Chronische Schmerzen: KVT-Ferntherapie und Evidenz
Hintergrund
Chronische Schmerzen, die drei Monate oder länger andauern, beeinträchtigen das tägliche Leben der Betroffenen erheblich. Psychologische Therapien, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), sind ein wichtiger Bestandteil der multimodalen Schmerzbehandlung.
Der Zugang zu traditionellen Präsenztherapien ist jedoch häufig durch geografische, finanzielle oder ressourcenbedingte Barrieren eingeschränkt. Fernbehandlungen über das Internet oder Smartphone-Anwendungen bieten das Potenzial, diese Hürden zu überwinden und die Versorgung zu verbessern.
Der vorliegende Cochrane-Review untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit von psychologischen Ferntherapien im Vergleich zur üblichen Versorgung oder aktiven Kontrollgruppen bei Erwachsenen mit chronischen Schmerzen (ausgenommen Kopfschmerzen).
Empfehlungen
Die Cochrane-Analyse formuliert folgende Kernaussagen zur psychologischen Fernbehandlung:
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Laut Review ist die internetbasierte KVT die am besten untersuchte Ferntherapie. Die Effekte stellen sich im Vergleich zur Standardversorgung (Treatment as usual, TAU) wie folgt dar:
| Endpunkt | Effekt direkt nach Therapie | Effekt bei Nachbeobachtung (3-12 Monate) | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Schmerzintensität | Kleiner positiver Effekt | Kein Unterschied | Moderat |
| Funktionelle Einschränkung | Geringfügige Verbesserung | Kein Unterschied | Niedrig bis Moderat |
| Lebensqualität | Sehr unsicher / Kein Effekt | Kein Unterschied | Sehr niedrig bis Moderat |
| Unerwünschte Ereignisse | Sehr unsicher | Keine Daten | Sehr niedrig |
-
Die positiven Effekte auf Schmerz und Funktion sind laut Leitlinie klein und zeitlich auf die Phase direkt nach der Behandlung begrenzt.
-
Im Vergleich zu aktiven Kontrollinterventionen (z. B. Schmerzedukation) zeigt sich ebenfalls ein kleiner positiver Effekt auf die Schmerzintensität direkt nach der Behandlung.
-
Die Leitlinie betont, dass KVT in Fernbehandlung als Ergänzung im Rahmen eines Stufenkonzepts (Stepped Care) betrachtet werden sollte.
Andere Therapieformen
-
Für die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) in Fernbehandlung ist die Evidenzlage laut Review sehr unsicher.
-
Es lassen sich derzeit keine klaren klinischen Vorteile für ACT gegenüber der Standardversorgung belegen.
-
Andere psychologische Ansätze wurden bisher nicht ausreichend in Fernbehandlungs-Settings untersucht.
Kontraindikationen
Der Review schließt Personen mit Kopfschmerzen und Migräne explizit aus, da für diese Entitäten andere Endpunkte relevant sind.
Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Evidenz zu potenziellen Schäden oder unerwünschten Ereignissen durch psychologische Ferntherapien derzeit unzureichend ist.
💡Praxis-Tipp
Es wird hervorgehoben, dass die positiven Effekte der internetbasierten KVT auf Schmerz und Funktion zwar vorhanden, aber klein und meist nur von kurzer Dauer sind. Die Fernbehandlung sollte daher vorzugsweise als ergänzender Baustein innerhalb eines gestuften Versorgungskonzepts (Stepped Care) eingesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen
Laut Cochrane-Review zeigt die internetbasierte kognitive Verhaltenstherapie kurzfristig kleine positive Effekte auf die Schmerzintensität und funktionelle Einschränkungen. Diese Vorteile bleiben jedoch bei späteren Nachkontrollen meist nicht bestehen.
Die aktuelle Evidenzlage zur online durchgeführten ACT ist laut Analyse sehr unsicher. Es lassen sich derzeit keine klaren Vorteile gegenüber der Standardversorgung belegen.
Der Review stellt fest, dass unerwünschte Ereignisse in den Studien unzureichend erfasst wurden. Die Evidenz zu möglichen negativen Effekten der Fernbehandlung wird als sehr unsicher eingestuft.
Die eingeschlossenen Studien untersuchten Erwachsene mit verschiedenen chronischen Schmerzen, darunter Rückenschmerzen, Fibromyalgie, Arthrose und rheumatoide Arthritis. Kopfschmerzen und Migräne waren explizit ausgeschlossen.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Cochrane Review: Psychological therapies delivered remotely for the management of chronic pain (excluding headache) in adults (Cochrane, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Cochrane Review: Psychosocial interventions for conversion and dissociative disorders in adults
Cochrane Review: Behavioural activation therapy for depression in adults with non-communicable diseases
Cochrane Review: Psychological interventions for depression and anxiety in patients with coronary heart disease, heart failure or atrial fibrillation
Cochrane Review: Interventions to improve return to work in depressed people
Cochrane Review: Mixed exercise training for adults with fibromyalgia
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen