IQWiG2020Onkologie

Neratinib bei Mammakarzinom: IQWiG-Nutzenbewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A19-98 bewertet den Zusatznutzen von Neratinib zur erweiterten adjuvanten Behandlung des Mammakarzinoms. Die Zielgruppe umfasst erwachsene Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem, HER2-überexprimiertem Brustkrebs in einem frühen Stadium.

Voraussetzung für die Therapie ist, dass die vorherige Trastuzumab-basierte adjuvante Behandlung seit weniger als einem Jahr abgeschlossen ist. Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ein beobachtendes Abwarten festgelegt.

Die Bewertung basiert maßgeblich auf der randomisierten, doppelblinden ExteNET-Studie. In dieser wurde die Behandlung mit Neratinib gegen Placebo verglichen.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen:

Gesamtaussage zum Zusatznutzen

Laut Bewertung ist ein Zusatznutzen von Neratinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. In der Gesamtschau stehen einem positiven Effekt mehrere negative Effekte gegenüber.

Positive Effekte (Wirksamkeit)

Für den Endpunkt Rezidive (krankheitsfreies Überleben) zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der Intervention.

Der Bericht leitet daraus einen Anhaltspunkt für einen erheblichen Zusatznutzen ab. Dieser Vorteil basiert auf einem Nachbeobachtungszeitraum von zwei Jahren ab Randomisierung.

Zu den Endpunkten Gesamtüberleben, Gesundheitszustand und gesundheitsbezogene Lebensqualität konnte kein Zusatznutzen belegt werden.

Negative Effekte (Nebenwirkungen)

Dem Vorteil bei den Rezidiven stehen laut Bewertung gravierende Nachteile bei den Nebenwirkungen gegenüber. Es ergeben sich folgende negative Effekte:

  • Hinweis auf einen höheren Schaden bei schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3)

  • Hinweis auf einen höheren Schaden mit erheblichem Ausmaß bei Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts (insbesondere Diarrhö)

  • Anhaltspunkt für einen höheren Schaden bei Therapieabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse

  • Anhaltspunkt für einen höheren Schaden bei Fatigue, Stoffwechselstörungen und Erkrankungen des Nervensystems

Dosierung

Die eingeschlossene Studie untersuchte folgendes Dosierungsschema für Neratinib:

WirkstoffStandarddosierungDosisreduktion bei Unverträglichkeit
Neratinib240 mg (1-mal täglich, oral)In 40-mg-Schritten bis minimal 120 mg

Kontraindikationen

Gemäß den Studienkriterien der Nutzenbewertung sind folgende Vorbehandlungen nicht erlaubt:

  • Andere HER1- oder HER2-Inhibitoren außer Trastuzumab

  • Mediastinale Bestrahlung (mit Ausnahme einer Bestrahlung der Lymphknoten im Bereich der A. mammaris interna)

Zudem wird bei einer Intoleranz der reduzierten Dosis von 120 mg ein Therapieabbruch beschrieben.

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💡Praxis-Tipp

Der Bericht weist darauf hin, dass das charakteristische Nebenwirkungsprofil von Neratinib, insbesondere das häufige Auftreten von gastrointestinalen Ereignissen wie Diarrhö, zu einer Entblindung in der Studie geführt haben könnte. Es wird beschrieben, dass diese schweren Nebenwirkungen das Ausmaß des Nutzens beim rezidivfreien Überleben in der Gesamtschau aufheben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Bericht ist der Wirkstoff für erwachsene Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem, HER2-überexprimiertem Mammakarzinom im Frühstadium vorgesehen. Voraussetzung ist, dass die vorherige Trastuzumab-Therapie seit weniger als einem Jahr abgeschlossen ist.

Die IQWiG-Bewertung kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen gegenüber dem beobachtenden Abwarten insgesamt nicht belegt ist. Zwar gibt es einen Vorteil bei der Rezidivvermeidung, dieser wird jedoch durch erhebliche Nebenwirkungen aufgewogen.

Der Bericht stellt gravierende Nachteile durch unerwünschte Ereignisse fest. Insbesondere gastrointestinale Beschwerden wie schwere Diarrhö sowie Muskelspasmen und Fatigue werden als signifikante Risiken beschrieben.

Zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung lagen noch keine vergleichenden Auswertungen zum Gesamtüberleben vor. Die finale Analyse dieses Endpunkts ist laut Studienprotokoll erst nach dem Eintreten von 248 Todesfällen geplant.

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Quelle: IQWiG A19-98: Neratinib (Mammakarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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