WHO2022

Biosicherheit im BioHub: Kriterien und Risikobewertung

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das WHO BioHub-System zielt darauf ab, den weltweiten Austausch von biologischen Materialien zwischen Laboren und Partnern zu beschleunigen. Dies soll eine schnelle Risikobewertung und die Entwicklung von Gegenmaßnahmen für epidemie- und pandemiegefährdende Krankheiten ermöglichen.

Um als qualifizierte Einrichtung (Qualified Entity, QE) anerkannt zu werden und biologische Materialien empfangen zu dürfen, müssen Labore strenge Vorgaben erfüllen. Die vorliegende Leitlinie der WHO definiert die essenziellen Kriterien für Biosicherheit und Gefahrenabwehr (Biosecurity).

Durch die Unterzeichnung eines Materialtransfervertrags bestätigen die Einrichtungen die Einhaltung dieser Standards. Die Leitlinie basiert maßgeblich auf dem WHO Laboratory Biosafety Manual (LBM4) und rückt eine risikobasierte Bewertung in den Fokus.

Empfehlungen

Risikobewertung und Management

Die Leitlinie fordert, dass jede qualifizierte Einrichtung (QE) einen systematischen Managementzyklus für Biosicherheit und Gefahrenabwehr implementiert. Es wird eine evidenzbasierte Risikobewertung für den Empfang, die Handhabung und die Lagerung aller Materialien verlangt.

Für die Durchführung der Biosicherheits-Risikobewertung definiert die Leitlinie folgende Stufen:

StufeMaßnahmeBeschreibung
Schritt 1Informationen sammelnErfassung von Erregern, Gefahren, Verfahren und Ausrüstung
Schritt 2Risiken bewertenEinschätzung von Wahrscheinlichkeit und Schweregrad einer Exposition
Schritt 3Kontrollstrategie entwickelnBerücksichtigung nationaler Richtlinien und Ressourcen
Schritt 4Maßnahmen auswählenImplementierung geeigneter und nachhaltiger Schutzmaßnahmen
Schritt 5ÜberprüfungEtablierung von Überprüfungszyklen bei Änderungen der Laboraktivitäten

Kernanforderungen (Core Requirements)

Gemäß der Leitlinie müssen alle Einrichtungen die Kernanforderungen des WHO Laboratory Biosafety Manual (LBM4) erfüllen. Dazu gehören unter anderem:

  • Die Einhaltung der guten mikrobiologischen Praxis (GMPP)

  • Ein strukturiertes Abfallmanagement und Dekontaminationsverfahren

  • Die korrekte Anwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA)

  • Ein etabliertes Notfall- und Vorfallmanagementsystem

Erweiterte und maximale Schutzmaßnahmen

Abhängig von der Risikobewertung wird die Implementierung erweiterter Kontrollmaßnahmen empfohlen. Bei der Handhabung von Materialien mit hohem Titer oder Volumen sollte laut Leitlinie beispielsweise ein nach innen gerichteter Luftstrom aufrechterhalten werden.

In Ausnahmefällen, etwa bei Erregern mit schwerwiegendsten Folgen, werden maximale Containment-Maßnahmen gefordert.

Dual-Use-Forschung (DURC)

Die Leitlinie betont die Notwendigkeit eines transparenten Systems zur Bewertung von Forschung, die potenziell missbraucht werden könnte (Dual-Use Research of Concern). Es wird gefordert, dass Einrichtungen entsprechende Risiken minimieren.

Forschungsprojekte mit DURC-Potenzial müssen der WHO vor Beginn zwingend gemeldet werden.

Administrative und operative Vorgaben

Für den sicheren Betrieb wird die Führung eines detaillierten Biosicherheitshandbuchs sowie eines Biosecurity-Plans verlangt. Letzterer muss die physische Sicherheit, Zugangsbeschränkungen und die Zuverlässigkeit des Personals regeln.

Zudem fordert die Leitlinie:

  • Ein medizinisches Überwachungsprogramm (Arbeitsmedizin) für das Personal

  • Ein lückenloses Bestandskontrollsystem zur Nachverfolgung der Proben

  • Regelmäßige interne und externe Audits sowie Wartungsprogramme

  • Die Einhaltung aller Transportvorschriften inklusive Import- und Exportgenehmigungen

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie hebt hervor, dass die Risikobewertung nicht mehr starr an die Risikogruppe eines Pathogens gekoppelt sein sollte. Stattdessen wird eine fallspezifische Beurteilung gefordert, die Faktoren wie das geplante Verfahren, das Volumen und den Titer des Erregers berücksichtigt. Dies erfordert von den Laboren eine deutlich dynamischere und individuellere Anpassung ihrer Sicherheitsmaßnahmen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie müssen Labore dafür 15 vordefinierte Kriterien zur Biosicherheit und Gefahrenabwehr erfüllen. Zudem ist die Unterzeichnung eines Standard-Materialtransfervertrags (SMTA) erforderlich, um biologische Materialien empfangen zu dürfen.

Als Dual-Use-Forschung wird wissenschaftliche Arbeit bezeichnet, die legitimen Zwecken dient, aber potenziell für schädliche Zwecke missbraucht werden kann. Die Leitlinie schreibt vor, dass solche Forschungsprojekte vor Beginn zwingend der WHO gemeldet und von einer Beratergruppe geprüft werden müssen.

Die Leitlinie verweist hierbei auf das WHO Laboratory Biosafety Manual (LBM4). Zu den Kernanforderungen zählen unter anderem die gute mikrobiologische Praxis, regelmäßige Personalschulungen, ein sicheres Abfallmanagement sowie ein etabliertes Notfallmanagement.

Ja, die Leitlinie fordert die Implementierung eines arbeitsmedizinischen Programms. Dieses dient der Überwachung und Dokumentation möglicher Expositionen, um präventive Maßnahmen wie Impfungen oder Postexpositionsprophylaxen zu ermöglichen.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: WHO BioHub system: biosafety and biosecurity: criteria and operational modalities (WHO, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.