NICE2026

Fetale Überwachung: CTG-Kriterien und Risikobewertung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG229 behandelt die fetale Überwachung bei gesunden Schwangeren, die am Termin in die Wehen kommen. Sie zielt darauf ab, das Wohlbefinden von Mutter und Kind während der Geburt durch eine strukturierte Risikobewertung sicherzustellen.

Ein zentraler Aspekt ist die kontinuierliche Reevaluation des fetalen Zustands, da sich das Risikoprofil unter der Geburt dynamisch verändern kann. Die Leitlinie betont, dass die fetale Herzfrequenzüberwachung kein isoliertes Diagnostikum ist, sondern immer im klinischen Gesamtbild betrachtet werden muss.

Zudem wurde die Klassifikation der Kardiotokografie (CTG) vereinfacht und an aktuelle Evidenzen angepasst. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermeidung unnötiger Interventionen bei Schwangeren mit niedrigem Risiko.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur fetalen Überwachung:

Initiale Risikobewertung und Wahl der Überwachung

Laut Leitlinie wird bei Geburtsbeginn eine systematische Beurteilung antenataler Risikofaktoren empfohlen, um die geeignete Überwachungsmethode festzulegen. Bei Schwangeren ohne identifizierte Risikofaktoren wird auf das erhöhte Risiko unnötiger Interventionen durch ein kontinuierliches CTG hingewiesen.

Intermittierende Auskultation

Für Schwangere mit niedrigem Komplikationsrisiko wird in der Eröffnungsphase eine intermittierende Auskultation empfohlen. Dabei sind folgende Punkte zu beachten:

  • Durchführung unmittelbar nach einer Wehe für mindestens 1 Minute

  • In der Eröffnungsphase mindestens alle 15 Minuten

  • In der Austreibungsphase mindestens alle 5 Minuten

  • Gleichzeitige Palpation des mütterlichen Pulses zur Differenzierung der Herzraten

Indikationen für ein kontinuierliches CTG

Die Leitlinie empfiehlt ein kontinuierliches CTG bei Vorliegen antenataler oder intrapartaler Risikofaktoren. Zu den intrapartalen Indikationen zählen unter anderem:

  • Wehen, die länger als 2 Minuten andauern, oder 5 und mehr Wehen in 10 Minuten

  • Mekoniumabgang oder mütterliches Fieber (ab 38 °C)

  • Frische vaginale Blutungen oder Verdacht auf Chorioamnionitis

  • Bestätigte Verzögerung der Eröffnungs- oder Austreibungsphase

  • Anlage einer Regionalanalgesie (z. B. Periduralanästhesie) oder Oxytocin-Gabe

CTG-Beurteilung und Klassifikation

Es wird empfohlen, das CTG anhand von vier Parametern zu beurteilen und in die Kategorien Weiß, Bernstein (Amber) oder Rot einzuteilen. Die Gesamtklassifikation ergibt sich aus der Kombination dieser Parameter.

  • Normal: Alle vier Parameter sind weiß.

  • Suspekt: Ein Parameter ist bernsteinfarben.

  • Pathologisch: Ein Parameter ist rot oder mindestens zwei Parameter sind bernsteinfarben.

ParameterWeiß (Keine Bedenken)Bernstein (Erhöhte Aufmerksamkeit)Rot (Pathologisch)
Wehen< 5 in 10 Minuten≥ 5 in 10 Minuten oder Hypertonus-
Grundfrequenz110-160 SpM100-109 SpM oder Anstieg um ≥ 20 SpM< 100 oder > 160 SpM
Variabilität5-25 SpM< 5 SpM für 30-50 Min. oder > 25 SpM für bis 10 Min.< 5 SpM für > 50 Min. oder > 25 SpM für > 10 Min. oder sinusoidales Muster
DezelerationenKeine, frühe oder unauffällige variableRepetitive variable mit auffälligen Merkmalen < 30 Min.Späte, akute Bradykardie oder prolongierte Dezeleration > 3 Min.

Konservatives Management und Eskalation

Bei Hinweisen auf eine fetale Gefährdung empfiehlt die Leitlinie die Einleitung konservativer Maßnahmen. Dazu gehören:

  • Lageveränderung der Mutter (Vermeidung der Rückenlage)

  • Reduktion oder Stopp einer Oxytocin-Gabe bei zu hoher Wehenfrequenz

  • Gabe eines Tokolytikums bei Hyperstimulation

  • Intravenöse Flüssigkeit nur bei mütterlicher Hypotonie oder Sepsis

Die Leitlinie rät ausdrücklich von einer mütterlichen Sauerstoffgabe zur fetalen Reanimation ab, da dies dem Kind schaden kann. Bezüglich der fetalen Blutgasanalyse (Fetal Blood Sampling) kann aufgrund unzureichender Evidenz derzeit keine Empfehlung ausgesprochen werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die routinemäßige Gabe von Sauerstoff über eine Gesichtsmaske an die Mutter bei suspektem oder pathologischem CTG. Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor dieser Praxis zur intrauterinen fetalen Reanimation, da sie dem Kind potenziell schaden kann. Sauerstoff sollte laut Leitlinie nur bei mütterlichen Indikationen wie Hypoxie verabreicht werden.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird in der Eröffnungsphase eine intermittierende Auskultation alle 15 Minuten für mindestens eine Minute nach einer Wehe empfohlen. In der Austreibungsphase sollte die Kontrolle mindestens alle 5 Minuten erfolgen.

Ein kontinuierliches CTG wird empfohlen, sobald antenatale oder intrapartale Risikofaktoren auftreten. Dazu gehören unter anderem Mekoniumabgang, mütterliches Fieber, mehr als 5 Wehen in 10 Minuten oder die Gabe von Oxytocin.

Die Leitlinie stuft ein CTG als pathologisch ein, wenn mindestens ein Parameter in die rote Kategorie fällt oder zwei beziehungsweise mehr Parameter als bernsteinfarben (amber) bewertet werden. In diesem Fall wird eine sofortige ärztliche Beurteilung empfohlen.

Aufgrund begrenzter Evidenz und möglicher Verzögerungen bis zur Geburt kann die Leitlinie derzeit keine Empfehlung für die fetale Blutgasanalyse aussprechen. Stattdessen wird bei einem suspekten CTG eine digitale fetale Kopfstimulation erwogen.

Es wird davon abgeraten, routinemäßig intravenöse Flüssigkeiten zur Behandlung fetaler Herzfrequenzanomalien einzusetzen. Eine Volumengabe wird laut Leitlinie nur empfohlen, wenn die Mutter hypoton ist oder Zeichen einer Sepsis aufweist.

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Quelle: Fetal monitoring in labour (NICE, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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