Bipolare Störung: Diagnostik und Therapie-Leitlinien
Hintergrund
Die bipolare Störung ist durch chronisch wiederkehrende Episoden von Manie oder Hypomanie im Wechsel mit Depressionen gekennzeichnet. Die weltweite Lebenszeitprävalenz des bipolaren Spektrums liegt bei etwa 2,4 Prozent.
Die Ätiologie ist multifaktoriell und umfasst genetische, epigenetische, neurochemische und umweltbedingte Faktoren. Neurobildgebende Studien zeigen strukturelle und funktionelle Veränderungen im Gehirn, jedoch gibt es bisher keine spezifischen Biomarker für die Erkrankung.
Eine korrekte Diagnosestellung verzögert sich oft um sechs bis zehn Jahre, da die Symptome mit anderen psychiatrischen Erkrankungen überlappen. Insbesondere die Unterscheidung zwischen unipolarer und bipolarer Depression stellt eine klinische Herausforderung dar.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik
Es wird betont, dass die Diagnose rein klinisch anhand einer umfassenden Anamnese gestellt wird. Es wird empfohlen, Fremdanamnesen von Angehörigen sowie den longitudinalen Krankheitsverlauf in die Bewertung einzubeziehen.
Bei depressiven Episoden wird eine gezielte Exploration früherer hypomaner oder manischer Phasen empfohlen. Dies gilt laut Leitlinie besonders bei einem frühen Krankheitsbeginn unter 25 Jahren, häufigen depressiven Episoden oder einer positiven Familienanamnese.
Die Klassifikation der bipolaren Störungen erfolgt nach den DSM-5-Kriterien:
| Diagnose | Kriterium Manie/Hypomanie | Kriterium Depression |
|---|---|---|
| Bipolar-I-Störung | Mindestens 1 manische Episode (≥ 7 Tage oder Hospitalisierung) | Nicht zwingend erforderlich |
| Bipolar-II-Störung | Mindestens 1 hypomane Episode (≥ 4 Tage, keine Psychose) | Mindestens 1 Major-Depression-Episode |
| Zyklothymia | Hypomane Symptome über ≥ 2 Jahre | Depressive Symptome über ≥ 2 Jahre |
Zum Ausschluss sekundärer Ursachen wird eine initiale Basisdiagnostik empfohlen:
-
Urin-Drogenscreening
-
Großes Blutbild mit Blutausstrich
-
Umfassendes Stoffwechselpanel
-
Schilddrüsenfunktionstests
-
Bestimmung der Vitamin-B- und Folsäurespiegel
Akuttherapie der Manie
Eine akute Manie wird als medizinischer Notfall eingestuft, der häufig eine psychiatrische Hospitalisierung erfordert. Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinien-Monotherapie ein Phasenprophylaktikum (Lithium oder Valproat) oder ein Antipsychotikum (Aripiprazol, Asenapin, Cariprazin, Quetiapin oder Risperidon).
Bei unzureichender Kontrolle oder sehr schwerer Manie wird eine Kombinationstherapie aus Lithium oder Valproat mit einem Antipsychotikum empfohlen.
Die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) kann bei therapieresistenter Manie oder bei schwangeren Frauen mit schwerer Manie erwogen werden.
Therapie der bipolaren Depression
Aufgrund des hohen Suizidrisikos in dieser Phase hat die Risikoeinschätzung oberste Priorität. Als Erstlinien-Monotherapie werden Quetiapin, Olanzapin oder Lurasidon empfohlen.
Die Leitlinie rät vom Einsatz von Antidepressiva als Monotherapie ab. Diese sollten nur additiv zu Phasenprophylaktika oder Antipsychotika der zweiten Generation verabreicht werden, um einen Switch in die Manie zu vermeiden.
Psychologische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie werden lediglich als Add-on zur Pharmakotherapie empfohlen.
Erhaltungstherapie
Es wird eine kontinuierliche, oft lebenslange Erhaltungstherapie empfohlen, um Rückfälle zu vermeiden. Eine Lithium-Monotherapie zeigt laut Leitlinie eine hohe Wirksamkeit gegen manische und depressive Rückfälle und senkt das Suizidrisiko.
Eine regelmäßige Überwachung der Serum-Lithiumkonzentrationen wird als Standard of Care beschrieben.
Kontraindikationen
Laut Leitlinie darf Valproat bei Frauen im gebärfähigen Alter aufgrund des inakzeptablen Risikos für Teratogenität und beeinträchtigte intellektuelle Entwicklung des Fötus nicht angewendet werden.
Zudem wird vor der Monotherapie mit Antidepressiva bei bipolarer Depression gewarnt, da ein erhöhtes Risiko für einen Switch in die Manie oder für Stimmungsinstabilität besteht.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass die meisten Personen mit einer bipolaren Störung initial fehldiagnostiziert werden, oft als unipolar depressive Störung. Es wird daher angeraten, bei jeder depressiven Episode aktiv nach früheren hypomanen oder manischen Phasen zu fragen, insbesondere wenn die Erstepisode vor dem 25. Lebensjahr auftrat oder eine positive Familienanamnese besteht.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie erfordert die Bipolar-I-Störung mindestens eine manische Episode, während depressive Episoden nicht zwingend für die Diagnose sind. Die Bipolar-II-Störung ist durch mindestens eine hypomane Episode und zwingend durch mindestens eine Episode einer Major Depression gekennzeichnet.
Die Leitlinie rät von einer Monotherapie mit Antidepressiva ab, da die Wirksamkeit nicht belegt ist und das Risiko eines Wechsels in eine Manie besteht. Sie können jedoch additiv zu Phasenprophylaktika oder atypischen Antipsychotika verabreicht werden.
Als Erstlinien-Monotherapie empfiehlt die Leitlinie Phasenprophylaktika wie Lithium oder Valproat sowie Antipsychotika wie Aripiprazol, Quetiapin oder Risperidon. Bei schwerer Manie wird eine Kombinationstherapie aus Lithium oder Valproat mit einem Antipsychotikum empfohlen.
Psychologische Interventionen wie die kognitive Verhaltenstherapie werden als Ergänzung zur medikamentösen Therapie empfohlen. Die Leitlinie betont, dass Psychotherapie bei akuter bipolarer Depression niemals als Monotherapie eingesetzt werden sollte.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Bipolar Disorder (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen