Necitumumab bei NSCLC: IQWiG-Nutzenbewertung
Hintergrund
Dieser Artikel basiert auf dem Addendum A16-53 des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) aus dem Jahr 2016.
Necitumumab wird in Kombination mit einer Chemotherapie bei Patienten mit metastasiertem, den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) exprimierenden, plattenepithelialen, nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) eingesetzt. Es handelt sich um eine Erstlinientherapie für dieses Tumorstadium.
Anlass für das Addendum war eine mündliche Anhörung, in der auf Basis der SQUIRE-Studie ein Langzeitüberlebensvorteil unter Necitumumab nach drei Jahren postuliert wurde. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das IQWiG daraufhin mit der Prüfung nachgereichter Daten zur Anzahl der Patienten unter Risiko (Number at risk).
Empfehlungen
Analyse der Überlebensdaten
Der Bericht evaluiert die Kaplan-Meier-Überlebenskurven der SQUIRE-Studie. Verglichen wird die Kombination aus Necitumumab, Gemcitabin und Cisplatin mit der alleinigen Gabe von Gemcitabin und Cisplatin.
Laut Bewertung nimmt die Zahl der Patienten unter Risiko im Studienverlauf deutlich ab. Dies wird durch eingetretene Todesfälle sowie durch Zensierungen im Datensatz begründet.
Bewertung des Langzeitüberlebens
Der Bericht vergleicht die verbliebenen Patienten unter Risiko zum Zeitpunkt von 36 Monaten (3 Jahren):
| Behandlungsarm | Patienten unter Risiko (Monat 36) | Statistische Aussagekraft |
|---|---|---|
| Necitumumab + Gemcitabin + Cisplatin | 3 | Sehr gering |
| Gemcitabin + Cisplatin | 3 | Sehr gering |
Das IQWiG leitet aus diesen Daten folgende Kernpunkte ab:
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Ab dem Zeitpunkt von zwei Jahren, spätestens jedoch nach 30 Monaten, ist die Zahl der beobachteten Patienten sehr gering.
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Aufgrund der extrem niedrigen Patientenzahlen (jeweils n=3) ist eine verlässliche Aussage über einen Überlebensvorteil zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.
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Die in der Anhörung aufgestellte Behauptung eines Langzeitüberlebensvorteils lässt sich aus den Daten nicht ableiten.
Fazit der Nutzenbewertung
Das IQWiG schlussfolgert, dass die nachgereichten Daten zur Anzahl der Patienten unter Risiko das ursprüngliche Bewertungsergebnis nicht verändern. Die Dossierbewertung A16-17 behält somit ihre Gültigkeit.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht verdeutlicht, dass bei der Interpretation von Kaplan-Meier-Kurven in der Onkologie stets die Anzahl der Patienten unter Risiko (Number at risk) beachtet werden muss. Es wird darauf hingewiesen, dass scheinbare Überlebensvorteile im späten Studienverlauf statistisch nicht belastbar sind, wenn nur noch sehr wenige Patienten unter Beobachtung stehen.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht umfasste die Studie Patienten mit metastasiertem, EGFR-exprimierendem, plattenepithelialem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC). Voraussetzung war, dass diese zuvor keine Chemotherapie für dieses Stadium erhalten hatten.
Der Bericht stellt fest, dass ein solcher Vorteil statistisch nicht ableitbar ist. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in beiden Studienarmen nur noch jeweils drei Patienten unter Risiko.
Die Unsicherheit resultiert aus der stark abnehmenden Zahl der Patienten unter Risiko im Studienverlauf. Gemäß der Bewertung lassen sehr kleine Gruppengrößen am Ende des Beobachtungszeitraums keine validen Schätzungen mehr zu.
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Quelle: IQWiG A16-53: Necitumumab (Lungenkarzinom) - Addendum zum Auftrag A16-17 (IQWiG, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.