Delir: Prävention, Diagnostik und Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie CG103 behandelt die Prävention, Diagnostik und Behandlung des Delirs bei Erwachsenen im Krankenhaus und in Langzeitpflegeeinrichtungen. Ein Delir ist ein häufiges klinisches Syndrom, das durch eine akute und fluktuierende Störung von Bewusstsein, Kognition oder Wahrnehmung gekennzeichnet ist.
Es wird zwischen hypoaktiven, hyperaktiven und gemischten Formen unterschieden. Insbesondere das hypoaktive Delir wird im klinischen Alltag häufig übersehen.
Ein Delir ist mit schwerwiegenden Folgen assoziiert. Dazu gehören verlängerte Krankenhausaufenthalte, ein erhöhtes Demenzrisiko sowie eine erhöhte Mortalität.
Empfehlungen
Risikoerfassung und Screening
Die Leitlinie empfiehlt, Personen bei Aufnahme auf folgende Risikofaktoren für ein Delir zu untersuchen:
-
Alter von 65 Jahren oder älter
-
Kognitive Beeinträchtigung oder bekannte Demenz
-
Aktuelle Hüftfraktur
-
Schwere akute Erkrankung
Es wird empfohlen, täglich auf Veränderungen zu achten, die auf ein Delir hindeuten. Besondere Aufmerksamkeit sollte laut Leitlinie auf Zeichen eines hypoaktiven Delirs (z. B. Rückzug, verlangsamte Reaktionen, reduzierte Mobilität) gelegt werden.
Diagnostik
Bei Verdacht auf ein Delir wird eine strukturierte Beurteilung durch geschultes Personal empfohlen. Die Leitlinie empfiehlt hierfür spezifische Assessment-Instrumente je nach klinischem Setting:
| Assessment-Tool | Klinisches Setting |
|---|---|
| 4AT | Allgemeinstation und Langzeitpflege |
| CAM-ICU | Intensivstation und Aufwachraum |
| ICDSC | Intensivstation und Aufwachraum |
Die finale Diagnosestellung sollte durch eine medizinische Fachkraft mit entsprechender Expertise erfolgen. Bei Schwierigkeiten in der Unterscheidung zwischen Delir und Demenz wird empfohlen, zunächst das Delir zu behandeln.
Prävention
Für Risikopersonen wird innerhalb von 24 Stunden nach Aufnahme ein maßgeschneidertes, multimodales Interventionspaket empfohlen. Dieses sollte von einem multidisziplinären Team durchgeführt werden.
Die Leitlinie nennt folgende zentrale präventive Maßnahmen:
-
Kognition: Reorientierung, angemessene Beleuchtung, sichtbare Uhren und Kalender
-
Physiologie: Sicherstellung von Hydratation, Ernährung, Sauerstoffsättigung und Schmerzkontrolle
-
Mobilisation: Frühmobilisation nach Operationen und Bewegungsübungen
-
Umgebung: Förderung der Schlafhygiene durch Vermeidung nächtlicher Störungen und Lärmreduktion
Zudem wird eine Überprüfung der Medikation bei Polypharmazie sowie die Behebung sensorischer Einschränkungen (z. B. Hörgeräte, Brillen) empfohlen.
Therapie
Bei einem diagnostizierten Delir steht die Identifikation und Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen an erster Stelle. Es wird eine effektive Kommunikation, Reorientierung und Einbindung von Angehörigen empfohlen.
Bei starker Unruhe oder Gefährdung empfiehlt die Leitlinie zunächst verbale und non-verbale Deeskalationstechniken.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor dem unkritischen Einsatz von Antipsychotika. Wenn Deeskalationstechniken unwirksam sind, kann eine kurzzeitige Gabe von Haloperidol (in der Regel für maximal eine Woche) erwogen werden.
Dabei wird auf die Risiken von Haloperidol bei älteren Menschen hingewiesen. Besondere Vorsicht ist aufgrund kardialer und neurologischer Nebenwirkungen geboten.
Bei Personen mit Morbus Parkinson oder Lewy-Körperchen-Demenz wird explizit vor den Risiken einer Haloperidol-Gabe gewarnt.
💡Praxis-Tipp
Ein hypoaktives Delir wird im klinischen Alltag häufig übersehen, da die Betroffenen ruhig und unauffällig wirken. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit, gezielt auf subtile Zeichen wie Rückzug, verlangsamte Reaktionen, reduzierte Mobilität und Appetitlosigkeit zu achten. Zudem wird hervorgehoben, dass bei diagnostischer Unklarheit zwischen Delir und Demenz immer primär das Delir behandelt werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie gelten Personen ab 65 Jahren, Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Demenz, Patienten mit einer Hüftfraktur sowie schwer kranke Personen als Hochrisikogruppe.
Die Leitlinie empfiehlt standardmäßig den 4AT-Score für die Beurteilung auf Normalstationen und in der Langzeitpflege. Auf Intensivstationen oder im Aufwachraum sollten stattdessen der CAM-ICU oder der ICDSC verwendet werden.
Die medikamentöse Therapie ist laut Leitlinie nicht die erste Wahl. Nur bei Eigen- oder Fremdgefährdung und Versagen nicht-medikamentöser Deeskalation kann eine kurzzeitige Gabe von Haloperidol in der niedrigsten wirksamen Dosis erfolgen.
Es wird ein multimodales Paket empfohlen, das unter anderem Reorientierung, Frühmobilisation, Sicherstellung der Flüssigkeitszufuhr, Schmerzmanagement und die Förderung eines normalen Tag-Nacht-Rhythmus umfasst.
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Quelle: Delirium: prevention, diagnosis and management (NICE, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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