in Kombination mit Carfilzomib und Dexamethason gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt.
Dosierung
Der Bericht zitiert die Fachinformation hinsichtlich der Dosierung der Kombinationstherapie. Ein Behandlungszyklus umfasst 28 Tage.
| Wirkstoff | Dosis | Anwendungsschema (28-Tage-Zyklus) |
|---|---|---|
| Isatuximab | 10 mg/kg Körpergewicht i.v. | Zyklus 1: Tag 1, 8, 15 und 22. Ab Zyklus 2: Tag 1 und 15 |
| Carfilzomib | 20 bis 56 mg/m² Körperoberfläche i.v. | Zyklus 1: 20 mg/m² an Tag 1 und 2, danach 56 mg/m² an Tag 8, 9, 15 und 16. Ab Zyklus 2: 56 mg/m² an Tag 1, 2, 8, 9, 15 und 16 |
| Dexamethason | 20 mg (p.o. oder i.v.) | Alle Zyklen: Tag 1, 2, 8, 9, 15, 16, 22 und 23 |
Es wird eine Prämedikation (Dexamethason, Paracetamol, Diphenhydramin o.ä.) vor der Isatuximab-Infusion empfohlen, um infusionsbedingte Reaktionen zu minimieren.
Kontraindikationen
Laut den im Bericht zitierten Fachinformationen gelten folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen:
-
Infusionsbedingte Reaktionen: Diese treten häufig auf, meist im ersten Behandlungszyklus. Eine Prämedikation und eine engmaschige Überwachung der Vitalzeichen werden empfohlen.
-
Neutropenie: Das komplette Blutbild ist regelmäßig zu kontrollieren. Patienten sind auf Anzeichen von Infektionen zu überwachen.
-
Sekundäre Primärtumore: Es wird empfohlen, Patienten vor und während der Behandlung auf die Bildung sekundärer Primärtumore (z. B. Hautkrebs) zu untersuchen.
-
Interferenz mit serologischen Tests: Isatuximab kann zu einem falsch-positiven indirekten Antiglobulin-Test (Coombs-Test) führen. Vor der ersten Infusion sollte eine Blutgruppenbestimmung und ein Screening erfolgen.
-
Interferenz mit Ansprechens-Bestimmung: Der Antikörper kann in der Serum-Protein-Elektrophorese (SPE) und Immunfixation (IFE) detektiert werden, was die Beurteilung einer kompletten Remission (CR) erschweren kann.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Praxisaspekt ist die Interferenz von Isatuximab mit serologischen Blutuntersuchungen. Da der Antikörper an CD38 auf Erythrozyten bindet, kann dies zu einem falsch-positiven indirekten Coombs-Test führen, weshalb laut Fachinformation zwingend vor der ersten Infusion eine Blutgruppenbestimmung und ein Antikörperscreening durchgeführt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Die Kombination ist für erwachsene Patientinnen und Patienten mit multiplem Myelom indiziert, die bereits mindestens eine vorausgegangene Therapie erhalten haben.
Die empfohlene Dosis beträgt 10 mg/kg Körpergewicht als intravenöse Infusion. Im ersten 28-Tage-Zyklus erfolgt die Gabe wöchentlich, ab dem zweiten Zyklus alle zwei Wochen.
Zur Vermeidung infusionsbedingter Reaktionen wird eine Prämedikation mit Dexamethason, Paracetamol (650–1000 mg) und einem Antihistaminikum wie Diphenhydramin (25–50 mg) 15 bis 60 Minuten vor der Infusion empfohlen.
Das IQWiG sieht den Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt an. Positive Effekte (z. B. bei der körperlichen Funktion im Stadium III) und negative Effekte (z. B. infusionsbedingte Reaktionen) gleichen sich laut Bericht aus.
Aufgrund des Risikos für Neutropenien wird eine regelmäßige Kontrolle des kompletten Blutbildes während der Behandlung empfohlen. Zudem sind die Patienten auf Anzeichen von Infektionen zu überwachen.
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Quelle: IQWiG A21-60: Isatuximab (multiples Myelom nach >= 1 Vortherapie, Kombination mit Carfilzomib und Dexamethason) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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