CochraneIa2020

Demenzprävention: Evidenz zu Aspirin (ASS) und NSAR

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Demenz ist ein weltweit zunehmendes Gesundheitsproblem, für das es aktuell keine heilenden oder präventiven Medikamente gibt. Da Entzündungsprozesse bei der Entstehung von Demenz eine Rolle spielen könnten, wurde der präventive Einsatz von Entzündungshemmern in der Forschung intensiv diskutiert.

Dieser systematische Cochrane-Review untersucht, ob Aspirin und andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) den Ausbruch einer Demenz verhindern oder verzögern können. Dabei wurden sowohl kognitiv gesunde Personen als auch Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen (MCI) betrachtet.

Die Analyse umfasst vier große randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt über 23.000 Teilnehmenden. Aufgrund von Sicherheitsbedenken oder mangelnder Wirksamkeit wurden alle eingeschlossenen Studien vorzeitig abgebrochen.

Empfehlungen

Der Cochrane-Review formuliert klare Aussagen zum Einsatz von Entzündungshemmern in der Demenzprävention.

Aspirin zur Primärprävention

Laut Review zeigt niedrig dosiertes Aspirin bei gesunden älteren Menschen keinen schützenden Effekt vor einer Demenzerkrankung. Es wird betont, dass die Einnahme stattdessen mit signifikanten Risiken verbunden ist.

Die Leitlinie beschreibt folgende Ergebnisse für Aspirin:

  • Keine Reduktion der Demenzinzidenz im Vergleich zu Placebo

  • Erhöhtes Risiko für schwere Blutungen (Evidenz von hoher Vertrauenswürdigkeit)

  • Leicht erhöhte Sterblichkeitsrate

Andere NSAR (Celecoxib, Naproxen, Rofecoxib)

Auch für andere NSAR gibt es laut Cochrane keine Evidenz für eine Wirksamkeit zur Vorbeugung von Demenz oder Alzheimer. Die Autoren weisen darauf hin, dass die fehlende Wirksamkeit wahrscheinlich ein Klasseneffekt aller NSAR ist.

In den Studien zeigten sich stattdessen deutliche Schadenspotenziale. Es wird berichtet, dass:

  • Rofecoxib bei Personen mit MCI die Konversionsrate zu Alzheimer im Vergleich zu Placebo sogar erhöhte

  • Celecoxib und Rofecoxib zu vermehrtem Auftreten von gastrointestinalen Nebenwirkungen führten

  • Die NSAR-Gaben vermehrt den Beginn einer antihypertensiven Therapie erforderlich machten

Implikationen für die Forschung

Der Review schlussfolgert, dass weitere Studien mit niedrig dosiertem Aspirin zur Demenzprävention aufgrund der fehlenden Wirksamkeit und der Blutungsrisiken unwahrscheinlich sind. Zukünftige Forschungen zu entzündungshemmenden Medikamenten müssen zwingend die Sicherheitsprofile der Substanzen berücksichtigen.

Dosierung

Die in den Studien des Cochrane-Reviews untersuchten Medikamente zeigten keinen Nutzen für die Kognition, aber signifikante Nebenwirkungen. Die folgende Tabelle fasst die in den Studien verwendeten Dosierungen und die beobachteten Risiken zusammen:

MedikamentUntersuchte DosierungIndikation in der StudieBeobachtetes Risiko
Aspirin100 mg einmal täglichPrimärprävention bei GesundenSchwere Blutungen, erhöhte Mortalität
Celecoxib200 mg bis 400 mg täglichPrimär- und SekundärpräventionGastrointestinale Ereignisse
Naproxen220 mg zweimal täglichPrimärprävention (familiäre Vorbelastung)Kardiovaskuläre Bedenken (Studienabbruch)
Rofecoxib25 mg einmal täglichSekundärprävention bei MCIErhöhte Alzheimer-Inzidenz, gastrointestinale Ereignisse

Kontraindikationen

Der Cochrane-Review warnt explizit vor dem Einsatz von Aspirin und NSAR zur Vorbeugung von Demenz. Die chronische Einnahme dieser Medikamente wird als häufige Ursache für iatrogene Schäden beschrieben.

Es wird auf ein signifikant erhöhtes Risiko für schwere Blutungen unter Aspirin hingewiesen. Bei den NSAR (Celecoxib, Naproxen, Rofecoxib) traten vermehrt gastrointestinale Nebenwirkungen und kardiovaskuläre Sicherheitsbedenken auf, die zum Abbruch der Studien führten.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Cochrane-Review verdeutlicht, dass die präventive Gabe von Aspirin oder NSAR zum Schutz vor Demenz wirkungslos ist und den Behandelten durch Blutungen und gastrointestinale Ereignisse schadet. Es wird hervorgehoben, dass selbst bei Personen mit familiärer Alzheimer-Vorbelastung oder leichten kognitiven Einschränkungen (MCI) kein Nutzen besteht. Rofecoxib zeigte in einer Studie sogar eine erhöhte Rate an neuen Alzheimer-Diagnosen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane-Review hat niedrig dosiertes Aspirin (100 mg/Tag) keinen schützenden Effekt vor einer Demenzerkrankung. Stattdessen wird ein erhöhtes Risiko für schwere Blutungen und eine leicht erhöhte Sterblichkeit beschrieben.

Der Review fand keine Evidenz dafür, dass NSAR wie Naproxen oder Celecoxib den Ausbruch von Alzheimer verhindern können. Es wird darauf hingewiesen, dass die langfristige Einnahme dieser Medikamente mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden ist.

Auch bei familiärer Vorbelastung wird der Einsatz von NSAR zur Prävention nicht unterstützt. Die entsprechenden Studien wurden laut Review wegen Sicherheitsbedenken und fehlender Wirksamkeit vorzeitig abgebrochen.

In einer der untersuchten Studien zeigte sich unter Rofecoxib eine höhere Rate an Konversionen von MCI zu Alzheimer im Vergleich zu Placebo. Der Review warnt daher vor dem Einsatz dieser Medikamentenklasse bei kognitiven Einschränkungen.

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Quelle: Cochrane Review: Aspirin and other non-steroidal anti-inflammatory drugs for the prevention of dementia (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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