Elektrokonvulsionstherapie (EKT): Indikationen & Ablauf
Hintergrund
Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) ist ein Verfahren, bei dem unter intravenöser Sedierung oder Vollnarkose ein generalisierter zerebraler Krampfanfall ausgelöst wird. Die StatPearls-Leitlinie beschreibt sie als wirksame Behandlungsoption für verschiedene schwere psychiatrische Erkrankungen.
Pathophysiologisch zielt die Behandlung auf Veränderungen in Hirnregionen ab, die bei schwerer Depression beeinträchtigt sind. Dazu gehören funktionelle und volumetrische Anpassungen im Frontallappen, Hippocampus und der Amygdala sowie eine Regulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse.
Trotz ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit ist die Methode historisch bedingt häufig mit Stigmatisierung verbunden. Moderne Verfahren weisen unter kontrollierten Bedingungen jedoch eine sehr niedrige Mortalitätsrate auf und gelten als gut verträglich.
Empfehlungen
Indikationen
Primär wird die EKT bei therapieresistenter Depression oder schwerer Major Depression eingesetzt, die Alltagsaktivitäten stark einschränkt.
Weitere Anwendungsgebiete umfassen:
-
Suizidalität zur schnellen Linderung der Symptomatik
-
Schwere Psychosen und Schizophrenie
-
Nahrungsverweigerung infolge einer Depression
-
Katatonie und neuroleptisches malignes Syndrom
-
Bipolare Störungen
Zudem gilt das Verfahren als sichere Alternative für geschwächte, ältere, schwangere und stillende Personen.
Vorbereitung und Diagnostik
Vor dem Eingriff ist eine vollständige Anamnese und körperliche Untersuchung zum Ausschluss kardialer oder intrakranieller Pathologien erforderlich. Kardiologische Medikamente wie Aspirin, Statine und Antihypertensiva sollen am Tag der Behandlung fortgeführt werden.
Da die EKT den Blutzuckerspiegel erhöhen kann, wird eine prä- und postoperative Kontrolle empfohlen. Bei Trägern eines Defibrillators muss der Detektionsmodus vorübergehend deaktiviert werden.
Durchführung und Anästhesie
Für die Nüchternheit gelten feste Zeitfenster: acht Stunden für fettreiche Mahlzeiten, sechs Stunden für leichte Mahlzeiten und zwei Stunden für klare Flüssigkeiten.
Zur Minimierung retrograder Amnesien wird die rechts-unilaterale EKT bevorzugt. Ein therapeutischer Anfall sollte zwischen 15 und 70 Sekunden dauern.
Bei Anfällen über zwei Minuten wird ein medikamentöser Abbruch durch Propofol oder Benzodiazepine angeraten, um neurologische Schäden zu vermeiden.
Besonderheiten in der Schwangerschaft
Für schwangere Patientinnen sind spezifische Anpassungen notwendig. Ab der 24. Schwangerschaftswoche ist eine kontinuierliche fetale Überwachung vor und nach der Behandlung indiziert.
Eine Hyperventilation ist zu vermeiden, da sie die plazentare Durchblutung reduzieren kann. Ab der 20. Schwangerschaftswoche wird die Linksseitenlage zur Optimierung des venösen Rückstroms angewendet.
Zur Aspirationsprophylaxe eignen sich nicht-partikuläre Antazida wie Natriumcitrat.
Dosierung
| Medikament | Indikation | Dosierung | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Methohexital | Anästhesieeinleitung | 0,75 - 1 mg/kg | Goldstandard; bevorzugt gegenüber Propofol |
| Succinylcholin | Muskelrelaxation | 0,75 - 1 mg/kg | Depolarisierendes Muskelrelaxans |
Kontraindikationen
Es gelten folgende Kontraindikationen und Warnhinweise für die EKT:
Absolute Kontraindikation:
- Erhöhter intrakranieller Druck (ICP) mit Masseneffekt
Relative Kontraindikationen:
-
Phäochromozytom
-
Erhöhter intrakranieller Druck ohne Masseneffekt
-
Kardiovaskuläre Überleitungsstörungen
-
Hochrisikoschwangerschaften
-
Aorten- und Zerebralaneurysmen
Zudem wird vor der Einnahme von Theophyllin gewarnt, da dies das Risiko für einen Status epilepticus signifikant erhöht. Pflanzliche Präparate wie Ginkgo biloba, Johanniskraut oder Baldrian können mit der EKT interagieren und müssen in der Anamnese erfasst werden.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Praxisaspekt ist die genaue Erfassung der Vormedikation, da scheinbar harmlose pflanzliche Präparate wie Johanniskraut oder Baldrian mit der EKT interagieren können und Theophyllin das Risiko für einen Status epilepticus signifikant erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Vor dem Eingriff gilt eine Nüchternheit von acht Stunden für fettreiche Mahlzeiten. Leichte Mahlzeiten sind bis zu sechs Stunden und klare Flüssigkeiten bis zu zwei Stunden vorher erlaubt.
Ein therapeutisch wirksamer Anfall dauert in der Regel zwischen 15 und 70 Sekunden. Dauert der Anfall länger als zwei Minuten, wird ein medikamentöser Abbruch empfohlen, um neurologische Schäden zu verhindern.
Ja, das Verfahren gilt als sichere Alternative für schwangere Frauen, insbesondere zur Vermeidung von psychotropen Medikamenten. Es sind jedoch spezielle Vorsichtsmaßnahmen wie die Linksseitenlage und eine fetale Überwachung erforderlich.
Als Goldstandard für die Anästhesieeinleitung gilt Methohexital in einer Dosierung von 0,75 bis 1 mg/kg. Zur Muskelrelaxation wird standardmäßig Succinylcholin eingesetzt.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Electroconvulsive Therapy (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
StatPearls: Anesthetic Considerations in Electroconvulsive Therapy
Cochrane Review: Electroconvulsive therapy for treatment-resistant schizophrenia
StatPearls: Electroencephalogram
StatPearls: Neuromodulation Surgery for Psychiatric Disorders
StatPearls: Seizure
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen