Barrett-Ösophagus: Überwachung, Staging und Therapie
Hintergrund
Der Barrett-Ösophagus ist eine Erkrankung, bei der das normale Plattenepithel der distalen Speiseröhre durch metaplastisches Zylinderepithel ersetzt wird. Er gilt als Vorstufe des ösophagealen Adenokarzinoms.
Obwohl das Risiko einer Progression zum Karzinom insgesamt gering ist, hat das ösophageale Adenokarzinom aufgrund einer oft späten Diagnosestellung eine schlechte Prognose. Die Inzidenz der Erkrankung nimmt zu, was möglicherweise mit einer steigenden Rate an Übergewicht und Adipositas zusammenhängt.
Die NICE-Leitlinie NG231 bietet evidenzbasierte Empfehlungen zur Überwachung und Behandlung. Ziel ist es, durch effektive Überwachungs- und Behandlungsstrategien die Zahl der Spätdiagnosen zu reduzieren und die klinischen Ergebnisse zu verbessern.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für das Management des Barrett-Ösophagus und des Adenokarzinoms im Stadium 1:
Endoskopische Überwachung (Surveillance)
Es wird eine hochauflösende Weißlichtendoskopie mit dem Seattle-Biopsieprotokoll empfohlen. Die Frequenz der Überwachung sollte individuell an das Karzinomrisiko (Alter, Geschlecht, Familienanamnese, Raucherstatus) angepasst werden.
Folgende Basis-Intervalle werden für die Überwachung empfohlen:
| Befund | Segmentlänge | Überwachungsintervall |
|---|---|---|
| Langsegment-Barrett-Ösophagus | ≥ 3 cm | Alle 2 bis 3 Jahre |
| Kurzsegment-Barrett-Ösophagus mit intestinaler Metaplasie | < 3 cm | Alle 3 bis 5 Jahre |
Bei einem Kurzsegment-Barrett-Ösophagus ohne intestinale Metaplasie wird von einer endoskopischen Überwachung abgeraten. Voraussetzung hierfür ist, dass die Diagnose in zwei separaten Endoskopien bestätigt wurde.
Staging bei Verdacht auf Adenokarzinom (Stadium 1)
Laut Leitlinie wird eine endoskopische Resektion zum Staging bei Verdacht auf ein ösophageales Adenokarzinom im Stadium 1 empfohlen.
Vor der endoskopischen Resektion wird von einer Computertomographie (CT) bei Verdacht auf T1-Karzinome abgeraten. Ebenso sollte keine endoskopische Ultraschalluntersuchung (EUS) vor der Resektion bei Verdacht auf T1a-Karzinome erfolgen.
Eine EUS sollte für das Nodal-Staging bei Verdacht auf ein T1b-Karzinom oder bei histologisch bestätigtem T1b-Karzinom erwogen werden.
Therapie bei Barrett-Ösophagus mit Dysplasie
Bei hochgradiger Dysplasie wird als Erstlinientherapie die endoskopische Resektion sichtbarer Läsionen empfohlen. Im Anschluss sollte eine endoskopische Ablation des verbleibenden Barrett-Ösophagus erfolgen.
Bei niedriggradiger Dysplasie wird eine Radiofrequenzablation empfohlen. Voraussetzung ist, dass die Diagnose aus Biopsien von zwei separaten Endoskopien stammt und von zwei Gastrointestinalpathologen bestätigt wurde.
Bei unbestimmter Dysplasie (indefinite dysplasia) sollte eine endoskopische Überwachung in sechsmonatigen Intervallen mit Dosisoptimierung der säureunterdrückenden Medikation erwogen werden.
Therapie bei Adenokarzinom (Stadium 1)
Für Personen mit einem T1a-Adenokarzinom wird die endoskopische Resektion als Erstlinientherapie empfohlen. Danach sollte eine endoskopische Ablation des restlichen Barrett-Ösophagus erfolgen.
Eine Ösophagektomie wird für Personen mit einem T1b-Adenokarzinom empfohlen, die operabel sind und ein hohes Progressionsrisiko aufweisen. Ein hohes Risiko besteht bei:
-
Unvollständiger endoskopischer Resektion
-
Nachweis einer lymphovaskulären Invasion
-
Tiefer submuköser Invasion (mehr als 500 Mikrometer)
Bei Inoperabilität und hohem Progressionsrisiko eines T1b-Karzinoms sollte eine Strahlentherapie (allein oder in Kombination mit Chemotherapie) erwogen werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert explizite Negativ-Empfehlungen zur Prävention einer Krankheitsprogression (Dysplasie oder Karzinom):
-
Es wird davon abgeraten, Aspirin zur Prävention einer Progression anzubieten.
-
Es wird davon abgeraten, eine Antireflux-Operation zur Prävention einer Progression durchzuführen.
💡Praxis-Tipp
Ein wichtiger Hinweis der Leitlinie ist, dass vor einer endoskopischen Resektion zum Staging eines T1-Karzinoms keine Computertomographie (CT) durchgeführt werden sollte. Die endoskopische Resektion gilt als genaueste Staging-Methode für frühe Läsionen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt bei einem Langsegment-Barrett-Ösophagus (3 cm oder länger) eine endoskopische Überwachung alle 2 bis 3 Jahre.
Es wird von einer endoskopischen Überwachung abgeraten, sofern die Diagnose in zwei separaten Endoskopien bestätigt wurde.
Als Erstlinientherapie wird eine endoskopische Resektion empfohlen. Im Anschluss sollte eine endoskopische Ablation des verbleibenden Barrett-Ösophagus erfolgen.
Die Leitlinie rät explizit davon ab, Aspirin zur Prävention einer Progression zu Dysplasie oder Krebs anzubieten. Es gibt keine ausreichende Evidenz für einen klinischen Nutzen.
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Quelle: NICE Guideline on Pelvic Inflammatory Disease (NICE, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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