Makrolidantibiotika Nebenwirkungen: Cochrane Review
Hintergrund
Makrolidantibiotika (wie Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin und Roxithromycin) gehören weltweit zu den am häufigsten verschriebenen Antibiotika. Sie werden bei einer Vielzahl von akuten und chronischen Infektionen eingesetzt.
Neben ihrer antibakteriellen Wirkung besitzen Makrolide auch immunmodulatorische und antiinflammatorische Eigenschaften. Dies führt zu einem breiten Indikationsspektrum, das von Atemwegsinfektionen bis hin zu chronischen Erkrankungen wie Asthma oder Mukoviszidose reicht.
Der vorliegende Cochrane Review (2019) untersucht systematisch die Inzidenz unerwünschter Ereignisse bei der Einnahme von Makroliden im Vergleich zu Placebo. Ziel ist es, das Nutzen-Risiko-Profil unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung besser bewerten zu können.
Empfehlungen
Die Meta-Analyse formuliert folgende zentrale Ergebnisse zu unerwünschten Ereignissen:
Gastrointestinale Nebenwirkungen
Makrolide erhöhen laut Review signifikant das Risiko für gastrointestinale Beschwerden. Es wird eine deutliche Zunahme von Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall im Vergleich zu Placebo beschrieben.
Die folgende Tabelle fasst die relativen Risiken und die Number Needed to Harm (NNTH) für gastrointestinale Ereignisse zusammen:
| Unerwünschtes Ereignis | Odds Ratio (OR) | Number Needed to Harm (NNTH) | Evidenzqualität |
|---|---|---|---|
| Magen-Darm-Beschwerden (unspezifisch) | 2,16 | 12 | Moderat |
| Durchfall | 1,70 | 19 | Niedrig |
| Bauchschmerzen | 1,66 | 17 | Niedrig |
| Übelkeit | 1,61 | 19 | Moderat |
| Erbrechen | 1,27 | 45 | Moderat |
Es konnte kein konsistenter Unterschied bezüglich der Nebenwirkungsrate zwischen den verschiedenen Makrolid-Arten oder Verabreichungswegen festgestellt werden.
Ototoxizität und Geschmacksstörungen
Der Review zeigt, dass Hörverlust bei Patienten unter Makrolidtherapie häufiger auftritt (OR 1,30). Diese Daten basieren jedoch auf einer geringen Studienzahl.
Zudem werden Geschmacksstörungen unter Makroliden signifikant häufiger berichtet (OR 4,95). Auch hier wird auf die geringe Evidenzqualität hingewiesen.
Kardiale und hepatische Ereignisse
Entgegen Beobachtungsstudien fand die systematische Auswertung randomisierter kontrollierter Studien keine Evidenz für ein erhöhtes Risiko durch Makrolide bei folgenden Endpunkten:
-
Herzerkrankungen oder kardiovaskuläre Ereignisse
-
Hepatobiliäre Erkrankungen oder Leberenzymveränderungen
-
Erhöhte Mortalität
Bakterielle Resistenzen
Die Auswertung zeigt, dass makrolidresistente Bakterien unmittelbar nach der Exposition häufiger nachgewiesen werden. Die Langzeitdaten zur Resistenzentwicklung werden jedoch als widersprüchlich eingestuft.
Die Autoren betonen die unzureichende Dokumentation von Resistenzen und Nebenwirkungen in den Primärstudien.
💡Praxis-Tipp
Der Review verdeutlicht, dass gastrointestinale Nebenwirkungen unter Makroliden sehr häufig sind, wobei die Number Needed to Harm (NNTH) für unspezifische Magen-Darm-Beschwerden bei 12 liegt. Es wird hervorgehoben, dass bei der Verordnung stets eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen sollte, insbesondere da der therapeutische Nutzen bei vielen unkomplizierten Atemwegsinfektionen marginal ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane Review erhöhen Makrolide das Risiko für Durchfall signifikant. Die Number Needed to Harm (NNTH) für das Auftreten von Durchfall wird mit 19 angegeben.
Die Meta-Analyse fand keine Evidenz dafür, dass Makrolide im Vergleich zu Placebo vermehrt Herzerkrankungen verursachen. Die Evidenzqualität für diesen Endpunkt wird jedoch als sehr niedrig eingestuft.
Der Review konnte keine klaren oder konsistenten Unterschiede bei den gastrointestinalen unerwünschten Ereignissen zwischen den verschiedenen Makrolid-Arten feststellen.
Es wird berichtet, dass Hörverlust unter Makroliden häufiger auftritt als unter Placebo. Diese Aussage stützt sich jedoch auf Daten aus nur vier eingeschlossenen Studien.
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Quelle: Cochrane Review: Adverse events in people taking macrolide antibiotics versus placebo for any indication (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.