Bartholin-Zyste: Diagnostik, Therapie, Marsupialisation
Hintergrund
Die Bartholin-Drüsen befinden sich im unteren posterioren Bereich des Vaginaleingangs und produzieren muköses Sekret. Eine Obstruktion des Ausführungsganges führt zur Flüssigkeitsansammlung und zur Bildung einer Bartholin-Zyste.
Laut der StatPearls-Leitlinie treten diese Zysten und die daraus resultierenden Abszesse am häufigsten bei Frauen im gebärfähigen Alter auf. Ein Abszess entwickelt sich oft durch eine polymikrobielle Infektion und ist etwa dreimal häufiger als eine unkomplizierte Zyste.
Nach der Menopause sinkt die Inzidenz von Bartholin-Zysten deutlich. In dieser Altersgruppe muss bei einer neu aufgetretenen Raumforderung stets das seltene Risiko einer malignen Transformation bedacht werden.
Empfehlungen
Diagnostik und Evaluation
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Bei Verdacht auf sexuell übertragbare Infektionen wird ein entsprechendes Screening empfohlen.
Die Leitlinie rät zu einer Biopsie zum Ausschluss eines Karzinoms, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Dies gilt insbesondere für folgende Konstellationen:
-
Die Patientin ist älter als 40 Jahre
-
Die Raumforderung imponiert klinisch atypisch
-
Es handelt sich um ein Neuauftreten nach der Menopause
Konservative Therapie
Asymptomatische Bartholin-Zysten erfordern laut Leitlinie keine spezifische Behandlung. Bei spontan drainierenden Zysten oder Abszessen wird ein konservatives Vorgehen mit Sitzbädern und Analgetika empfohlen.
Chirurgische Interventionen
Von einer alleinigen Inzision und Drainage sowie einer Nadelaspiration wird aufgrund inakzeptabel hoher Rezidivraten abgeraten.
Für symptomatische Zysten und Abszesse werden verschiedene chirurgische Verfahren empfohlen. Die Wahl der Methode richtet sich nach der klinischen Situation:
| Verfahren | Indikation | Durchführung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Word-Katheter | Primäre Abszesse und symptomatische Zysten | Ambulant, kleine Inzision, Ballonfüllung | Verbleib für mindestens 4 Wochen |
| Jacobi-Ring | Primäre Abszesse und symptomatische Zysten | Ambulant, zwei Inzisionen, Faden-Schlauch-Ring | Geringeres Risiko für vorzeitige Dislokation |
| Marsupialisation | Rezidivierende Fälle | Meist im OP unter Narkose | Höhere Kosten, initial höherer Analgetikabedarf |
Antibiotikatherapie
Ein routinemäßiger Einsatz von Antibiotika ist bei unkomplizierten Verläufen nicht indiziert. Die Leitlinie empfiehlt eine antibiotische Therapie nur in spezifischen Situationen:
-
Bei systemischen Symptomen wie Fieber
-
Bei klinischem Verdacht auf eine Sepsis
-
Bei Versagen der initialen Therapie mit einem Word-Katheter
-
Bei Patientinnen mit einem hohen Rezidivrisiko
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert eine klare Warnung bezüglich der chirurgischen Exzision der Bartholin-Drüse bei schwangeren Frauen.
Aufgrund eines signifikant erhöhten Blutungsrisikos sollte eine vollständige Drüsenexzision in der Schwangerschaft möglichst vermieden werden. Andere Therapieverfahren können laut Leitlinie wie bei Nicht-Schwangeren angewendet werden.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die alleinige Inzision und Drainage eines Bartholin-Abszesses ohne Einlage eines Platzhalters. Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor diesem Vorgehen, da es mit extrem hohen Rezidivraten einhergeht. Es wird stattdessen die konsequente Nutzung eines Word-Katheters oder Jacobi-Rings zur Offenhaltung des neu geschaffenen Ausführungsganges empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie sollte der Word-Katheter für mindestens vier Wochen in der Zysten- oder Abszesshöhle belassen werden. Diese Zeit ist notwendig, damit der neue Ausführungsgang vollständig epithelialisieren kann.
Ein Antibiotikum wird nicht routinemäßig empfohlen. Die Leitlinie rät zur Antibiose nur bei systemischen Symptomen wie Fieber, bei Verdacht auf Sepsis oder wenn die initiale Therapie mit einem Word-Katheter versagt hat.
Nein, asymptomatische Zysten erfordern gemäß der Leitlinie keine spezifische Behandlung. Es wird ein abwartendes Vorgehen empfohlen, solange die Zyste keine Beschwerden verursacht.
Bei Patientinnen über 40 Jahren oder bei einem Neuauftreten nach der Menopause steigt das Risiko für eine maligne Transformation. In diesen Fällen wird eine Biopsie zum Ausschluss eines Karzinoms empfohlen.
Der Word-Katheter wird meist ambulant bei Erstmanifestationen eingesetzt und dient als Platzhalter. Die Marsupialisation ist ein operativer Eingriff, der primär für Rezidive empfohlen wird und bei dem die Zystenwand nach außen genäht wird.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: StatPearls: Bartholin Gland Cyst (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen