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European Association for the Study of the Liver (EASL)GRADE2024HepatologieGastroenterologieInnere MedizinDiabetologie

MASLD (NAFLD) Leitlinie 2024 (EASL): Diagnostik & Therapie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf European Association for the Study of the Liver (EASL) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • NAFLD wurde in MASLD (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) umbenannt, um die metabolische Ursache besser abzubilden.
  • Die Diagnose einer MASLD erfordert den Nachweis einer Steatose plus mindestens einen kardiometabolischen Risikofaktor.
  • Der FIB-4-Score dient als nicht-invasives First-Line-Screening zur Risikostratifizierung einer Leberfibrose.
  • Ein Gewichtsverlust von 7-10 % ist das primäre Ziel zur Rückbildung einer MASH.
  • Resmetirom ist das erste zugelassene Medikament zur spezifischen Behandlung von MASH mit Fibrose.
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei MASLD, weshalb ein 10-Jahres-Risiko-Assessment obligatorisch ist.
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Hintergrund und Nomenklatur

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) ist die häufigste Lebererkrankung in westlichen Ländern. Um die zugrundeliegende metabolische Pathophysiologie präziser zu beschreiben, wurde die Nomenklatur im Jahr 2023 aktualisiert. Die Diagnose erfordert nun den Nachweis einer Steatose in Kombination mit mindestens einem kardiometabolischen Risikofaktor.

Bisheriger BegriffNeuer Begriff (2023)Bedeutung
NAFLDMASLDMetabolic dysfunction-associated steatotic liver disease
NASHMASHMetabolic dysfunction-associated steatohepatitis
-MetALDMASLD mit begleitendem Alkoholkonsum

Die weltweite Prävalenz der MASLD liegt bei Erwachsenen bei etwa 30 %. Etwa 5-10 % der Betroffenen entwickeln eine MASH mit Fibrose. Die Erkrankung ist stark mit Typ-2-Diabetes, Adipositas und dem metabolischen Syndrom assoziiert und stellt in Industrienationen die führende Indikation für eine Lebertransplantation dar.

Diagnostik und Risikostratifizierung

Die Diagnostik basiert auf einem stufenweisen Ansatz, um Patienten mit einem hohen Risiko für eine fortgeschrittene Leberfibrose zu identifizieren. Zu den Risikopatienten zählen Personen mit Typ-2-Diabetes, Adipositas (BMI >30), metabolischem Syndrom oder erhöhten Leberwerten.

Diagnostik-StufeMethodeCut-off / Interpretation
First-LineFIB-4-Score<1,30: Niedriges Risiko (keine weitere Abklärung)<br>1,30-2,67: Intermediäres Risiko (weitere Abklärung nötig)<br>>2,67: Hohes Risiko (fortgeschrittene Fibrose wahrscheinlich)
Second-LineFibroScan (VCTE)LSM <8 kPa: Niedriges Risiko<br>LSM ≥8 kPa: Signifikante Fibrose wahrscheinlich<br>(CAP zur Steatose-Quantifizierung)
GoldstandardLeberbiopsieInvasiv; indiziert bei unklarer Diagnose, in klinischen Studien oder vor bariatrischer OP

Therapie

Die Behandlung der MASLD stützt sich auf Lebensstilinterventionen, die medikamentöse Therapie sowie die konsequente Einstellung von Komorbiditäten.

Lebensstilinterventionen (First-Line)

  • Gewichtsverlust: Eine Reduktion des Körpergewichts um 7-10 % ist erforderlich, um eine Rückbildung der MASH zu erreichen.
  • Ernährung: Empfohlen wird eine mediterrane Diät sowie die Reduktion von Fruktose und hochverarbeiteten Lebensmitteln.
  • Bewegung: Mindestens 150 Minuten pro Woche körperliche Aktivität moderater Intensität.
  • Kaffee: Kaffeekonsum hat einen protektiven Effekt und sollte gefördert werden.

Pharmakotherapie und Komorbiditäten

TherapiebereichWirkstoff / MaßnahmeIndikation und Bemerkung
MASLD-spezifischResmetirom (Rezdiffra)Erstes (2024) zugelassenes Medikament für MASH mit Fibrose (Schilddrüsenhormon-Rezeptor-beta-Agonist).
Diabetes mellitusGLP-1-RA / SGLT2-InhibitorenBevorzugte Antidiabetika aufgrund kardioprotektiver Eigenschaften.
DyslipidämieStatineSind bei MASLD sicher und bei kardiovaskulärem Risiko streng indiziert.
Arterielle HypertonieACE-Hemmer / ARBMögliche antifibrotische Zusatzeffekte.

Hinweis: Weitere Substanzen wie GLP-1-Rezeptor-Agonisten (Semaglutid) zur spezifischen MASH-Therapie befinden sich in der klinischen Prüfung. FXR-Agonisten (Obeticholsäure) wurden aufgrund von Sicherheitsbedenken abgelehnt.

Bariatrische Chirurgie

Eine bariatrische Operation sollte bei Patienten mit einem BMI >35 und metabolischen Komorbiditäten evaluiert werden. Sie führt bei der Mehrheit der Patienten zu einer Verbesserung der MASH und kann eine Fibrose reversibel machen.

Monitoring und kardiovaskuläres Risiko

Da kardiovaskuläre Erkrankungen die häufigste Todesursache bei MASLD-Patienten darstellen, ist ein 10-Jahres-Risiko-Assessment für Herz-Kreislauf-Erkrankungen obligatorisch. Risikofaktoren müssen aggressiv modifiziert werden.

Die Re-Evaluation der Leberfibrose sollte alle 2-3 Jahre erfolgen (häufiger bei Verschlechterung der Risikofaktoren). Bei Vorliegen einer Leberzirrhose ist ein regelmäßiges HCC-Screening (Hepatozelluläres Karzinom) zwingend erforderlich.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den FIB-4-Score als einfaches, kostenloses First-Line-Screening bei allen Risikopatienten (Typ-2-Diabetes, Adipositas), bevor Sie eine apparative Diagnostik veranlassen. Setzen Sie Statine bei MASLD-Patienten mit kardiovaskulärem Risiko ohne Zögern ein – sie sind sicher.

Häufig gestellte Fragen

NAFLD wurde 2023 in MASLD (Metabolic Dysfunction-Associated Steatotic Liver Disease) umbenannt. Die neue Definition erfordert neben der Fettleber zwingend das Vorliegen von mindestens einem kardiometabolischen Risikofaktor.
Ein FIB-4-Score von >2,67 spricht für ein hohes Risiko einer fortgeschrittenen Leberfibrose. Werte <1,30 gelten als risikoarm.
Die Leitlinie empfiehlt primär die mediterrane Diät sowie den Verzicht auf Fruktose und stark verarbeitete Lebensmittel. Kaffeekonsum wirkt protektiv.
Ja, seit 2024 ist Resmetirom (Rezdiffra), ein Schilddrüsenhormon-Rezeptor-beta-Agonist, als erstes Medikament spezifisch für MASH mit Fibrose zugelassen.
Ja, Statine gelten bei MASLD als sicher und sind bei Vorliegen eines kardiovaskulären Risikos ausdrücklich indiziert.

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