Acalabrutinib bei CLL: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A21-87 bewertet den Zusatznutzen von Acalabrutinib bei erwachsenen Personen mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL). Es handelt sich um ein Addendum zum vorherigen Auftrag A20-105, basierend auf Daten der randomisierten kontrollierten Studie ASCEND.
Die Bewertung umfasst zwei spezifische Fragestellungen. Fragestellung 1 bezieht sich auf die Behandlung nach einer Vortherapie bei fehlender 17p-Deletion oder TP53-Mutation, sofern eine Chemoimmuntherapie angezeigt ist.
Fragestellung 3 untersucht den Einsatz nach mindestens zwei Vortherapien. Als Vergleichstherapien dienten Bendamustin in Kombination mit Rituximab oder Idelalisib in Kombination mit Rituximab.
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung liefert basierend auf der ASCEND-Studie folgende zentrale Ergebnisse für die Patientengruppe mit einer Vorbehandlung:
Mortalität und Morbidität
Laut Bericht zeigt sich für den Endpunkt Gesamtüberleben kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Acalabrutinib und der Vergleichstherapie. Auch bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und der krankheitsspezifischen Symptomatik lassen sich keine signifikanten Unterschiede feststellen.
Nebenwirkungen und Sicherheit
Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse (UE) zeigt ein gemischtes Bild mit spezifischen Vor- und Nachteilen für Acalabrutinib:
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Bei Diarrhö und Neutropenie ergibt sich ein statistisch signifikanter Vorteil für Acalabrutinib.
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Bei Kopfschmerzen zeigt sich ein statistisch signifikanter Nachteil unter der Therapie mit Acalabrutinib.
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Für schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUE) und Therapieabbrüche wegen UE gibt es keine signifikanten Unterschiede.
Subgruppenanalysen
Der Bericht untersuchte zudem mögliche Effektmodifikationen. Weder das Alter, das Geschlecht noch das Rai-Stadium zu Studienbeginn zeigten eine relevante Modifikation der Behandlungseffekte.
Dosierung
Die in der zugrundeliegenden ASCEND-Studie verwendeten Dosierungsschemata umfassen:
| Medikament | Dosis | Anwendungsdauer |
|---|---|---|
| Acalabrutinib | 200 mg (2-mal täglich 100 mg) oral | Bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptabler Toxizität |
| Bendamustin | 70 mg/m2 KOF i.v. an Tag 1 und 2 des Zyklus | Maximal 6 Zyklen |
| Rituximab (mit Bendamustin) | 375 mg/m2 KOF an Tag 1 (Zyklus 1), danach 500 mg/m2 KOF | Über 6 Zyklen |
| Idelalisib | 300 mg (2-mal täglich 150 mg) oral | Bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptabler Toxizität |
| Rituximab (mit Idelalisib) | 375 mg/m2 KOF (Zyklus 1), danach 500 mg/m2 KOF in Intervallen | Insgesamt 8 Infusionen |
Kontraindikationen
Laut den Einschlusskriterien der bewerteten Studie waren folgende Begleitbehandlungen nicht erlaubt:
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Jegliche weitere Therapien zur Behandlung der CLL
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Warfarin oder ein äquivalenter Vitamin-K-Antagonist
💡Praxis-Tipp
Bei der Aufklärung über Acalabrutinib wird empfohlen, das spezifische Nebenwirkungsprofil im Vergleich zur Chemoimmuntherapie zu kommunizieren. Laut Bewertung treten unter Acalabrutinib zwar seltener Diarrhö und Neutropenien auf, jedoch muss vermehrt mit Kopfschmerzen gerechnet werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut der IQWiG-Bewertung zeigt sich beim Gesamtüberleben kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Acalabrutinib und der Vergleichstherapie. Dies gilt für den Vergleich mit Bendamustin/Rituximab oder Idelalisib/Rituximab.
Die Auswertung der Studiendaten belegt einen statistisch signifikanten Vorteil für Acalabrutinib bei den Endpunkten Diarrhö und Neutropenie. Diese unerwünschten Ereignisse traten seltener auf als unter der Vergleichstherapie.
Der Bericht stellt fest, dass es bei dem Endpunkt Kopfschmerz einen statistisch signifikanten Unterschied zum Nachteil von Acalabrutinib gibt. Kopfschmerzen wurden in der Interventionsgruppe häufiger dokumentiert.
In den untersuchten Subgruppenanalysen konnte keine relevante Effektmodifikation festgestellt werden. Weder Alter, Geschlecht noch das Rai-Stadium zu Studienbeginn beeinflussten die Ergebnisse signifikant.
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Quelle: IQWiG A21-87: Acalabrutinib (vorbehandelte chronische lymphatische Leukämie) - Addendum zum Auftrag A20-105 (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.