GBS-Screening: Indikation zur Antibiose-Prophylaxe
Hintergrund
Infektionen mit B-Streptokokken (Group B Streptococcus, GBS) sind eine der Hauptursachen für die früh einsetzende Neugeborenensepsis (Early-onset GBS-Erkrankung). Jährlich sind weltweit über 390.000 Neugeborene davon betroffen.
Eine Übertragung der Bakterien von der Mutter auf das Kind erfolgt meist während der Geburt. Durch eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe (IAP) lässt sich das Infektionsrisiko für das Neugeborene signifikant senken.
Um die Schwangeren zu identifizieren, die von einer IAP profitieren, stehen verschiedene Screening-Strategien zur Verfügung. Die vorliegende WHO-Leitlinie bewertet diese Ansätze und gibt evidenzbasierte Empfehlungen für die klinische Praxis.
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie empfiehlt das Screening von Schwangeren, um die Indikation für eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe (IAP) zu stellen. Dabei werden zwei gleichwertige Strategien vorgeschlagen.
Universelles Screening
Bei diesem Ansatz wird laut Leitlinie allen Schwangeren im Rahmen der Schwangerenvorsorge ein Test auf eine GBS-Kolonisation angeboten. Dieser erfolgt meist zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche.
Die Probenentnahme wird mittels rektovaginalem Abstrich durchgeführt. Dies kann entweder durch medizinisches Personal oder nach entsprechender Aufklärung durch die Schwangere selbst erfolgen.
Bei einem positiven Nachweis wird eine intrapartale Antibiotikaprophylaxe bei Geburtsbeginn empfohlen.
Risikobasierter Ansatz
Alternativ zum universellen Screening empfiehlt die Leitlinie eine intrapartale Beurteilung klinischer Risikofaktoren. Liegt mindestens ein Risikofaktor vor, ist eine Antibiotikaprophylaxe indiziert.
Zu den relevanten Risikofaktoren zählen:
-
Vorzeitiger Blasensprung vor Wehenbeginn (pPROM)
-
Verlängerter Blasensprung von über 18 Stunden
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Vorangegangenes Kind mit einer Early-onset GBS-Erkrankung
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Bekannte mütterliche GBS-Bakteriurie
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Mütterliches Fieber unter der Geburt (über 38 °C)
-
Vorliegen einer Chorioamnionitis
Aufklärung und Kommunikation
Es wird betont, dass Schwangere vor dem Screening umfassend und evidenzbasiert aufgeklärt werden müssen. Die Aufklärung umfasst den Zweck des Screenings, den Ablauf der Probenentnahme und die Konsequenzen eines positiven Ergebnisses.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Optionen für die intrapartale Antibiotikaprophylaxe (IAP), die gemäß lokalen Protokollen angewendet werden können:
| Wirkstoff | Dosierungsschema | Indikation |
|---|---|---|
| Ampicillin | 2 g intravenös als Initialdosis, danach 1 g intravenös alle 4 Stunden bis zur Geburt | Intrapartale GBS-Prophylaxe |
| Ampicillin | 500 mg intravenös alle 6 Stunden bis zur Geburt | Intrapartale GBS-Prophylaxe (Alternative) |
| Penicillin G | 5 Millionen IE intravenös alle 6 Stunden unter der Geburt. Bei Geburtsdauer >18 Stunden: zusätzlich 1 Million IE oral alle 8 Stunden bis zur Geburt | Intrapartale GBS-Prophylaxe (Alternative) |
Kontraindikationen
Bei bekannten Kontraindikationen wie einer Penicillinallergie wird von der Gabe von Ampicillin oder Penicillin G abgeraten. In diesen Fällen müssen alternative Antibiotika gemäß lokalen Resistenzdaten herangezogen werden.
Ebenso wird von diesen Wirkstoffen abgeraten, wenn der nachgewiesene GBS-Stamm mikrobiologisch eine Penicillinresistenz aufweist.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor einer routinemäßigen Antibiotikagabe bei vorzeitiger Wehentätigkeit (vor der 37. Schwangerschaftswoche) mit intakten Fruchtblasen. In dieser Situation überwiegt das potenzielle Risiko für das Neugeborene, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung einer Zerebralparese, den möglichen Nutzen der Prophylaxe.
Häufig gestellte Fragen
Die WHO-Leitlinie stuft sowohl das universelle Screening als auch den risikobasierten Ansatz als wirksam ein. Das universelle Screening ist wahrscheinlich effektiver, jedoch in ressourcenschwachen Umgebungen oft schwerer umzusetzen.
Beim universellen Screening wird die Testung routinemäßig zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche empfohlen. Der Abstrich erfolgt rektovaginal.
Ja, laut Leitlinie ist die Selbstabnahme des rektovaginalen Abstrichs durch die Schwangere eine valide Option. Voraussetzung ist eine vorherige ausführliche Aufklärung.
Mütterliches Fieber über 38 °C gilt als Risikofaktor für eine GBS-Infektion. Es wird eine klinische Beurteilung auf Infektionszeichen sowie die Einleitung einer intrapartalen Antibiose empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt primär Ampicillin oder Penicillin G als intravenöse Gabe. Bei Penicillinallergien müssen entsprechende Ausweichpräparate genutzt werden.
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Quelle: WHO recommendation on screening of pregnant women for intrapartum antibiotic prophylaxis for the prevention of early onset group B streptococcus disease in newborns (WHO, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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