Antibiotika bei Abdominaltrauma: Cochrane Review
Hintergrund
Ein penetrierendes Abdominaltrauma liegt vor, wenn die Peritonealhöhle durchbrochen wird. Historisch gesehen führte der Einsatz von Antibiotika bei solchen Verletzungen seit dem Zweiten Weltkrieg zu einer deutlichen Senkung der sepsisbedingten Mortalität und Morbidität.
Dennoch wird die Notwendigkeit einer prophylaktischen Antibiotikagabe kontrovers diskutiert. Der vorliegende Cochrane Review aus dem Jahr 2019 untersuchte die Evidenzlage zur Reduktion septischer Komplikationen wie Septikämie, intraabdominellen Abszessen und Wundinfektionen.
Diese Zusammenfassung basiert auf dem Abstract des systematischen Reviews. Da die Autoren keine randomisiert-kontrollierten Studien (RCTs) identifizieren konnten, die Antibiotika mit Placebo oder keiner Behandlung vergleichen, stützen sich die klinischen Aussagen auf historische Daten und bestehende Leitlinien.
Empfehlungen
Evidenzlage und Studienergebnisse
Der Review kommt zu dem Schluss, dass aktuell keine Daten aus randomisiert-kontrollierten Studien vorliegen. Daher kann der Einsatz von Antibiotika bei Personen mit penetrierendem Abdominaltrauma durch RCTs weder unterstützt noch widerlegt werden.
Historische Daten zum Timing
Die Publikation zitiert historische Daten, die einen starken Einfluss des Zeitpunkts der Antibiotikagabe auf die postoperative Infektionsrate zeigen:
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7 % bis 11 % bei präoperativer Gabe
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33 % bis 57 % bei intraoperativer Gabe
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30 % bis 70 % bei ausschließlich postoperativer Gabe
Aktuelle Leitlinienpraxis
Obwohl RCTs fehlen, verweist der Review auf die aktuelle Leitlinienpraxis, die durch Evidenz der Klasse I gestützt wird. Es werden folgende Vorgehensweisen beschrieben:
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Verabreichung einer einzelnen präoperativen Dosis eines Breitbandantibiotikums.
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Abdeckung von aeroben und anaeroben Erregern.
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Fortführung der Therapie für bis zu 24 Stunden nur dann, wenn bei der explorativen Laparotomie eine Perforation eines Hohlorganes festgestellt wird.
💡Praxis-Tipp
Laut den im Review zitierten historischen Daten ist der Zeitpunkt der Antibiotikagabe entscheidend für die Infektionsvermeidung. Es wird deutlich, dass eine rein intraoperative oder postoperative Verabreichung mit massiv erhöhten Infektionsraten (bis zu 70 %) einhergeht. Die präoperative Gabe eines Breitbandantibiotikums stellt daher den entscheidenden Schritt zur Komplikationsreduktion dar.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review gibt es derzeit keine randomisiert-kontrollierten Studien, die den Einsatz von Antibiotika mit Placebo oder keiner Behandlung vergleichen. Die klinische Praxis stützt sich auf historische Daten und andere Studienformen.
Die zitierten Daten zeigen die niedrigsten Infektionsraten, wenn das Antibiotikum präoperativ verabreicht wird. Eine spätere intra- oder postoperative Gabe erhöht das Infektionsrisiko signifikant.
Die aktuelle Leitlinienpraxis sieht eine Fortführung der Antibiotikagabe für bis zu 24 Stunden nur dann vor, wenn bei der Laparotomie eine Perforation eines Hohlorganes festgestellt wird. Andernfalls wird eine präoperative Einzeldosis als ausreichend beschrieben.
Es wird der Einsatz eines Breitbandantibiotikums beschrieben. Dieses muss sowohl aerobe als auch anaerobe Erreger abdecken.
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Quelle: Cochrane Review: Prophylactic antibiotics for penetrating abdominal trauma (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.