Chlamydia trachomatis: NAT-Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Chlamydia trachomatis ist ein obligat intrazelluläres Bakterium, das weltweit zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Infektionen (STI) zählt. Die Serotypen D bis K verursachen urogenitale Infektionen, während die Serotypen L1 bis L3 das Lymphogranuloma venereum (LGV) auslösen.
Bis zu 80 Prozent der Infektionen bei Frauen und 50 Prozent bei Männern verlaufen asymptomatisch. Dies begünstigt eine unerkannte Weitergabe des Erregers und erhöht das Risiko für Spätkomplikationen wie chronische Adnexitis, Tubensterilität oder reaktive Arthritiden.
Das Erregerreservoir ist ausschließlich der Mensch. Die Übertragung der urogenitalen Serotypen erfolgt durch sexuellen Kontakt oder perinatal während der Geburt, wobei die Inkubationszeit in der Regel ein bis drei Wochen beträgt.
Klinischer Kontext
Chlamydia trachomatis ist die weltweit häufigste bakterielle sexuell übertragbare Infektion (STI). Die höchste Prävalenz findet sich bei sexuell aktiven jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 25 Jahren.
Die Erreger sind obligat intrazelluläre, gramnegative Bakterien, die bevorzugt das Zylinderepithel des Urogenitaltrakts, des Rektums oder der Bindehaut infizieren. Durch die intrazelluläre Vermehrung kommt es zu einer chronischen Entzündungsreaktion, die Gewebeschäden und Narbenbildung nach sich ziehen kann.
Klinisch ist die Infektion von großer Bedeutung, da sie in der Mehrzahl der Fälle asymptomatisch verläuft und daher oft unentdeckt bleibt. Unbehandelt drohen schwerwiegende Komplikationen wie die Pelvic Inflammatory Disease (PID), ektope Schwangerschaften und Tubensterilität bei Frauen sowie Epididymitis bei Männern.
Die Diagnostik stützt sich primär auf Nukleinsäure-Amplifikations-Techniken (NAAT), die als Goldstandard gelten. Als Probenmaterial eignen sich Erststrahlurin bei Männern sowie Vaginal- oder Zervixabstriche bei Frauen.
Wissenswertes
Die Inkubationszeit bei einer urogenitalen Infektion mit Chlamydia trachomatis beträgt in der Regel ein bis drei Wochen. Da die Infektion jedoch häufig asymptomatisch verläuft, lässt sich der genaue Infektionszeitpunkt klinisch oft nicht exakt bestimmen.
Bei Frauen äußert sich eine symptomatische Infektion oft durch vermehrten vaginalen Ausfluss, Dysurie oder Unterbauchschmerzen. Männer klagen typischerweise über urethralen Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen im Bereich der Hoden.
Der Goldstandard der Diagnostik ist der Nachweis mittels Nukleinsäure-Amplifikations-Technik (NAAT). Bei Männern wird hierfür bevorzugt Erststrahlurin verwendet, während bei Frauen ein Vaginal- oder Zervixabstrich die höchste Sensitivität aufweist.
Eine unbehandelte aufsteigende Infektion kann bei Frauen zur Entzündung des kleinen Beckens (PID), Eileiterschwangerschaften und Infertilität führen. Bei Männern sind Nebenhodenentzündungen und reaktive Arthritiden mögliche Folgeerscheinungen.
In Deutschland besteht für Chlamydia trachomatis keine bundesweite namentliche Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz. Ausnahmen bilden lediglich das Bundesland Sachsen, wo eine labor- und arztseitige Meldepflicht existiert, sowie bestimmte Sentinel-Überwachungen.
Die medikamentöse Therapie erfolgt in der Regel antibiotisch und zielt auf die intrazellulären Erreger ab. Eine zeitgleiche Untersuchung und Mitbehandlung aller Sexualpartner der letzten Monate ist essenziell, um Reinfektionen zu vermeiden.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Anforderung einer Chlamydien-Serologie bei Verdacht auf eine akute urogenitale Infektion. Der RKI-Ratgeber warnt davor, dass Antikörper erst nach 6 bis 8 Wochen messbar sind und monate- bis jahrelang persistieren können, weshalb für die Akutdiagnostik ausschließlich der direkte Erregernachweis mittels NAT (PCR) empfohlen wird.
Häufig gestellte Fragen
Laut RKI-Ratgeber eignen sich zellreiche Abstriche aus Zervix, Urethra, Rektum oder Konjunktiven. Alternativ wird bei Frauen unter 25 Jahren im Rahmen des Screenings die Untersuchung aus Erststrahlurin mittels NAT empfohlen.
Eine exakte Dauer der Ansteckungsfähigkeit kann laut Leitlinie aufgrund der häufig asymptomatischen Verläufe nicht angegeben werden. Es wird geraten, sexuelle Kontakte erst nach vollständigem Abschluss der antibiotischen Therapie wieder aufzunehmen.
Es wird dringend empfohlen, alle Sexualpartner der letzten 60 Tage zu untersuchen und idealerweise zeitgleich mitzubehandeln. Diese Sicherheitsbehandlung schützt vor Reinfektionen innerhalb der Partnerschaft.
Urogenitale Infektionen mit den Serotypen D bis K sind in Deutschland nicht routinemäßig meldepflichtig. Eine namentliche Meldepflicht an das RKI besteht jedoch für die Serotypen L1 bis L3, welche das Lymphogranuloma venereum auslösen.
Obwohl internationale Richtlinien oft 7 Tage angeben, weist der Ratgeber darauf hin, dass in vivo häufig Rezidive auftreten. Daher wird bei einer Therapie mit Doxycyclin oder Erythromycin eine Behandlungsdauer von mindestens 14 Tagen empfohlen.
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Quelle: RKI-Ratgeber: Chlamydiosen Teil 1: Chlamydia trachomatis (RKI/STIKO). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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