Desmopressin-Nasenspray: Indikation Enuresis gestrichen
Hintergrund
Desmopressin ist ein synthetisches Analogon des antidiuretischen Hormons Vasopressin. Es wird in der Medizin eingesetzt, um die Urinproduktion zu verringern und den Wasserhaushalt des Körpers zu regulieren.
Die primäre Enuresis nocturna (PNE), auch als nächtliches Bettnässen bekannt, ist eine häufige Diagnose im Kindesalter. Sie beschreibt das unwillkürliche Einnässen im Schlaf ohne zugrunde liegende organische Ursache.
Im Jahr 2007 veröffentlichte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Rote-Hand-Brief zu den nasalen Darreichungsformen von Desmopressin. Diese Zusammenfassung basiert auf dem Kurztext dieser Arzneimittel-Sicherheitswarnung und wurde um allgemeines medizinisches Hintergrundwissen zur Rationale der Entscheidung ergänzt.
Empfehlungen
Der Rote-Hand-Brief des BfArM formuliert eine zentrale Änderung für die Verordnungspraxis von Desmopressin.
Streichung der Indikation
Laut der Sicherheitswarnung betrifft die Änderung spezifisch die nasalen Darreichungsformen des Wirkstoffs Desmopressin. Dazu gehören die Präparate Minirin® Nasenspray und Minirin® Rhinyle.
Es wird dringend darauf hingewiesen, dass diese desmopressinhaltigen nasalen Darreichungsformen zukünftig nicht mehr für die folgende Indikation eingesetzt werden sollen:
- Primäre Enuresis nocturna (PNE)
Medizinische Rationale
Der medizinische Hintergrund für diese Einschränkung liegt in der Pharmakokinetik der nasalen Applikation. Nasales Desmopressin birgt ein erhöhtes Risiko für eine variable und unvorhersehbare Resorption des Wirkstoffs über die Nasenschleimhaut.
Dies kann zu einer Wasserintoxikation und in der Folge zu schweren Hyponatriämien führen. Als schwerwiegende Komplikation dieser Elektrolytverschiebung können lebensbedrohliche Krampfanfälle auftreten, weshalb das Nutzen-Risiko-Verhältnis für die Indikation PNE als negativ bewertet wurde.
💡Praxis-Tipp
Es wird darauf hingewiesen, bei der medikamentösen Behandlung der primären Enuresis nocturna ausschließlich orale Desmopressin-Präparate zu verwenden, da nasale Formen aufgrund des unvorhersehbaren Risikos für schwere Hyponatriämien und Krampfanfälle für diese Indikation gestrichen wurden.
Häufig gestellte Fragen
Nasales Desmopressin birgt ein erhöhtes Risiko für eine variable Resorption über die Schleimhaut. Dies kann zu einer Wasserintoxikation und schweren Hyponatriämien führen, welche im schlimmsten Fall Krampfanfälle auslösen.
Die Streichung betrifft ausschließlich die nasalen Darreichungsformen des Wirkstoffs. Explizit genannt werden die Präparate Minirin® Nasenspray und Minirin® Rhinyle.
Für die medikamentöse Behandlung der primären Enuresis nocturna stehen weiterhin orale Desmopressin-Präparate wie Tabletten oder Schmelztabletten zur Verfügung. Diese weisen eine besser steuerbare Resorption und damit ein günstigeres Sicherheitsprofil auf.
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Quelle: Rote-Hand-Brief zu Minirin® Nasenspray, Minirin® Rhinyle: Streichung der Indikation primäre Enuresis nocturna (BfArM, 2007). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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