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Kiefernrindenextrakt (Pinus spp.): Cochrane Review

Diese Leitlinie stammt aus 2020 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2020)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der aktuelle Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von Kiefernrindenextrakt (Pinus spp.) zur Behandlung chronischer Erkrankungen. Diese Extrakte sind reich an Bioflavonoiden, insbesondere an antioxidativ wirkenden Proanthocyanidinen.

Kommerzielle Präparate werden häufig zur Prävention oder Therapie von Erkrankungen vermarktet, die mit oxidativem Stress assoziiert sind. Die vorliegende Meta-Analyse schließt 27 randomisiert-kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 1641 Teilnehmern ein.

Es wurden Studien zu zehn verschiedenen chronischen Krankheitsbildern ausgewertet. Die Studiendauer variierte dabei zwischen vier Wochen und sechs Monaten. In 24 der eingeschlossenen Studien diente ein Placebo als Kontrolle.

Empfehlungen

Der Review formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Wirksamkeit:

Allgemeine Bewertung

Laut Review lassen die eingeschlossenen Studien keine definitiven Schlussfolgerungen zur Wirksamkeit oder Sicherheit von Kiefernrindenextrakt zu. Dies wird auf kleine Stichprobengrößen, eine begrenzte Anzahl von Studien pro Erkrankung und eine mangelhafte Berichterstattung zurückgeführt.

Für alle untersuchten Indikationen wird die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz als sehr gering (very low-certainty evidence) eingestuft.

IndikationUntersuchte EndpunkteEvidenzgrad
AsthmaFEV1, Asthmasymptome, Inhalator-StoppSehr gering
ADHS (Kinder)Unaufmerksamkeit, HyperaktivitätSehr gering
Herz-Kreislauf-ErkrankungenBlutdruck, HDL/LDL-CholesterinSehr gering
Chronisch venöse InsuffizienzSchmerzscores, ärztliche WirksamkeitSehr gering
Diabetes mellitus (Typ 1 & 2)Nüchternblutzucker, HbA1cSehr gering
Sexuelle Dysfunktion (m/w)Erektionsfunktion, Zufriedenheit, SchmerzSehr gering
KniearthroseWOMAC-Score, NSAR-BedarfSehr gering
OsteopenieKnochenspezifische Alkalische PhosphataseSehr gering
Schädel-Hirn-TraumaKognitive Ausfälle, Post-Concussion-SymptomeSehr gering

Atemwegs- und neurologische Erkrankungen

Bei Erwachsenen mit Asthma bleibt unklar, ob der Extrakt die Lungenfunktion (FEV1) verbessert oder Asthmasymptome lindert (sehr geringe Evidenz).

Ebenso ist bei Kindern mit ADHS nicht belegt, ob Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität reduziert werden (sehr geringe Evidenz). Bei Personen mit Schädel-Hirn-Trauma ist ein Effekt auf kognitive Ausfälle oder Post-Concussion-Symptome nicht nachweisbar.

Herz-Kreislauf und Stoffwechsel

Der Review stellt fest, dass bei kardiovaskulären Erkrankungen unklar ist, ob der Extrakt den diastolischen Blutdruck senkt oder die Cholesterinwerte (HDL/LDL) beeinflusst (sehr geringe Evidenz).

Bei chronisch venöser Insuffizienz (CVI) und Diabetes mellitus (Typ 1 und 2) kann weder eine signifikante Schmerzreduktion noch eine klinisch relevante Senkung von Nüchternblutzucker oder HbA1c bestätigt werden.

Urogenitale und muskuloskelettale Erkrankungen

Sowohl bei erektiler Dysfunktion des Mannes als auch bei sexueller Dysfunktion der Frau bleibt ein positiver Effekt auf die Zufriedenheit oder Funktion unklar (sehr geringe Evidenz).

Bei Kniearthrose ist nicht belegt, ob Kiefernrindenextrakt den WOMAC-Score oder den Bedarf an nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) senkt. Auch bei postmenopausaler Osteopenie ist eine Wirkung auf Knochenmarker nicht gesichert.

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💡Praxis-Tipp

Der Review betont, dass aufgrund der mangelhaften Studienlage keine Wirksamkeit von Kiefernrindenextrakt bei chronischen Erkrankungen belegt ist. Es wird darauf hingewiesen, dass in den meisten Studien schwerwiegende unerwünschte Ereignisse oder Krankenhauseinweisungen gar nicht erst erfasst wurden. Ein routinemäßiger Einsatz als Alternative zu etablierten medikamentösen Therapien ist daher laut aktueller Evidenz nicht zu rechtfertigen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Cochrane Review ist die Evidenz für eine Wirksamkeit bei Asthma oder ADHS sehr gering. Es kann nicht abschließend beurteilt werden, ob der Extrakt Symptome lindert oder die Lungenfunktion verbessert.

Die Auswertung der Studien zeigt, dass ein positiver Effekt auf den Nüchternblutzucker oder den HbA1c-Wert bei Diabetes mellitus Typ 1 und 2 unklar ist. Die Autoren stufen die Evidenz hierfür als sehr gering ein.

Der Review stellt fest, dass die Sicherheit der Präparate nicht abschließend beurteilt werden kann. In den meisten untersuchten Studien wurden schwerwiegende unerwünschte Ereignisse oder Krankenhauseinweisungen nicht systematisch berichtet.

Es ist laut Review nicht belegt, dass der Extrakt bei Kniearthrose den Schmerzscore senkt oder den Bedarf an Schmerzmitteln (NSAR) reduziert. Auch hier ist die zugrundeliegende Evidenz sehr gering.

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Quelle: Cochrane Review: Pine bark (Pinus spp.) extract for treating chronic disorders (Cochrane, 2020). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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