CochraneIa2022

Beidseitige kongenitale Katarakt: Chirurgische Therapie

Diese Leitlinie stammt aus 2022 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: Cochrane (2022)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der angeborene Katarakt (Grauer Star) ist eine Trübung der Augenlinse, die bereits bei der Geburt besteht. Bei beidseitigem Auftreten stellt er weltweit eine der Hauptursachen für kindliche Blindheit dar, da die Trübung die normale Entwicklung des visuellen Systems behindert und zu einer Amblyopie führen kann.

Um eine dauerhafte Sehbehinderung zu vermeiden, ist häufig eine frühzeitige chirurgische Entfernung der getrübten Linse erforderlich. Nach der Entfernung muss die fehlende Brechkraft des Auges korrigiert werden, was entweder durch die Implantation einer Intraokularlinse (IOL) oder durch das Belassen einer Aphakie mit anschließender Korrektur durch Kontaktlinsen oder Brillen erfolgt.

Dieser Cochrane Review untersucht die Wirksamkeit verschiedener chirurgischer Eingriffe bei Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren. In dieser Altersgruppe stellen starke Entzündungsreaktionen, das Risiko eines sekundären Glaukoms und die Eintrübung der Sehachse (Visual Axis Opacification, VAO) besondere klinische Herausforderungen dar.

Empfehlungen

Der vorliegende Cochrane Review formuliert basierend auf der aktuellen Studienlage folgende Kernaussagen:

Wahl der Operationsmethode

Laut Review gibt es derzeit keine Evidenz von hoher Vertrauenswürdigkeit, die belegt, dass eine bestimmte Art der Operation bei beidseitigem angeborenem Katarakt überlegen ist. Es kann nicht abschließend beurteilt werden, ob eine primäre Implantation einer Intraokularlinse (IOL) bessere Ergebnisse liefert als das Belassen einer primären Aphakie. Die Wahl der geeigneten chirurgischen Methode hängt laut den Autoren von den verfügbaren Ressourcen, der Erfahrung des Operateurs und der anästhesiologischen Betreuung ab.

Intraokularlinse (Pseudophakie) vs. Aphakie

Basierend auf einer eingeschlossenen Studie mit sehr geringer Evidenzqualität zeigt der Review folgende Ergebnisse nach fünf Jahren Follow-up:

EndpunktPseudophakie (IOL)Aphakie (ohne Linse)Evidenzqualität
Mittlere Sehschärfe (logMAR)0,500,59Sehr gering
Eintrübung der Sehachse (VAO)10 % (3/29 Augen)8 % (2/25 Augen)Sehr gering
Glaukom-Inzidenz14 % (4/29 Augen)16 % (4/25 Augen)Sehr gering
Hintere Synechien (Entzündung)27,6 % (8/29 Augen)8 % (2/25 Augen)Sehr gering

Chirurgische Zugangswege und Techniken

Der Review vergleicht zudem spezifische chirurgische Techniken, wobei die Evidenzlage ebenfalls als sehr gering eingestuft wird:

  • Beim Vergleich von "In-the-bag"-Implantation mit vorderer Vitrektomie versus posteriorem "Optic Capture" ohne Vitrektomie zeigten sich bei letzterem signifikant weniger entzündliche Folgeerscheinungen.

  • Ein Vergleich zwischen einem transkornealen und einem Pars-plana-Zugang zeigte keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Eintrübung der Sehachse.

  • Beim Pars-plana-Zugang kam es in einer kleinen Studie vereinzelt zu Rupturen der hinteren Kapsel.

Forschungsbedarf

Der Review betont die Notwendigkeit weiterer randomisierter kontrollierter Studien. Insbesondere das optimale Alter für den Eingriff, der beste Zeitpunkt für eine IOL-Implantation und standardisierte Methoden zur Messung der Sehfunktion müssen weiter untersucht werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Review weist darauf hin, dass ein sekundäres Glaukom eine häufige und schwerwiegende Komplikation nach einer Kataraktoperation bei Kindern unter zwei Jahren darstellt. Es wird betont, dass das Risiko für ein Glaukom lebenslang erhöht bleibt, unabhängig davon, ob eine Intraokularlinse eingesetzt wurde oder das Auge aphak bleiben soll. Eine engmaschige und langfristige postoperative Überwachung des Augeninnendrucks ist daher unerlässlich.

Häufig gestellte Fragen

Laut dem Cochrane Review gibt es keine ausreichende Evidenz, um zu belegen, ob eine primäre Intraokularlinse oder eine primäre Aphakie (mit Kontaktlinsen- oder Brillenkorrektur) überlegen ist. Eine Studie zeigte nach fünf Jahren keinen signifikanten Unterschied in der Sehschärfe zwischen beiden Gruppen.

Der Review nennt die Eintrübung der Sehachse (Visual Axis Opacification, VAO), sekundäre Glaukome und entzündliche Veränderungen wie hintere Synechien als wesentliche Komplikationen. Das Risiko für ein Glaukom bleibt nach dem Eingriff lebenslang erhöht.

Die aktuelle Studienlage lässt laut Review keine eindeutige Empfehlung für einen spezifischen Zugangsweg zu. Ein kleiner Vergleich zwischen transkornealem und Pars-plana-Zugang zeigte keine Unterschiede bei der Sehachsentrübung, jedoch traten beim Pars-plana-Zugang vereinzelt Kapselrupturen auf.

Der Review berichtet, dass die Evidenz hierzu sehr unsicher ist. Eine kleine Studie verglich die "In-the-bag"-Implantation mit vorderer Vitrektomie mit dem posterioren "Optic Capture" ohne Vitrektomie und fand in beiden Gruppen keine Fälle von Sehachsentrübung, jedoch mehr Entzündungen in der Vitrektomie-Gruppe.

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Quelle: Cochrane Review: Surgical interventions for bilateral congenital cataract in children aged two years and under (Cochrane, 2022). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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