WHO2024

Influenza: Diagnostik, antivirale Therapie & Prophylaxe

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie (2024) aktualisiert die Empfehlungen zum klinischen Management der Influenza. Sie umfasst sowohl die saisonale als auch die pandemische und zoonotische Influenza.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Unterscheidung zwischen schweren und nicht-schweren Krankheitsverläufen sowie der Risikostratifizierung. Als Hochrisikopatienten für eine Hospitalisierung gelten Personen ab 65 Jahren oder solche mit schweren Begleiterkrankungen.

Die Leitlinie bewertet verschiedene antivirale Medikamente, adjuvante Therapien und diagnostische Strategien. Zudem werden spezifische Empfehlungen zur Postexpositionsprophylaxe bei Kontakt mit saisonalen oder zoonotischen Influenzaviren ausgesprochen.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie (2024) formuliert folgende Kernempfehlungen für das klinische Management der Influenza:

Diagnostik

Bei Verdacht auf eine nicht-schwere Influenza bei Hochrisikopatienten wird der Einsatz von Nukleinsäure-Amplifikationstests (NAAT) oder digitalen Immunoassays (DIA) empfohlen (bedingte Empfehlung). Bei Verdacht auf eine schwere Influenza empfiehlt die Leitlinie hochsensitive NAAT- oder PCR-Tests.

Falls bei schwerer Influenza ein PCR-Ergebnis erst nach mehr als 24 Stunden verfügbar ist, sollte laut Leitlinie eine empirische antivirale Therapie begonnen werden. Diese ist bei negativem Testergebnis wieder zu beenden.

Therapie der nicht-schweren Influenza

Für Patienten mit nicht-schwerer Influenza und hohem Risiko für einen schweren Verlauf wird Baloxavir empfohlen (bedingte Empfehlung). Als Hochrisikopatienten gelten Personen ab 65 Jahren oder solche mit schweren Begleiterkrankungen.

Die Leitlinie spricht sich gegen den routinemäßigen Einsatz folgender Virostatika bei nicht-schwerer Influenza aus:

  • Oseltamivir (starke Empfehlung)

  • Zanamivir (starke Empfehlung)

  • Favipiravir (starke Empfehlung)

  • Laninamivir, Peramivir und Umifenovir (bedingte Empfehlungen)

Ebenso wird von einer begleitenden Antibiotikagabe abgeraten, sofern die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Koinfektion gering ist (starke Empfehlung).

Therapie der schweren Influenza

Bei schwerer Influenza wird Oseltamivir als antivirale Therapie empfohlen (bedingte Empfehlung). Dies schließt auch Infektionen mit zoonotischer Influenza mit hoher Mortalität ein.

Von der Gabe von Peramivir oder Zanamivir bei schwerer Influenza wird abgeraten. Adjuvante immunmodulatorische Therapien wie Kortikosteroide, Makrolide, NSAID oder Plasma-Therapien werden bei schwerer Influenza ohne spezifische Indikation nicht empfohlen.

Postexpositionsprophylaxe

Für asymptomatische Personen mit extrem hohem Risiko (z. B. Alter ab 85 Jahren oder multiple Risikofaktoren) wird nach Exposition gegenüber saisonaler Influenza eine Prophylaxe empfohlen. Hierfür können Baloxavir, Laninamivir, Oseltamivir oder Zanamivir eingesetzt werden.

Bei Exposition gegenüber zoonotischer Influenza mit hoher Mortalität (z. B. H5N1) wird eine Prophylaxe mit diesen Virostatika generell angeraten.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende Dosierungen für die antivirale Therapie und Prophylaxe:

Baloxavir (Therapie und Prophylaxe)

KörpergewichtDosis
< 20 kg2 mg/kg (als Suspension)
20 bis 79 kg40 mg (Tablette)
≥ 80 kg80 mg (Tablette)

Oseltamivir (Erwachsene und Jugendliche ab 13 Jahren, > 40 kg)

IndikationDosisDauer
Schwere Influenza (Therapie)75 mg zweimal täglich5 Tage
Prophylaxe (saisonal)75 mg einmal täglich10 Tage
Prophylaxe (zoonotisch)75 mg zweimal täglich10 bis 14 Tage

Oseltamivir Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz (Therapie)

Kreatinin-Clearance (mL/min)Dosis
> 6075 mg zweimal täglich
> 30 bis 6030 mg zweimal täglich
> 10 bis 3030 mg einmal täglich
≤ 10Nicht empfohlen

Kontraindikationen

Die Leitlinie führt folgende Warnhinweise und Kontraindikationen auf:

  • Baloxavir: Aufgrund fehlender Sicherheitsdaten wird der Einsatz bei Schwangeren und in der Stillzeit derzeit nicht empfohlen. Bei immunsupprimierten Patienten ist Vorsicht geboten, da das Risiko einer Resistenzentwicklung erhöht sein kann.

  • Zanamivir: Inhalatives Zanamivir sollte bei Patienten mit chronischen Atemwegserkrankungen (z. B. Asthma) wegen des erhöhten Risikos für Bronchospasmen vermieden werden.

  • Favipiravir: Darf aufgrund mutagener Eigenschaften nicht in der Schwangerschaft angewendet werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die unkritische Gabe von Oseltamivir bei unkomplizierter, nicht-schwerer Influenza. Die Leitlinie rät bei diesen Verläufen explizit von Oseltamivir ab und empfiehlt stattdessen Baloxavir, jedoch nur für Patienten mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf. Zudem wird betont, dass eine antivirale Therapie idealerweise innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn initiiert werden sollte.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie gelten Personen ab 65 Jahren sowie Patienten mit schweren Begleiterkrankungen als Hochrisikopatienten. Dazu zählen Immunsuppression, kardiovaskuläre, neurologische oder chronische Atemwegserkrankungen. Für diese Gruppe wird bei nicht-schwerer Influenza eine frühzeitige Therapie empfohlen.

Die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung gegen den Einsatz von Antibiotika bei nicht-schwerer Influenza aus, sofern die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Koinfektion gering ist. Ein routinemäßiger Einsatz zur Immunmodulation wird nicht empfohlen.

Bei schwerer Influenza empfiehlt die Leitlinie den Einsatz von Oseltamivir. Die Behandlung sollte so früh wie möglich, idealerweise innerhalb von zwei Tagen nach Symptombeginn, gestartet werden.

Eine Prophylaxe wird laut Leitlinie nur für asymptomatische Personen mit extrem hohem Risiko (z. B. Alter über 85 Jahre) nach Kontakt mit saisonaler Influenza empfohlen. Bei Kontakt mit hochpathogenen zoonotischen Influenzaviren wird die Prophylaxe generell angeraten.

Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz von Kortikosteroiden als adjuvante Therapie bei schwerer Influenza ab. Eine Ausnahme kann bestehen, wenn sich ein akutes Atemnotsyndrom (ARDS) entwickelt hat.

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Quelle: Clinical practice guidelines for influenza (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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