Infektiöse Diarrhö: Hygiene und Infektionsprävention
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie (2024) adressiert die Prävention und Kontrolle von infektiöser Diarrhö in Gesundheitseinrichtungen. Im Fokus stehen Maßnahmen zu Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene (WASH), Lebensmittelsicherheit sowie der allgemeinen Infektionsprävention.
Infektiöse Diarrhö wird primär fäkal-oral übertragen, beispielsweise durch kontaminiertes Wasser, Lebensmittel oder Schmierinfektionen. Zu den häufigsten Erregern nosokomialer Ausbrüche zählen Clostridioides difficile, Norovirus, Rotavirus sowie Bakterien wie Escherichia coli, Salmonella spp. und Vibrio cholerae.
Nosokomiale Durchfallerkrankungen führen laut Leitlinie zu verlängerten Krankenhausaufenthalten, signifikanten Komplikationen und einer erhöhten Mortalität. Eine konsequente Umsetzung von Hygienemaßnahmen ist daher essenziell, um Übertragungswege zu unterbrechen.
Empfehlungen
WASH-Infrastruktur und Abfallmanagement
Die Leitlinie empfiehlt die Bereitstellung von ausreichend sicherem Wasser (40–60 Liter pro Patient und Tag) sowie eine Notfallreserve für mindestens zwei Tage. Der Restchlorgehalt sollte an den Entnahmestellen täglich kontrolliert werden und zwischen 0,2 und 0,5 mg/L liegen.
Für die Sanitärversorgung wird ein Verhältnis von einer Toilette pro 20 Nutzer empfohlen. Toiletten sollten mindestens zweimal täglich gereinigt und desinfiziert werden.
Medizinische Abfälle und mit Körperflüssigkeiten kontaminierte Materialien sind als gefährlicher infektiöser Abfall zu behandeln.
Lebensmittelsicherheit
Personal mit gastrointestinalen Symptomen ist laut Leitlinie von der Lebensmittelzubereitung auszuschließen. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz wird erst 48 Stunden nach Abklingen der Symptome empfohlen.
Speisen müssen bei der Zubereitung eine Kerntemperatur von mindestens 70 °C erreichen. Bis zum Servieren wird eine Warmhaltung bei über 60 °C empfohlen, während verderbliche Speisen bei unter 5 °C gekühlt werden sollten.
Infektionsprävention und -kontrolle (IPC)
Es wird ein systematisches Screening aller Patienten auf Diarrhö-Symptome beim Erstkontakt empfohlen. Bei Verdacht auf eine infektiöse Diarrhö ist eine sofortige Isolierung in einem Einzelzimmer mit eigener Toilette indiziert.
Ist dies nicht möglich, kann eine Kohortenisolierung von Patienten mit demselben laborbestätigten Erreger erfolgen.
Die Leitlinie empfiehlt bei der Versorgung strikte Kontaktvorkehrungen:
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Tragen von flüssigkeitsabweisenden Kitteln oder Schürzen
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Nutzung von Einmalhandschuhen
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Zusätzlicher Mund-Nasen-Schutz und Augenschutz bei Erbrechens- oder Spritzgefahr
Bei Erregern wie Clostridioides difficile, Norovirus und Vibrio cholerae wird die Händehygiene mit Wasser und Seife gegenüber alkoholischen Händedesinfektionsmitteln bevorzugt.
Umgebungsreinigung und Desinfektion
Die Patientenumgebung sollte mindestens zweimal täglich gereinigt und desinfiziert werden. Die Leitlinie gibt spezifische Konzentrationen für die Wischdesinfektion mit Natriumhypochlorit vor.
| Indikation / Oberfläche | Natriumhypochlorit-Konzentration | Einwirkzeit |
|---|---|---|
| Standard-Desinfektion (unbekannter Erreger) | 0,5 % (5000 ppm) | 10 Minuten |
| Cholera-Ausbruch (nicht-poröse Oberflächen) | 0,2 % (2000 ppm) | 10 Minuten |
| Cholera-Ausbruch (poröse Oberflächen) | 2,0 % (20 000 ppm) | 10 Minuten |
| Lebensmittelbereich (Oberflächen/Utensilien) | 0,02 % (200 ppm) | 1 Minute |
| Wäscheaufbereitung (Einweichen) | 0,05 % (500 ppm) | 30 Minuten |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise im Umgang mit Desinfektionsmitteln:
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Natriumhypochlorit darf niemals mit sauren Reinigungsmitteln oder ammoniakhaltigen Produkten gemischt werden, da hierbei lebensgefährliche chemische Gase entstehen.
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Für die Desinfektion von Urinspritzern wird von der Verwendung von Natriumhypochlorit abgeraten.
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Sprüh- oder Nebelverfahren ("no-touch" Applikationen) mit chemischen Desinfektionsmitteln werden nicht empfohlen.
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Kleine elektronische Medizingeräte sollten nicht mit Natriumhypochlorit desinfiziert werden, da dies zu Schäden führen kann (Ausnahme: elektronische Rektalthermometer gemäß Herstellerangaben).
💡Praxis-Tipp
Bei Verdacht auf Infektionen mit Clostridioides difficile, Norovirus oder Vibrio cholerae wird dringend empfohlen, die Händehygiene primär mit Wasser und Seife anstelle von alkoholischen Händedesinfektionsmitteln durchzuführen. Zudem ist zu beachten, dass nosokomiale Diarrhöen oft erst spät erkannt werden. Die Leitlinie rät, bei jedem neu aufgetretenen wässrigen oder blutigen Durchfall, der mehr als 48 Stunden nach stationärer Aufnahme ohne offensichtliche nicht-infektiöse Ursache auftritt, sofort Kontaktisolierungsmaßnahmen einzuleiten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, Kontaktvorkehrungen erst zu beenden, wenn der Patient seit 48 Stunden keine unkontrollierten Stuhlentleerungen oder Erbrechen mehr hatte. Bei Kleinkindern unter 2 Jahren oder immunsupprimierten Personen sollte eine Verlängerung der Isolierung erwogen werden, da diese Gruppen Viren länger ausscheiden können.
Laut Leitlinie wird eine Menge von 40 bis 60 Litern sicherem Wasser pro Patient und Tag für alle Nutzungsarten empfohlen. Zusätzlich sollte eine Notfallreserve für mindestens zwei Tage verfügbar sein.
Es wird das Tragen von Handschuhen und einem flüssigkeitsabweisenden Kittel empfohlen. Besteht die Gefahr von Spritzern oder erbricht der Patient, rät die Leitlinie zusätzlich zu einem medizinischen Mund-Nasen-Schutz und einem Augenschutz.
Die Leitlinie empfiehlt für nicht-poröse Oberflächen eine 0,2-prozentige Natriumhypochlorit-Lösung mit einer Einwirkzeit von 10 Minuten. Für poröse Oberflächen wie unbehandeltes Holz oder Stoff wird eine höhere Konzentration von 2,0 Prozent empfohlen.
Personal mit gastrointestinalen Symptomen darf laut Leitlinie nicht in der Lebensmittelzubereitung eingesetzt werden. Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz wird erst 48 Stunden nach der vollständigen Symptomfreiheit empfohlen.
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Quelle: Water, sanitation and hygiene and infection prevention and control measures for infectious diarrhoea in health-care settings: operational guide (WHO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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