GBS-Frühsepsis: Screening und Antibiotikaprophylaxe
Hintergrund
Streptokokken der serologischen Gruppe B (GBS) gehören zu den häufigsten Ursachen für schwere Infektionen bei Neugeborenen. Die frühe Form (Early-Onset-Sepsis) tritt innerhalb der ersten 72 Lebensstunden auf und äußert sich meist als Sepsis, Pneumonie oder seltener als Meningitis.
In Deutschland sind durchschnittlich 16 Prozent der Schwangeren asymptomatisch im Vaginal- oder Analbereich mit GBS besiedelt. Die Infektion des Kindes erfolgt häufig bereits intrauterin über kolonisiertes Fruchtwasser oder während des Geburtsvorgangs.
Durch die Einführung prophylaktischer Maßnahmen konnte die Inzidenz der frühen GBS-Sepsis in den letzten Jahrzehnten deutlich gesenkt werden. Die AWMF-Leitlinie fokussiert sich auf ein standardisiertes Bündel aus vorgeburtlichem Screening, subpartaler Antibiose und strukturierter postnataler Überwachung.
Klinischer Kontext
Streptokokken der Gruppe B (GBS) sind eine häufige Ursache für die Neugeborenensepsis, insbesondere für die frühe Form (Early-Onset-Sepsis). Etwa 10 bis 30 Prozent der schwangeren Frauen sind asymptomatisch mit GBS im Vaginal- oder Rektalbereich besiedelt. Ohne Prophylaxe kommt es bei einem Teil der exponierten Neugeborenen zu einer invasiven Infektion.
Die Übertragung der Bakterien erfolgt meist vertikal während der Geburt durch Aspiration von infiziertem Fruchtwasser oder direkten Kontakt mit der mütterlichen Flora. Im unreifen Immunsystem des Neugeborenen können die Erreger rasch eine systemische Entzündungsreaktion auslösen. Dies führt zu einer schnellen hämatogenen Aussaat mit potenziell lebensbedrohlichen Komplikationen.
Die Early-Onset-Sepsis manifestiert sich typischerweise innerhalb der ersten 72 Lebensstunden und ist mit einer hohen Morbidität und Letalität verbunden. Eine rasche Erkennung und das Wissen um Risikofaktoren sind für Geburtshelfer und Pädiater essenziell, um schwere Verläufe wie Meningitis oder septischen Schock zu verhindern.
Die Diagnostik stützt sich auf die klinische Beurteilung, Entzündungsparameter im Blut und den direkten Erregernachweis mittels Blutkultur. Bei Schwangeren wird zur Risikostratifizierung häufig ein GBS-Screening mittels Abstrich gegen Ende der Schwangerschaft durchgeführt.
Wissenswertes
Zu den wichtigsten mütterlichen Risikofaktoren zählen eine vorzeitige Wehentätigkeit, ein vorzeitiger Blasensprung sowie mütterliches Fieber unter der Geburt. Auch eine GBS-Bakteriurie in der aktuellen Schwangerschaft oder ein bereits zuvor geborenes Kind mit GBS-Sepsis erhöhen das Risiko deutlich.
Die Early-Onset-Sepsis (EOS) manifestiert sich per Definition innerhalb der ersten 72 Lebensstunden des Neugeborenen. In den meisten Fällen zeigen sich die ersten klinischen Symptome wie Atemnot, Temperaturinstabilität oder Lethargie bereits in den ersten 24 Stunden nach der Geburt.
Die klinischen Zeichen einer Neugeborenensepsis sind oft unspezifisch und umfassen Atemnotsyndrom, Apnoen, Tachykardie sowie Temperaturinstabilität. Im weiteren Verlauf können Lethargie, Trinkschwäche, Ikterus und Zeichen eines septischen Schocks auftreten.
Zur intrapartalen Antibiotikaprophylaxe wird standardmäßig Penicillin G oder Ampicillin eingesetzt, da GBS in der Regel gut auf Beta-Laktam-Antibiotika ansprechen. Bei einer Penicillinallergie kommen je nach Resistenzlage und Schweregrad der Allergie Alternativen wie Cefazolin, Clindamycin oder Vancomycin zum Einsatz.
Die Basisdiagnostik umfasst die Abnahme von Blutkulturen vor Beginn einer empirischen Antibiotikatherapie sowie die Bestimmung von Entzündungsmarkern wie CRP, Procalcitonin und einem Differenzialblutbild. Bei neurologischen Auffälligkeiten wird zusätzlich eine Lumbalpunktion zum Ausschluss einer Meningitis durchgeführt.
Ein Screening auf Streptokokken der Gruppe B wird üblicherweise zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche mittels eines vagino-rektalen Abstrichs durchgeführt. Dieser Zeitraum wird gewählt, da das Besiedlungsmuster in dieser Phase gut mit dem Status unter der Geburt korreliert.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass ein negativer GBS-Abstrich, der älter als fünf Wochen ist, seine prädiktive Aussagekraft verliert. Ist der GBS-Status bei Geburtsbeginn unbekannt oder veraltet und es liegt ein Risikofaktor (wie Fieber ab 38,0 °C oder ein Blasensprung von mindestens 18 Stunden) vor, wird eine sofortige subpartale Antibiotikaprophylaxe empfohlen, ohne das Ergebnis eines neuen Abstrichs abzuwarten.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt, alle Schwangeren zwischen der 35+0 und 37+0 Schwangerschaftswoche auf GBS zu testen. Hierfür wird ein kombinierter Abstrich von Vagina und Anorektum entnommen.
Als Mittel der Wahl für die subpartale Prophylaxe wird Penicillin G empfohlen. Es wird initial mit 5 Millionen IE intravenös dosiert, gefolgt von 2,5 Millionen IE alle vier Stunden bis zur Geburt.
Bei einer Penicillinallergie wird primär Cefazolin empfohlen. Clindamycin ist laut Leitlinie nur dann eine Alternative, wenn zuvor eine mikrobiologische Resistenztestung des GBS-Stammes erfolgt ist.
Bei einer primären Schnittentbindung ohne Wehentätigkeit und ohne vorherigen Blasensprung wird auf eine GBS-spezifische Antibiotikaprophylaxe verzichtet. Das Risiko für eine kindliche GBS-Infektion wird in diesem Fall als sehr gering eingestuft.
Bei asymptomatischen Kindern von GBS-positiven Müttern wird eine engmaschige klinische Kontrolle für mindestens 48 Stunden empfohlen. Dabei wird der Zustand des Kindes mindestens alle vier Stunden von einer erfahrenen Pflegekraft oder Hebamme dokumentiert.
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Quelle: Sepsis bei Neugeborenen - frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B, Prophylaxe (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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