Affektive Störungen: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie definiert affektive Störungen als tiefgreifende und anhaltende Veränderungen der Stimmungslage, die das Verhalten maßgeblich beeinflussen. Dazu gehören bipolare Störungen sowie depressive Erkrankungen wie die Major Depression.
Als Ursachen werden biologische Faktoren wie ein Mangel an Serotonin und Noradrenalin sowie genetische und psychosoziale Komponenten beschrieben. Auch neuroimmunologische Prozesse und eine Überaktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse spielen laut Leitlinie eine zentrale Rolle bei der Entstehung.
Die Lebenszeitprävalenz der Major Depression liegt bei etwa 5 bis 17 Prozent, wobei Frauen fast doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Bipolare Störungen weisen eine Lebenszeitprävalenz von etwa 0,6 Prozent für Bipolar-I und 0,4 Prozent für Bipolar-II auf.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte für die Diagnostik und Therapie affektiver Störungen:
Diagnostik und Evaluation
Für die Evaluation wird eine ausführliche Anamnese unter Einbezug der Familienhistorie sowie eine gründliche Untersuchung des psychischen Befundes empfohlen. Es wird betont, dass bei depressiven Symptomen zwingend zwischen einer unipolarer und einer bipolaren Depression unterschieden werden muss.
Zur strukturierten Beurteilung nennt die Leitlinie spezifische Ratingskalen:
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Hamilton Rating Scale for Depression (HAM-D) zur Fremdbeurteilung von Depressionen
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Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS) zur Schweregradmessung
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Young Mania Rating Scale (YMRS) zur Beurteilung manischer Episoden
Therapie der bipolaren Störung
Bei einer schweren manischen oder gemischten Episode wird eine Kombinationstherapie aus einem Phasenprophylaktikum (Lithium oder Valproinsäure) und einem atypischen Antipsychotikum empfohlen.
Bei weniger schweren Episoden ist laut Leitlinie eine Monotherapie mit Lithium, einem Antikonvulsivum oder einem atypischen Antipsychotikum indiziert.
Liegt eine bipolare Depression vor, werden Quetiapin, Lurasidon, Lamotrigin oder eine Kombination aus Olanzapin und Fluoxetin als Behandlungsoptionen aufgeführt.
Therapie der unipolarer Depression
Die Leitlinie empfiehlt Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) als Erstlinientherapie, da diese gut verträglich sind. Die volle Wirkung tritt typischerweise erst nach vier bis fünf Wochen ein.
Als Zweitlinientherapie oder bei komorbiden Schmerzen werden Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) empfohlen. Atypische Antidepressiva wie Mirtazapin und Bupropion stellen weitere medikamentöse Optionen dar.
Nicht-medikamentöse Therapien
Zusätzlich zur Pharmakotherapie wird der Einsatz von Psychotherapie empfohlen. Die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) gilt dabei als die am besten untersuchte Methode bei Depressionen.
Bei therapieresistenten Verläufen, in der Schwangerschaft oder bei akuter Suizidalität wird die Elektrokonvulsionstherapie (EKT) als wirksame Option beschrieben. Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) wird ebenfalls als vielversprechendes Verfahren ohne kognitive Nebenwirkungen genannt.
Dosierung
Die Leitlinie nennt folgende Dosierungsempfehlungen für Phasenprophylaktika und Antikonvulsiva bei bipolaren Störungen:
| Medikament | Dosierung | Indikation / Anmerkung |
|---|---|---|
| Lithium | Start: 300 mg 2-3x täglich | Zielspiegel: 0,6 - 1,2 mEq/l |
| Valproinsäure | Start: 20-30 mg/kg/Tag | Zieldosis: 1.200 - 1.500 mg/Tag bei akuter Manie |
| Carbamazepin | Zieldosis: 1.200 mg/Tag | Antimanische Therapie |
| Lamotrigin | Start: 25 mg/Tag, Ziel: 50-200 mg/Tag | Bipolare Depression (langsame Titration erforderlich) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende spezifische Kontraindikationen und Warnhinweise:
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Bupropion: Kontraindiziert bei Epilepsie (senkt die Krampfschwelle) und bei Essstörungen.
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Nefazodon: Kontraindiziert bei Lebererkrankungen.
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Lamotrigin: Bei Auftreten jeglicher Art von Hautausschlag (Risiko für Stevens-Johnson-Syndrom) muss die Therapie sofort abgebrochen werden.
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Lithium: Besitzt eine geringe therapeutische Breite und erfordert ein strenges Monitoring der Blutspiegel sowie der Nieren- und Schilddrüsenfunktion.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist es bei der Evaluation depressiver Symptome von entscheidender Bedeutung, aktiv nach vergangenen hypomanen oder manischen Phasen zu fragen. Da Betroffene diese Phasen oft ignorieren oder als positiv empfinden, wird eine sorgfältige Anamnese empfohlen, um eine bipolare Störung nicht fälschlicherweise als unipolar zu diagnostizieren.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie dauert es in der Regel vier bis fünf Wochen, bis Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) ihre volle Wirkung entfalten. In dieser Zeit wird ein engmaschiges Monitoring bezüglich suizidaler Gedanken empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt bei einer schweren manischen Episode eine Kombinationstherapie. Diese besteht aus einem Phasenprophylaktikum wie Lithium oder Valproinsäure und einem atypischen Antipsychotikum.
Zur strukturierten Beurteilung werden die Hamilton Rating Scale for Depression (HAM-D) und die Montgomery-Asberg Depression Rating Scale (MADRS) genannt. Beide Skalen werden vom Behandler durchgeführt und dienen der Schweregradeinschätzung.
Die EKT wird laut Leitlinie bei therapieresistenten Verläufen, bei schwerer Depression mit Nahrungsverweigerung sowie bei hochgradiger Suizidalität eingesetzt. Auch in der Schwangerschaft stellt sie eine Behandlungsoption dar.
Als relevante Nebenwirkungen nennt die Leitlinie unter anderem feinschlägigen Tremor, Polyurie, Polydipsie sowie Schilddrüsenfunktionsstörungen. Aufgrund der geringen therapeutischen Breite wird eine regelmäßige Kontrolle der Blutspiegel und Organparameter empfohlen.
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Quelle: StatPearls: Mood Disorder (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.