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Distale Radiusfraktur: OP-Indikation und Nachsorge

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AAOS (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Leitlinie der American Academy of Orthopaedic Surgeons (AAOS) und der American Society for Surgery of the Hand (ASSH) aus dem Jahr 2020 behandelt das Management akuter distaler Radiusfrakturen bei Erwachsenen. Sie bietet evidenzbasierte Entscheidungshilfen für die konservative und operative Versorgung.

Distale Radiusfrakturen gehören zu den häufigsten Frakturen und machen einen großen Anteil der Verletzungen bei älteren Menschen aus. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der gemeinsamen Entscheidungsfindung unter Berücksichtigung der individuellen Präferenzen.

Ein zentraler Aspekt ist die Abkehr von einer starren Altersgrenze. Das Alter von 65 Jahren wird lediglich als Richtwert für den funktionellen Anspruch betrachtet.

Klinischer Kontext

Epidemiologie: Distale Radiusfrakturen gehören zu den häufigsten Knochenbrüchen des Menschen und machen etwa ein Sechstel aller Frakturen in der Notaufnahme aus. Sie weisen zwei Häufigkeitsgipfel auf, die vor allem junge Männer nach Hochrasanztraumata sowie ältere Frauen mit Osteoporose nach Niedrigenergietraumata betreffen. Pathophysiologie: Der Bruch entsteht typischerweise durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand, wobei die Krafteinwirkung zu einer Stauchung und Abknickung des distalen Radius führt. Je nach Handgelenksstellung beim Aufprall resultieren unterschiedliche Frakturtypen wie die Extensionsfraktur (Colles) oder die Flexionsfraktur (Smith). Klinische Bedeutung: Eine adäquate Behandlung ist entscheidend, um langfristige Funktionseinschränkungen, chronische Schmerzen oder eine posttraumatische Arthrose des Handgelenks zu vermeiden. Fehlstellungen können zudem zu einer Einschränkung der Unterarmdrehung und zu Sehnenrupturen führen. Diagnostik: Die Basisdiagnostik umfasst eine sorgfältige klinische Untersuchung mit Prüfung von Durchblutung, Motorik und Sensibilität (DMS) sowie Röntgenaufnahmen des Handgelenks in zwei Ebenen. Bei komplexen, intraartikulären Brüchen oder zur genauen Operationsplanung wird häufig zusätzlich eine Computertomographie durchgeführt.

Wissenswertes

Die Entscheidung hängt maßgeblich von der Frakturstabilität, dem Dislokationsgrad und dem Vorliegen einer Gelenkbeteiligung ab. Undislozierte oder stabil reponierbare extraartikuläre Frakturen werden meist konservativ im Gipsverband behandelt. Bei instabilen, stark dislozierten oder komplexen intraartikulären Brüchen wird in der Regel ein operatives Vorgehen bevorzugt.

Die Colles-Fraktur ist eine Extensionsfraktur, die durch einen Sturz auf die dorsalextendierte Hand entsteht und nach dorsal disloziert. Die Smith-Fraktur ist eine Flexionsfraktur nach Sturz auf die palmarflektierte Hand mit entsprechender Dislokation des distalen Fragments nach palmar.

Zur Beurteilung werden Standardaufnahmen in posterior-anteriorer und seitlicher Projektion angefertigt. Wichtige radiologische Parameter sind der radioulnare Längenindex, der Böhler-Winkel sowie die palmare Kippung der Gelenkfläche.

Eine Computertomographie ist indiziert bei komplexen intraartikulären Frakturen zur genauen Beurteilung der Gelenkflächenstufen und Trümmerzonen. Sie dient der detaillierten präoperativen Planung und hilft bei der Auswahl des geeigneten Osteosyntheseverfahrens.

Zu den typischen Komplikationen zählen Infektionen, Nervenläsionen und Sehnenirritationen oder -rupturen durch das Osteosynthesematerial. Zudem kann sich ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) entwickeln, welches eine frühzeitige funktionelle Therapie erfordert.

Die funktionelle Nachbehandlung beginnt idealerweise unmittelbar nach der Ruhigstellung oder Operation mit der Mobilisation der freien Fingergelenke. Nach operativer Stabilisierung mittels winkelstabiler Plattenosteosynthese ist oft eine frühfunktionelle Bewegungstherapie des Handgelenks möglich.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie weist darauf hin, dass das Alter von 65 Jahren nicht als starre Grenze für oder gegen eine Operation dienen sollte, sondern vielmehr als Surrogatparameter für den funktionellen Anspruch im Rahmen der gemeinsamen Entscheidungsfindung.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Operation bei einer radialen Verkürzung von über 3 mm, einer dorsalen Kippung von über 10 Grad oder einer intraartikulären Stufenbildung von über 2 mm empfohlen. Die Entscheidung sollte jedoch immer den funktionellen Anspruch berücksichtigen.

Es gibt laut Leitlinie nach drei Monaten keine signifikanten Unterschiede in den Ergebnissen zwischen den verschiedenen Fixationstechniken. Die Wahl des Verfahrens sollte sich nach dem individuellen Frakturmuster richten.

Die Leitlinie stellt fest, dass angeleitete Physiotherapie und eigenständige Heimübungsprogramme oft zu vergleichbaren Ergebnissen führen. Eine professionelle Anleitung wird daher nur bei individuellem Bedarf empfohlen.

Es wird ein individualisierter Ansatz empfohlen, da der Verzicht auf routinemäßige Röntgenbilder nach der ersten und zweiten Woche die Langzeitergebnisse nicht verschlechtert. Die Frequenz der Bildgebung sollte gemeinsam abgewogen werden.

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Quelle: AAOS Clinical Practice Guideline: Management of Distal Radius Fractures (AAOS, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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