Diabetisches Fußsyndrom (DFS): Psychologische Therapie
Hintergrund
Das diabetische Fußsyndrom (DFS) stellt eine schwerwiegende Komplikation des Diabetes mellitus dar. Chronische Wunden heilen oft schlecht und weisen eine hohe Rezidivrate auf.
Psychische Belastungen und Stress können den Wundheilungsprozess physiologisch beeinträchtigen. Gleichzeitig erfordert die Prävention von Ulzera ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstfürsorge.
Psychologische Interventionen zielen darauf ab, den Leidensdruck zu mindern und das Selbstmanagement zu fördern. Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2021 untersucht die Wirksamkeit solcher Ansätze auf die Wundheilung und Rezidivvermeidung.
Empfehlungen
Der Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Ergebnisse:
Untersuchte Interventionen
Es wurden sieben Studien mit insgesamt 290 Teilnehmenden eingeschlossen. Dabei wurden verschiedene psychologische Ansätze evaluiert:
-
Beratungsgespräche (Counseling)
-
Entspannungstraining mit Biofeedback
-
Kognitive Verhaltenstherapie (CBT)
-
Individuell angepasste Motivationsförderung
Wundheilung und Rezidivrate
Laut Review ist die aktuelle Datenlage unzureichend, um einen klaren Nutzen psychologischer Interventionen zu belegen. Die Evidenz für alle untersuchten primären Endpunkte wird als sehr niedrig (very low certainty) eingestuft.
Es bleibt unklar, ob psychologische Therapien im Vergleich zur Standardversorgung einen Unterschied bewirken. Dies betrifft folgende Endpunkte:
-
Den Anteil vollständig abgeheilter Wunden
-
Die Häufigkeit von Fußgeschwür-Rezidiven nach einem Jahr
-
Die Zeit bis zur vollständigen Wundheilung
| Endpunkt | Vergleich | Effekt | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|---|
| Vollständige Wundheilung | Psychologische Intervention vs. Standardversorgung | Unklarer Nutzen | Sehr niedrig |
| Ulkus-Rezidivrate | Psychologische Intervention vs. Standardversorgung | Unklarer Nutzen | Sehr niedrig |
| Lebensqualität | Psychologische Intervention vs. Standardversorgung | Unklarer Nutzen | Sehr niedrig |
Lebensqualität und weitere Endpunkte
Auch bezüglich der gesundheitsbezogenen Lebensqualität lässt sich laut der Autoren keine sichere Aussage treffen. Es liegen keine verwertbaren Daten zu Amputationsraten, der Zeit bis zum Wiederauftreten eines Ulkus oder den Behandlungskosten vor.
Implikationen für die Praxis
Die Autoren schlussfolgern, dass Behandler den potenziellen Nutzen psychologischer Interventionen gegen die derzeit schwache Evidenzlage abwägen müssen. Es wird betont, dass die Selbstfürsorge ein essenzieller Bestandteil der Fußpflege bleibt.
💡Praxis-Tipp
Obwohl psychologische Faktoren die Wundheilung beim diabetischen Fußsyndrom beeinflussen können, fehlt es derzeit an robuster Evidenz für spezifische psychologische Interventionen. Es wird beschrieben, dass Behandler im klinischen Alltag individuell abwägen müssen, ob eine psychologische Mitbetreuung zur Förderung der Selbstfürsorge im Einzelfall sinnvoll ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review ist dies derzeit unklar. Die verfügbare Evidenz wird aufgrund methodischer Mängel und kleiner Fallzahlen als sehr niedrig eingestuft.
Der Review identifizierte Studien zu Beratungsgesprächen, Entspannungstraining, kognitiver Verhaltenstherapie und Motivationsförderung. Es konnte jedoch keine Überlegenheit eines bestimmten Verfahrens nachgewiesen werden.
Zu diesem Endpunkt liegen laut Review keine verwertbaren Daten aus randomisierten kontrollierten Studien vor. Die Auswirkungen auf größere oder distale Amputationen bleiben somit ungeklärt.
Es wird im Hintergrund des Reviews beschrieben, dass chronischer Stress die Kortisolausschüttung erhöht, was entzündungshemmend wirkt und die Wundheilung verzögern kann. Zudem kann psychische Belastung das Selbstmanagement der Betroffenen negativ beeinflussen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Psychological interventions for treating foot ulcers, and preventing their recurrence, in people with diabetes (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: Nutritional interventions for treating foot ulcers in people with diabetes
Cochrane Review: Patient and lay carer education for preventing pressure ulceration in at-risk populations
Cochrane Review: Wound cleansing for treating venous leg ulcers
Cochrane Review: Interventions for motor rehabilitation in people with transtibial amputation due to peripheral arterial disease or diabetes
Cochrane Review: Interventions for improving outcomes in patients with multimorbidity in primary care and community settings
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen