Frakturoperationen: Blutungsprävention & TXA-Indikation
Hintergrund
Brüche des Beckens, der Hüfte und der Röhrenknochen können zu erheblichen Blutverlusten führen. Ein weiterer Blutverlust entsteht, wenn diese Frakturen operativ versorgt werden müssen.
Ein hoher Blutverlust erhöht das Risiko für eine perioperative Anämie und die Notwendigkeit einer allogenen Bluttransfusion. Bluttransfusionen sind jedoch mit potenziellen Komplikationen verbunden und stellen eine begrenzte Ressource dar.
Pharmakologische Interventionen wie Antifibrinolytika zielen darauf ab, den Blutverlust zu verringern. Dieser Cochrane Review aus dem Jahr 2023 untersucht die Wirksamkeit verschiedener Medikamente zur Blutungsprävention bei diesen spezifischen Eingriffen.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Evidenzlage folgende Kernaussagen:
Intravenöse Tranexamsäure
Die intravenöse Gabe von Tranexamsäure im Vergleich zu Placebo verringert möglicherweise das Risiko, innerhalb von 30 Tagen eine allogene Bluttransfusion zu benötigen (niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz).
Bezüglich anderer klinischer Endpunkte zeigt der Review folgende Ergebnisse für die intravenöse Gabe:
-
Möglicherweise kein oder nur ein geringer Unterschied bei der Gesamtmortalität (niedrige Vertrauenswürdigkeit)
-
Möglicherweise kein Unterschied beim Risiko für Myokardinfarkte oder Schlaganfälle (niedrige Vertrauenswürdigkeit)
-
Ungewisse Auswirkungen auf das Risiko für tiefe Venenthrombosen, Lungenembolien und schwere Arzneimittelreaktionen (sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit)
Topische Tranexamsäure
Bei der topischen (lokalen) Anwendung von Tranexamsäure im Vergleich zu Placebo ist die Evidenzlage noch unsicherer.
Laut Review ist es ungewiss, ob die topische Gabe einen Einfluss auf folgende Parameter hat:
-
Notwendigkeit einer allogenen Bluttransfusion
-
Gesamtmortalität
-
Risiko für Myokardinfarkte, Schlaganfälle oder tiefe Venenthrombosen
Alle berichteten Ergebnisse zur topischen Anwendung weisen eine sehr niedrige Vertrauenswürdigkeit der Evidenz auf.
Rekombinanter Faktor VIIa und weitere Wirkstoffe
Für den rekombinanten Faktor VIIa im Vergleich zu Placebo lag nur eine einzige randomisierte kontrollierte Studie mit 48 Teilnehmenden vor. Aufgrund der geringen Datenmenge präsentiert der Review hierzu keine abschließenden Ergebnisse.
Der Review betont, dass aufgrund fehlender Daten derzeit keine starken Schlussfolgerungen zur optimalen medikamentösen Blutungsprävention gezogen werden können. Es wird darauf hingewiesen, dass zahlreiche Studien noch laufen und zukünftige Updates klarere Antworten liefern könnten.
Übersicht der untersuchten Interventionen
| Intervention | Vergleich | Endpunkt | Vertrauenswürdigkeit (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Tranexamsäure (intravenös) | Placebo | Reduktion von Bluttransfusionen | Niedrig |
| Tranexamsäure (intravenös) | Placebo | Mortalität, Myokardinfarkt, Schlaganfall | Niedrig (kein Unterschied) |
| Tranexamsäure (topisch) | Placebo | Reduktion von Bluttransfusionen | Sehr niedrig (ungewiss) |
| Rekombinanter Faktor VIIa | Placebo | Diverse Endpunkte | Keine Daten präsentiert |
Kontraindikationen
Der Review nennt folgende theoretische und berichtete Risiken der untersuchten Wirkstoffe:
-
Antifibrinolytika (z. B. Tranexamsäure): Theoretisch erhöhtes Risiko für unerwünschte venöse Blutgerinnsel. Bei höheren Dosierungen besteht zudem die Sorge vor einem erhöhten Krampfrisiko (Krampfanfälle).
-
Desmopressin: Mögliche unerwünschte Wirkungen umfassen Gesichtsrötung (Flushing) und das Risiko eines niedrigen Natriumspiegels im Blut (Hyponatriämie), insbesondere bei wiederholter Gabe.
-
Rekombinanter Faktor VIIa: Es besteht die Sorge vor einem potenziell erhöhten Risiko für arterielle Blutgerinnsel, insbesondere bei älteren Personen.
-
Fibrinogen und Fibrinkleber: Da diese aus Blut gewonnen werden, besteht ein potenzielles, wenn auch geringes Risiko einer Virusinfektion durch den Herstellungsprozess.
💡Praxis-Tipp
Der Review hebt hervor, dass die intravenöse Gabe von Tranexamsäure bei Hüftfrakturoperationen die Notwendigkeit von Bluttransfusionen reduzieren kann, die Evidenz hierfür jedoch noch von niedriger Qualität ist. Es wird betont, dass die optimale Dosierung, der beste Verabreichungsweg und der ideale Zeitpunkt der Medikamentengabe derzeit noch unbekannt sind.
Häufig gestellte Fragen
Laut Review verringert intravenöse Tranexamsäure im Vergleich zu Placebo möglicherweise das Risiko, eine Bluttransfusion zu benötigen. Die Vertrauenswürdigkeit dieser Evidenz wird jedoch als niedrig eingestuft.
Der Review stellt fest, dass die optimale Dosis, der Verabreichungsweg und der Zeitpunkt der Intervention derzeit unbekannt sind. Weitere Studien sind erforderlich, um diese Parameter zu klären.
Es ist laut Review ungewiss, ob intravenöse Tranexamsäure einen Einfluss auf das Risiko für tiefe Venenthrombosen oder Lungenembolien hat. Die vorliegende Evidenz zu diesen Endpunkten ist von sehr niedriger Qualität.
Der Review kommt zu dem Schluss, dass die Wirkung von topischer Tranexamsäure auf den Blutverlust und andere Endpunkte ungewiss ist. Die verfügbaren Daten reichen nicht aus, um eine verlässliche Aussage zu treffen.
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Quelle: Cochrane Review: Pharmacological interventions for the prevention of bleeding in people undergoing definitive fixation or joint replacement for hip, pelvic and long bone fractures (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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