Borderline-Persönlichkeitsstörung: Diagnostik, Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2009 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2009)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist durch eine signifikante Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in der Stimmung sowie durch impulsives Verhalten gekennzeichnet. Betroffene leiden häufig unter Verlassensängsten, suizidalen Gedanken und einer starken Neigung zu Selbstverletzungen.

Die Prävalenz liegt bei knapp einem Prozent der Bevölkerung, wobei die Störung meist im frühen Erwachsenenalter auftritt. Frauen stellen sich häufiger in den entsprechenden medizinischen Einrichtungen vor als Männer.

Oftmals bestehen Komorbiditäten wie Depressionen, Angststörungen, Essstörungen oder Substanzmissbrauch. Die NICE-Leitlinie betont grundlegend, dass Betroffene aufgrund ihrer Diagnose oder wegen Selbstverletzungen nicht von der regulären Gesundheitsversorgung ausgeschlossen werden dürfen.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung:

Primärversorgung und Überweisung

Bei wiederholter Selbstverletzung, anhaltendem Risikoverhalten oder ausgeprägter emotionaler Instabilität wird eine Überweisung an gemeindenahe psychiatrische Dienste empfohlen.

Jugendliche unter 18 Jahren sollten laut Leitlinie an spezialisierte kinder- und jugendpsychiatrische Dienste (CAMHS) überwiesen werden.

Diagnostik und Behandlungsplanung

Es wird empfohlen, einen umfassenden, multidisziplinären Behandlungsplan in Zusammenarbeit mit dem Betroffenen zu erstellen. Dieser sollte kurz- und langfristige Ziele sowie einen spezifischen Krisenplan umfassen.

Die Risikobewertung muss als Teil der Gesamtbeurteilung erfolgen. Dabei wird empfohlen, zwischen langfristigen und unmittelbaren Risiken für die eigene Person und andere zu unterscheiden.

Psychologische Therapie

Die Leitlinie empfiehlt, bei der Wahl der psychologischen Therapie die Präferenzen, den Schweregrad der Störung und die Therapiemotivation zu berücksichtigen. Zweimal wöchentliche Sitzungen können in Betracht gezogen werden.

Folgende spezifische Therapieempfehlungen werden ausgesprochen:

  • Keine psychologischen Kurzinterventionen von weniger als 3 Monaten Dauer außerhalb spezialisierter Dienste.

  • Erwägung eines umfassenden Programms der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) für Frauen, bei denen die Reduktion wiederholter Selbstverletzungen im Vordergrund steht.

  • Kontinuierliches Monitoring der Behandlungseffekte auf persönliche Funktion, Substanzkonsum und Borderline-Symptomatik.

Medikamentöse Therapie

Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, Medikamente spezifisch zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder ihrer Einzelsymptome einzusetzen. Antipsychotika sollen nicht für die mittel- und langfristige Behandlung verwendet werden.

Bei bestehenden medikamentösen Therapien ohne diagnostizierte Komorbidität wird eine Überprüfung empfohlen. Das Ziel sollte das Absetzen unnötiger Medikamente sein.

Krisenmanagement und stationäre Aufnahme

In einer Krise wird eine ruhige, nicht bedrohliche Haltung sowie die Validierung der Gefühle empfohlen. Ein kurzfristiger Einsatz von sedierenden Medikamenten (z. B. sedierende Antihistaminika) kann für maximal eine Woche erwogen werden.

Eine stationäre Aufnahme sollte laut Leitlinie nur bei erheblicher Eigen- oder Fremdgefährdung erfolgen, die ambulant nicht beherrschbar ist. Zuvor sollten stets ambulante Krisendienste konsultiert werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie benennt klare Einschränkungen für die Therapie:

  • Keine medikamentöse Therapie spezifisch für die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder deren Einzelsymptome (wie Selbstverletzung oder emotionale Instabilität).

  • Keine Antipsychotika für die mittel- und langfristige Behandlung.

  • Keine psychologischen Kurzinterventionen (unter 3 Monaten) außerhalb strukturierter, spezialisierter Dienste.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, Medikamente primär zur Behandlung der Borderline-Symptomatik einzusetzen, und empfiehlt stattdessen, bestehende Verordnungen ohne klare Komorbidität kritisch zu prüfen und schrittweise abzusetzen. Zudem wird betont, dass in Krisensituationen sedierende Medikamente nur äußerst restriktiv, mit geringem Abhängigkeitspotenzial und für maximal eine Woche eingesetzt werden sollten.

Häufig gestellte Fragen

Die NICE-Leitlinie empfiehlt strukturierte psychologische Behandlungen, die auf den Schweregrad und die Motivation abgestimmt sind. Für Frauen mit wiederholtem selbstverletzendem Verhalten wird insbesondere die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) empfohlen.

Laut Leitlinie sollen Medikamente nicht spezifisch gegen die Borderline-Persönlichkeitsstörung oder deren Einzelsymptome eingesetzt werden. Eine medikamentöse Behandlung wird nur zur Therapie von Begleiterkrankungen wie Depressionen oder kurzfristig in akuten Krisen empfohlen.

Es wird empfohlen, den bestehenden Krisenplan zu nutzen, eine ruhige Haltung zu bewahren und die Gründe für die Notlage empathisch zu erfragen. Eine kurzfristige medikamentöse Sedierung für maximal eine Woche kann in Ausnahmefällen erwogen werden.

Die Leitlinie rät dazu, stationäre Aufnahmen möglichst zu vermeiden und stattdessen ambulante Krisendienste zu nutzen. Eine Aufnahme wird nur bei erheblicher, ambulant nicht kontrollierbarer Gefährdung für sich oder andere empfohlen.

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Quelle: NICE NG53: Borderline personality disorder: recognition and management (NICE, 2009). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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