IQWiG2017Onkologie

Alectinib bei NSCLC: IQWiG-Nutzenbewertung

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KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2017)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A17-44 (Addendum zum Auftrag A17-19) bewertet den Zusatznutzen von Alectinib bei fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC).

Die Bewertung fokussiert sich auf erwachsene Patientinnen und Patienten mit einer anaplastischen Lymphomkinase (ALK)-positiven Erkrankung. Als Voraussetzung gilt eine Vorbehandlung mit einer platinbasierten Kombinationschemotherapie sowie mit Crizotinib.

Als Datengrundlage dient die offene, randomisierte kontrollierte Phase-III-Studie ALUR. In dieser wurde Alectinib direkt mit einer Chemotherapie (Docetaxel oder Pemetrexed) verglichen.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:

Gesamtaussage zum Zusatznutzen

Das IQWiG sieht einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen von Alectinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Docetaxel oder Pemetrexed). Dieser Vorteil begründet sich primär durch eine signifikante Verringerung von Nebenwirkungen.

Überleben und Lebensqualität

Laut Bericht zeigen sich in diesen Bereichen folgende Ergebnisse:

  • Für das Gesamtüberleben ergibt sich kein statistisch signifikanter Unterschied.

  • Die Überlebensdaten sind durch einen hohen Anteil an Therapiewechseln (Crossover) von der Chemotherapie zu Alectinib (68,6 %) in ihrer Aussagekraft stark eingeschränkt.

  • Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität lassen sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen feststellen.

Symptomatik und Nebenwirkungen

Die Auswertung der unerwünschten Ereignisse (UE) und Symptome zeigt laut IQWiG ein gemischtes Bild mit überwiegend positiven Effekten für Alectinib:

  • Positive Effekte: Es gibt Anhaltspunkte für einen beträchtlichen Zusatznutzen durch weniger Alopezie sowie einen geringen Zusatznutzen durch weniger Diarrhö.

  • Schwere Nebenwirkungen: Für schwere UE (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden (Ausmaß: beträchtlich) unter Alectinib.

  • Negative Effekte: Bei dem Symptom Verstopfung ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen (Ausmaß: gering) im Vergleich zur Chemotherapie.

Dosierung

Der IQWiG-Bericht führt basierend auf der ALUR-Studie folgende Dosierungsschemata auf:

MedikamentDosisApplikationRhythmus
Alectinib600 mgoral (mit den Mahlzeiten)2-mal täglich
Pemetrexed500 mg/m²intravenösalle 3 Wochen
Docetaxel75 mg/m²intravenösalle 3 Wochen

Laut Bericht ist bei Alectinib eine Dosisreduktion in Schritten von 150 mg (2-mal täglich) bei Unverträglichkeit erlaubt. Ein Abbruch wird beschrieben, wenn eine Dosis von 300 mg (2-mal täglich) nicht toleriert wird.

Zusätzlich wird im Pemetrexed-Arm eine Begleitmedikation mit Folsäure, Vitamin B12 und Dexamethason beschrieben. Im Docetaxel-Arm wird eine Prämedikation mit Kortikosteroiden aufgeführt.

Kontraindikationen

Der Bericht listet für die Behandlung mit Alectinib in der ALUR-Studie folgende nicht erlaubte Begleitmedikationen auf:

  • Starke CYP3A-Induktoren (z. B. Rifampicin, Rifabutin, Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin, Johanniskraut)

  • Starke CYP3A-Inhibitoren (z. B. Ketoconazol)

  • Systemische Immunsuppressiva

  • Zytotoxische oder chemotherapeutische Behandlungen

  • Ergot-Derivate, Probenecid und Gallensäurebinder

Zudem wird darauf hingewiesen, dass Substrate des BCRP- oder P-gp-Transporters mit engem therapeutischen Index (z. B. Digoxin, Methotrexat) mit Vorsicht angewendet werden sollten.

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💡Praxis-Tipp

Laut IQWiG-Bericht ist bei der Interpretation der Überlebensdaten Vorsicht geboten, da fast 70 % der Patientinnen und Patienten im Chemotherapie-Arm bei Krankheitsprogression zu Alectinib wechselten. Dieser hohe Crossover-Anteil schränkt die Aussagekraft bezüglich des Gesamtüberlebens stark ein. Der festgestellte beträchtliche Zusatznutzen stützt sich daher primär auf das signifikant bessere Nebenwirkungsprofil, insbesondere bei schweren unerwünschten Ereignissen.

Häufig gestellte Fragen

Der Bericht bewertet Alectinib bei Erwachsenen mit ALK-positivem, fortgeschrittenem NSCLC. Voraussetzung ist, dass die Betroffenen zuvor bereits mit Crizotinib und einer platinbasierten Chemotherapie behandelt wurden.

Laut IQWiG lässt sich kein statistisch signifikanter Unterschied beim Gesamtüberleben belegen. Die Daten sind jedoch durch einen hohen Anteil an Therapiewechseln in den Alectinib-Arm stark verzerrt.

Die Auswertung zeigt einen beträchtlichen Vorteil durch das seltenere Auftreten von schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3). Zudem treten laut Bericht Alopezie und Diarrhö unter Alectinib seltener auf als unter der Vergleichstherapie.

Der Bericht stellt fest, dass Verstopfung unter Alectinib signifikant häufiger auftritt als unter Docetaxel oder Pemetrexed. Dies wird als Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen in diesem spezifischen Endpunkt gewertet.

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Quelle: IQWiG A17-44: Alectinib (nicht kleinzelliges Lungenkarzinom) - Addendum zum Auftrag A17-19 (IQWiG, 2017). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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