WHO2023

Impfpräventable Krankheiten: VPD-Surveillance-Systeme

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die WHO-Leitlinie "Surveillance Guide for Vaccine-Preventable Diseases" (2023) definiert Standards für die Überwachung impfpräventabler Krankheiten (VPD) in der Region Südostasien. Ziel ist es, nachhaltige und qualitativ hochwertige Überwachungssysteme zu etablieren.

Eine effektive Surveillance ist entscheidend, um Ausbrüche frühzeitig zu erkennen und die Auswirkungen von Impfprogrammen zu evaluieren. Zudem liefert sie die Datengrundlage für die Einführung neuer Impfstoffe.

Die Leitlinie betont, dass mit sinkender Krankheitslast durch erfolgreiche Impfprogramme die Anforderungen an das Überwachungssystem steigen. Für die Eradikation einer Erkrankung ist eine lückenlose Fallerfassung zwingend erforderlich.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Etablierung und Durchführung der Krankheitsüberwachung:

Design und Arten der Surveillance

Die Leitlinie beschreibt verschiedene Ansätze zur Gestaltung eines Surveillance-Systems. Die Wahl des Designs hängt von den spezifischen Zielen und den verfügbaren Ressourcen ab.

Folgende Überwachungsarten werden unterschieden:

  • Passive Surveillance durch routinemäßige Meldungen von Gesundheitseinrichtungen, auch wenn keine Fälle aufgetreten sind (Nullmeldungen)

  • Aktive Surveillance durch gezielte Fallsuche und Aktenprüfungen durch Überwachungsbeauftragte in Kliniken

  • Community-basierte Surveillance durch geschulte Gemeindemitglieder in Gebieten mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur

Integration und Labornetzwerke

Es wird empfohlen, die VPD-Surveillance nach Möglichkeit in bestehende Überwachungssysteme für übertragbare Krankheiten zu integrieren. Dies schont Ressourcen und nutzt Synergieeffekte.

Ein funktionierendes Labornetzwerk wird als essenziell für die fallbasierte Überwachung eingestuft. Die Leitlinie fordert strenge Qualitätskontrollen und die Anbindung an regionale Referenzlabore zur Bestätigung von Testergebnissen.

Priorisierung nach Ressourcen

Die WHO empfiehlt eine abgestufte Strategie zur Implementierung der Surveillance. Diese richtet sich nach den Kapazitäten und der Krankheitslast des jeweiligen Landes.

Stufe (Tier)LändercharakteristikaEmpfohlene Strategie
Tier 1Begrenzte Kapazität, hohe Krankheitslast (inkl. Polio), fragilMindeststandards für mindestens 5 VPDs (Polio, Masern, Röteln, konnatales Rötelnsyndrom, Neugeborenentetanus)
Tier 2Moderate Kapazität, hohe KrankheitslastMindeststandards für mindestens 7 VPDs (zusätzlich Diphtherie, Pertussis)
Tier 3Adäquate Kapazität, moderate KrankheitslastErweiterte Standards für mindestens 10 VPDs (inkl. invasive bakterielle Erkrankungen, Rotavirus, Japanische Enzephalitis)
Tier 4Hohe Kapazität, geringe KrankheitslastNationales System für mindestens 15 VPDs mit Anbindung an andere Systeme

Spezifische Krankheitsüberwachung

Für die Region Südostasien definiert die Leitlinie Mindestanforderungen für spezifische impfpräventable Erkrankungen. Die Art der Datenerfassung variiert je nach Priorität der Erkrankung.

ÜberwachungsartIn allen LändernIn ausgewählten Ländern
Landesweit, fallbasiert, laborgestütztPoliomyelitis, Masern, RötelnJapanische Enzephalitis, invasive bakterielle Erkrankungen, Rotavirus
Landesweit, aggregiertDiphtherie, Pertussis, NeugeborenentetanusNon-Neonataler Tetanus, Hepatitis B
Sentinel, fallbasiert mit LaborbestätigungKonnatales RötelnsyndromKeine Angabe
ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, dass eine qualitativ schlechte Surveillance schädlicher sein kann als gar keine Überwachung. Es wird betont, dass fehlerhafte oder unvollständige Daten zu falschen gesundheitspolitischen Entscheidungen führen können. Daher wird eine sorgfältige Prüfung der verfügbaren Ressourcen vor der Implementierung krankheitsspezifischer Überwachungssysteme empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt für alle Länder eine landesweite, fallbasierte und laborgestützte Überwachung von Poliomyelitis, Masern und Röteln. Für diese Erkrankungen ist eine lückenlose Datenerfassung zur Überprüfung der Eradikations- bzw. Eliminationsziele erforderlich.

Bei der passiven Surveillance melden Gesundheitseinrichtungen routinemäßig Fallzahlen, auch wenn keine Fälle aufgetreten sind. Die aktive Surveillance beinhaltet laut Leitlinie gezielte Besuche von Überwachungsbeauftragten in Kliniken, um ungemeldete Fälle durch Aktenprüfungen und Interviews aufzuspüren.

Für Gebiete mit schwachem Gesundheitssystem empfiehlt die Leitlinie eine community-basierte Surveillance. Hierbei werden geschulte Gemeindemitglieder eingesetzt, um Verdachtsfälle anhand vereinfachter Falldefinitionen an eine zentrale Meldestelle weiterzuleiten.

Eine aggregierte Überwachung wird laut Leitlinie für Krankheiten empfohlen, bei denen primär die Krankheitskontrolle und nicht die vollständige Eradikation im Vordergrund steht. Dies betrifft in der Basisversorgung beispielsweise Diphtherie, Pertussis und Neugeborenentetanus.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Surveillance Guide for Vaccine-Preventable Diseases in the WHO South-East Asia Region (‎Strategic guidance on VPD surveillance in the WHO South-East Asia Region)‎ (WHO, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.