Endokarditis-Prophylaxe: AHA-Leitlinie (2007)
📋Auf einen Blick
- •Antibiotikaprophylaxe bei zahnärztlichen Eingriffen verhindert nur extrem wenige Endokarditis-Fälle.
- •Prophylaxe beim Zahnarzt ist nur noch bei kardialen Grunderkrankungen mit dem höchsten Risiko für einen schweren Verlauf indiziert.
- •Für gastrointestinale oder urogenitale Eingriffe wird keine Endokarditis-Prophylaxe mehr empfohlen.
Hintergrund
Die vorliegende Leitlinie der American Heart Association (AHA) aus dem Jahr 2007 aktualisiert die Empfehlungen zur Prävention der infektiösen Endokarditis aus dem Jahr 1997. Die Anpassungen sollen weltweit einheitlichere Empfehlungen schaffen und klarer definieren, wann eine Prophylaxe indiziert ist.
Zahnärztliche Eingriffe
Das Komitee kam zu dem Schluss, dass selbst bei einer 100%igen Wirksamkeit der Antibiotikaprophylaxe nur eine extrem kleine Anzahl von Endokarditis-Fällen durch eine Prophylaxe bei zahnärztlichen Eingriffen verhindert werden könnte.
- Indikation: Eine Prophylaxe ist nur noch für Patienten mit kardialen Grunderkrankungen sinnvoll, die mit dem höchsten Risiko für einen ungünstigen Verlauf einer infektiösen Endokarditis einhergehen.
- Ein rein erhöhtes Lebenszeitrisiko für den Erwerb einer infektiösen Endokarditis rechtfertigt keine Prophylaxe.
- Art des Eingriffs: Bei Hochrisikopatienten ist die Prophylaxe für alle zahnärztlichen Eingriffe angebracht, die Folgendes beinhalten:
- Manipulation von Gingivagewebe
- Manipulation der periapikalen Zahnregion
- Perforation der oralen Mukosa
Gastrointestinale und urogenitale Eingriffe
Die Gabe von Antibiotika ausschließlich zur Prävention einer Endokarditis wird für Patienten, die sich einem Eingriff am Gastrointestinaltrakt (GI) oder Urogenitaltrakt (GU) unterziehen, nicht mehr empfohlen.
Übersicht der Prophylaxe-Empfehlungen
| Eingriffsart | Prophylaxe-Empfehlung | Bemerkung |
|---|---|---|
| Zahnärztliche Eingriffe | Nur bei Hochrisikopatienten | Bei Manipulation von Gingiva/periapikaler Region oder Schleimhautperforation |
| Gastrointestinale (GI) Eingriffe | Nicht empfohlen | Keine routinemäßige Prophylaxe zur Endokarditis-Prävention |
| Urogenitale (GU) Eingriffe | Nicht empfohlen | Keine routinemäßige Prophylaxe zur Endokarditis-Prävention |
💡Praxis-Tipp
Verzichten Sie bei gastrointestinalen und urogenitalen Eingriffen auf eine routinemäßige Endokarditis-Prophylaxe. Bei zahnärztlichen Eingriffen ist sie streng auf Patienten mit dem höchsten Risiko für einen schweren Verlauf zu beschränken.