Ernährung bei ECMO: Leitlinien-Empfehlung & Monitoring
Hintergrund
ECMO-Patienten stellen eine besondere Herausforderung für die medizinische Ernährungstherapie dar. Die ELSO-Leitlinie (Extracorporeal Life Support Organization) bietet hierfür spezifische Konsensempfehlungen für die klinische Praxis.
Häufig weisen diese kritisch kranken Patienten komplexe metabolische Veränderungen auf. Dazu gehören akute Störungen der gastrointestinalen Motilität und anhaltende katabole Zustände, die den Ernährungsstatus massiv beeinflussen.
Da die Überlebensraten durch fortschrittliche Therapien steigen, rückt die Lebensqualität zunehmend in den Fokus. Eine adäquate Ernährungsstrategie ist laut Leitlinie essenziell für die langfristige Genesung und den Erhalt der Muskelmasse.
Klinischer Kontext
Mangelernährung ist auf Intensivstationen ein weit verbreitetes Problem, das bis zu 50 Prozent der kritisch kranken Patienten betrifft. Die Inzidenz steigt mit der Dauer des Intensivaufenthalts und der Schwere der Grunderkrankung deutlich an.
Kritische Erkrankungen lösen eine ausgeprägte Stressantwort mit systemischer Inflammation, Hypermetabolismus und Insulinresistenz aus. Dies führt zu einem raschen Abbau von Muskelmasse und einer Beeinträchtigung der Immunfunktion.
Eine adäquate Ernährungstherapie ist essenziell, um den katabolen Stoffwechselzustand abzumildern und die Wundheilung zu fördern. Sie trägt maßgeblich zur Reduktion von nosokomialen Infektionen, Beatmungstagen und der allgemeinen Mortalität bei.
Die Erfassung des Ernährungszustandes erfolgt durch validierte Screening-Tools sowie die kontinuierliche Überwachung von Stoffwechselparametern. Die Bestimmung des individuellen Energiebedarfs wird idealerweise durch indirekte Kalorimetrie oder gewichtsadaptierte Schätzformeln vorgenommen.
Wissenswertes
Der Energiebedarf variiert stark je nach Krankheitsphase und Ausmaß der metabolischen Stressantwort. Idealerweise wird er mittels indirekter Kalorimetrie gemessen, alternativ kommen gewichtsbasierte Schätzformeln zum Einsatz.
Bei hämodynamisch stabilen Patienten wird in der Regel ein frühzeitiger Beginn der enteralen Ernährung innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden angestrebt. Dies unterstützt die Aufrechterhaltung der Darmbarriere und moduliert die Immunantwort.
Zu den klassischen Kontraindikationen zählen ein mechanischer Ileus, schwere gastrointestinale Blutungen und eine unkontrollierte Schocksymptomatik. In solchen Fällen muss auf eine parenterale Ernährung ausgewichen werden, bis sich der Gastrointestinaltrakt erholt hat.
Die Prävention erfordert ein langsames Einschleichen der Nahrungszufuhr bei Risikopatienten sowie eine engmaschige Kontrolle der Elektrolyte. Insbesondere Phosphat, Magnesium und Kalium müssen überwacht und bei Bedarf frühzeitig substituiert werden.
Eine ausreichende Proteinzufuhr ist entscheidend, um dem massiven katabolen Muskelabbau während einer kritischen Erkrankung entgegenzuwirken. Der Proteinbedarf ist bei Intensivpatienten im Vergleich zu Gesunden oft signifikant erhöht.
Bei einer Magenentleerungsstörung können Prokinetika verabreicht oder die Ernährungssonde postpylorisch platziert werden. Eine kontinuierliche Überwachung der Verträglichkeit ist wichtig, um Aspirationspneumonien zu vermeiden.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Überwachung der Triglyceride und des Oxygenators bei parenteraler Ernährung gelegt werden. Die Leitlinie warnt vor einer möglichen Lipidinfiltration in den Oxygenator, was zu einem Ausfall des Systems führen kann. Bei Verdacht wird eine lipidfreie parenterale Ernährung mit wöchentlicher Lipidsupplementierung empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt mangels validierter indirekter Kalorimetrie eine gewichtsbasierte Schätzung von 25 kcal/kg Körpergewicht pro Tag. In den ersten drei Tagen sollten jedoch weniger als 70 % dieses Ziels angestrebt werden.
Es wird eine frühe enterale Ernährung empfohlen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen. Bei Patienten mit schwerem, unkontrolliertem Schock sollte der Beginn laut Leitlinie jedoch verzögert oder mit niedriger Dosis erfolgen.
Bei einer verzögerten Magenentleerung mit Restvolumina von über 250 ml empfiehlt die Leitlinie den Einsatz von Prokinetika. Bei anhaltender Intoleranz sollte auf postpylorische Sonden oder parenterale Ernährung ausgewichen werden.
Es wird eine maximale Proteinzufuhr von 1,3 g/kg Körpergewicht pro Tag empfohlen. Bei Patienten mit akutem Nierenversagen oder sehr hoher Krankheitsschwere sollte dieser Wert laut Leitlinie eher niedriger angesetzt werden.
Die Leitlinie rät zur parenteralen Ernährung, wenn nach 72 Stunden eine Intoleranz gegenüber der enteralen Zufuhr besteht. Auch wenn kein enteraler Zugang geschaffen werden kann, ist dieser Schritt indiziert.
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Quelle: Guidelines for the Provision and Assessment of Nutrition Support Therapy in the Adult Critically Ill Patient (ASPEN/SCCM) (SCCM, 2016). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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