Humerusschaftfraktur: Diagnostik, Therapie & Indikation
Hintergrund
Humerusschaftfrakturen machen 1 bis 5 % aller Knochenbrüche aus. Sie weisen eine bimodale Altersverteilung auf, wobei jüngere Menschen meist durch Hochrasanztraumata und ältere durch Niedrigenergietraumata betroffen sind.
Am häufigsten ist das mittlere Drittel des Humerus betroffen, was etwa 60 % der Fälle ausmacht. Je nach Frakturlokalisation können spezifische Begleitverletzungen auftreten, wie beispielsweise Läsionen des Nervus radialis bei Brüchen im mittleren und distalen Drittel.
Die StatPearls-Autoren betonen die Wichtigkeit einer sorgfältigen initialen Beurteilung. Die Wahl zwischen konservativer und operativer Therapie hängt maßgeblich von der Frakturmorphologie und den Begleitverletzungen ab.
Empfehlungen
Die StatPearls-Übersicht formuliert folgende Kernaspekte für das Management von Humerusschaftfrakturen:
Diagnostik
Laut den Autoren wird bei Verdacht auf eine Humerusschaftfraktur zunächst eine vollständige neurovaskuläre Untersuchung empfohlen. Im Anschluss sollte eine radiologische Bildgebung in zwei Ebenen (anterior-posterior und lateral) erfolgen, die zwingend das Schulter- und Ellenbogengelenk einschließt.
Bei Verdacht auf Gefäßverletzungen wird eine Computertomographie-Angiographie (CTA) empfohlen. Eine eventuell vorliegende Radialisparese muss vor jeglichen Repositionsmanövern dokumentiert werden.
Konservative Therapie
Für geschlossene, isolierte Frakturen wird primär ein konservatives Vorgehen empfohlen. Die initiale Ruhigstellung erfolgt meist über eine Koaptationsschiene oder einen Hängegips, bevor nach 7 bis 10 Tagen auf eine funktionelle Orthese (Sarmiento-Brace) gewechselt wird.
Die Publikation definiert folgende akzeptable Toleranzen für eine konservative Ausheilung, bei denen die Langzeitfunktion der oberen Extremität erhalten bleibt:
| Parameter | Akzeptable Toleranzgrenze |
|---|---|
| Angulation (anteroposterior) | Bis zu 20° |
| Varus- oder Valgusfehlstellung | Bis zu 30° |
| Malrotation | Bis zu 15° |
| Verkürzung | Bis zu 3 cm |
Operative Therapie
Es werden absolute Indikationen für eine sofortige chirurgische Fixierung definiert:
-
Offene Frakturen
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Frakturen mit notwendiger Gefäßrekonstruktion
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"Floating Elbow" (ipsilaterale Unterarmfraktur)
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Verletzungen des Plexus brachialis
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Kompartmentsyndrom
-
Periprothetische Frakturen
Als chirurgische Verfahren werden die offene Reposition und interne Fixation (ORIF), die intramedulläre Nagelung sowie der Fixateur externe (insbesondere bei Polytrauma) beschrieben. Laut den Autoren gibt es hinsichtlich der Pseudarthroserate oder der Häufigkeit von Radialisparesen keinen Unterschied zwischen ORIF und intramedullärer Nagelung.
Management von Komplikationen
Eine Radialisparese tritt bei etwa 11,8 % der Humerusschaftfrakturen auf. Da 70 bis 90 % dieser Paresen innerhalb von 2 bis 3 Monaten spontan ausheilen, ist eine sofortige chirurgische Intervention nicht immer indiziert.
Eine offene chirurgische Exploration des Nervs wird empfohlen, wenn im Elektromyogramm (EMG) Fibrillationen auftreten oder nach 4 bis 6 Monaten keine Besserung eintritt.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Hinweis der Autoren betrifft das Management der Radialisparese bei geschlossenen Humerusschaftfrakturen. Da die überwiegende Mehrheit dieser Nervenläsionen innerhalb von 2 bis 3 Monaten spontan ausheilt, wird von einer sofortigen chirurgischen Exploration abgeraten, sofern keine anderen zwingenden Operationsindikationen wie eine Gefäßverletzung vorliegen.
Häufig gestellte Fragen
Laut den Autoren werden bis zu 20° anteroposteriore Angulation, 30° Varus/Valgus, 15° Malrotation und bis zu 3 cm Verkürzung toleriert. Diese Werte erlauben in der Regel eine gute funktionelle Ausheilung.
Absolute Operationsindikationen umfassen offene Frakturen, begleitende Gefäßverletzungen, ein Kompartmentsyndrom sowie den "Floating Elbow". Auch Verletzungen des Plexus brachialis erfordern eine zeitnahe chirurgische Versorgung.
Es handelt sich dabei um eine Fraktur im distalen Drittel des Humerusschafts, die mit einer Radialisparese einhergeht. Diese Verletzungskombination erfordert laut Text eine sorgfältige neurologische Überwachung.
Die Autoren betonen, dass es bezüglich der Heilungsraten und Nervenkomplikationen keinen signifikanten Unterschied zwischen der Plattenosteosynthese (ORIF) und der intramedullären Nagelung gibt. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Frakturmorphologie und den Begleitverletzungen ab.
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Quelle: StatPearls: Humeral Shaft Fractures (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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