Insektizid-behandelte Netze (LLIN): Wirksamkeitsprüfung
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2013) beschreibt standardisierte Verfahren zur Labor- und Feldtestung von langlebigen insektiziden Moskitonetzen (LNs). Ziel ist es, konsistente Daten für die Registrierung und Kennzeichnung dieser Produkte durch nationale Behörden zu generieren.
Ein LN ist ein werkseitig behandeltes Moskitonetz, das seine biologische Aktivität über eine definierte Anzahl von Standardwäschen und eine bestimmte Nutzungsdauer unter Feldbedingungen beibehalten soll. Derzeit wird erwartet, dass ein LN mindestens 20 Standardwäschen und drei Jahre Nutzung übersteht.
Die Leitlinie gliedert die Evaluation in drei Phasen: Laborstudien (Phase I), kleine Feldversuche in experimentellen Hütten (Phase II) und große Feldstudien (Phase III). Zudem werden Anpassungen für Netze mit neuartigen Insektiziden oder Mischungen beschrieben.
Empfehlungen
Phase I: Laborstudien
Laut Leitlinie dienen Laborstudien der Bestimmung von Wirksamkeit, Waschbeständigkeit und Regenerationszeit des Insektizids. Die Testung erfolgt an einer vollständig empfindlichen Anopheles-Mückenart.
Ein Netz muss laut Leitlinie mindestens 20 Standardwäschen überstehen. Die Leitlinie definiert folgende Grenzwerte für die biologische Wirksamkeit:
| Testmethode | Parameter | Geforderter Grenzwert |
|---|---|---|
| WHO-Kegel-Bioassay | Mortalität (nach 24 h) | ≥ 80 % |
| WHO-Kegel-Bioassay | Knock-down (nach 60 min) | ≥ 95 % |
| Tunneltest | Mortalität | ≥ 80 % |
| Tunneltest | Blutmahlzeit-Hemmung | ≥ 90 % |
Es wird empfohlen, den Tunneltest durchzuführen, wenn die Kriterien im Kegel-Bioassay nicht erreicht werden.
Phase II: Kleine Feldversuche
Es wird empfohlen, Netze, die Phase I bestanden haben, in experimentellen Hütten gegen freifliegende, wilde Mücken zu testen. Dabei wird die Wirksamkeit hinsichtlich Blutmahlzeit-Hemmung, Abschreckung und induzierter Mortalität bewertet.
Die Leitlinie empfiehlt den Vergleich mit einer negativen Kontrolle (unbehandeltes Netz) und einer positiven Kontrolle (ein von der WHO empfohlenes Referenz-LN).
Ein Kandidaten-LN erfüllt die Kriterien der Phase II, wenn es nach 20 Wäschen in Bezug auf Blutmahlzeit-Hemmung und Mortalität mindestens so gut abschneidet wie das Referenz-LN nach 20 Wäschen.
Phase III: Große Feldstudien
Für eine vollständige Empfehlung wird laut Leitlinie der Nachweis der Haltbarkeit über drei Jahre unter Feldbedingungen gefordert. Die Studien sollen an mindestens drei verschiedenen Standorten durchgeführt werden.
Folgende Parameter werden gemäß Leitlinie in Phase III überwacht:
-
Insektizide Langzeitwirkung (Bio-Efficacy)
-
Verlustrate der Netze (Attrition)
-
Physische Haltbarkeit des Gewebes (Fabric Integrity)
-
Akzeptanz in der Gemeinschaft und Sicherheit
Zur Beurteilung der physischen Haltbarkeit klassifiziert die Leitlinie Löcher im Gewebe in vier Kategorien:
| Kategorie | Beschreibung | Größe |
|---|---|---|
| Größe 1 | Kleiner als ein Daumen | 0,5–2 cm |
| Größe 2 | Größer als ein Daumen, kleiner als eine Faust | 2–10 cm |
| Größe 3 | Größer als eine Faust, kleiner als ein Kopf | 10–25 cm |
| Größe 4 | Größer als ein Kopf | > 25 cm |
Ein Netz erfüllt die Kriterien der Phase III, wenn nach drei Jahren mindestens 80 % der beprobten Netze in Bioassays wirksam sind.
Neuartige Insektizide und Mischungen
Bei LNs mit neuartigen Insektiziden oder Insektizidmischungen empfiehlt die Leitlinie Anpassungen der Testprotokolle. Die Wirksamkeit sollte sowohl an empfindlichen als auch an resistenten Mückenstämmen geprüft werden.
Wenn der Wirkmechanismus stark von Pyrethroiden abweicht, können epidemiologische Studien zum Nachweis der Reduktion der Malariaübertragung erforderlich sein.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass die Wirksamkeit von behandelten Netzen im Standard-Kegel-Bioassay unterschätzt werden kann, insbesondere bei Insektiziden mit starkem excito-repellentem Effekt wie Permethrin. Es wird daher empfohlen, bei Netzen, die nach 20 Wäschen die Kriterien im Kegeltest nicht mehr erfüllen, zwingend einen Tunneltest durchzuführen, um die tatsächliche Blutmahlzeit-Hemmung zu erfassen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie werden Netzproben in einem standardisierten Verfahren mit Seife gewaschen und geschüttelt. Zwischen den Waschgängen wird eine Regenerationszeit abgewartet, bevor die biologische Wirksamkeit erneut im Bioassay getestet wird.
Der Loch-Index (Hole Index) ist ein Maß für die physische Integrität des Netzes in Phase-III-Studien. Die Leitlinie beschreibt, dass Löcher in vier Größenkategorien eingeteilt und entsprechend ihrer durchschnittlichen Fläche gewichtet werden, um den Index zu berechnen.
Die Leitlinie definiert, dass ein langlebiges insektizides Netz (LN) seine biologische Aktivität für mindestens 20 Standardwäschen unter Laborbedingungen behalten muss. Unter Feldbedingungen wird eine Wirksamkeit über mindestens drei Jahre der empfohlenen Nutzung erwartet.
Es wird empfohlen, in Phase-II- und Phase-III-Studien die Insektizidresistenz der wilden Mückenpopulation regelmäßig zu überwachen. Bei neuartigen Insektizidmischungen empfiehlt die Leitlinie, die Netze gezielt auch in Gebieten mit Pyrethroid-resistenten Populationen zu testen.
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Quelle: Guidelines for laboratory and field testing of long-lasting insecticidal nets (WHO, 2013). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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