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Vollkeramische Kronen & Brücken: S3-Leitlinie (AWMF)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf AWMF Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Vollkeramische Restaurationen zeigen bei korrekter Indikation vergleichbare Überlebensraten wie metallkeramische Versorgungen.
  • Für Front- und Seitenzahnkronen werden Lithiumdisilikat- und Zirkonoxidkeramiken (3Y-TZP) stark empfohlen.
  • Bei 3-gliedrigen Brücken ist verblendete Zirkonoxidkeramik (3Y-TZP) der vollkeramische Goldstandard.
  • Lithiumdisilikatkeramik ist bei Brücken nur bis zum Ersatz des ersten Prämolaren freigegeben.
  • Von vollkeramischen Inlaybrücken im Seitenzahnbereich wird evidenzbasiert abgeraten.
  • Bei Bruxismus-Patienten sollte primär eine metallische oder monolithische vollkeramische Versorgung geprüft werden.
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Hintergrund

Kronen und Brücken stellen die häufigste zahnmedizinische prothetische Versorgung in Deutschland dar. Vollkeramische Werkstoffe bieten aufgrund ihrer Biokompatibilität und Ästhetik eine Alternative zum metallbasierten Goldstandard. Der klinische Langzeiterfolg hängt jedoch stark von der korrekten Indikationsstellung, dem Werkstoff und der Einhaltung werkstoffspezifischer Anforderungen ab.

Indikationen:

  • Ersatz von Defekten (Trauma, Karies, Attrition, Abrasion, Erosion)
  • Schwächung/unvollständige Anlage der Zahnhartsubstanz
  • Bisslage-, Form- und Stellungsveränderungen

Kontraindikationen:

  • Periapikale Entzündungen und unbehandelte Parodontopathien
  • Unzureichende Zahnhartsubstanz (ohne präprothetische Maßnahmen)
  • Jugendliche unter 18 Jahren (aufgrund des großen Pulpenkavums; Ausnahmen: Adhäsivbrücken, devitale Zähne)

Werkstoffklassen

KlasseEigenschaftenBeispiele
SilikatkeramikGlasmatrix mit Kristallen, lichtleitend, dimensionsstabil beim Brennen. Biegefestigkeit bis max. 400 MPa.Feldspatkeramik, Lithiumdisilikatkeramik
OxidkeramikKeine Glasmatrix, weiß bis opak, eingeschränkt lichtleitend. Biegefestigkeit bis über 1.000 MPa (3Y-TZP).Zirkonoxidkeramik (3Y-TZP, 4Y-TZP, 5Y-TZP)
VerbundwerkstoffeCAD/CAM-Komposite oder polymerinfiltrierte Keramiken. Biegefestigkeit 150–240 MPa.Duale Keramik-Polymernetzwerke

Empfehlungen für Einzelkronen

Für die Versorgung mit Einzelkronen gelten je nach Region unterschiedliche Empfehlungsgrade (A = soll, B = sollte, 0 = kann).

WerkstoffFrontzahnbereichSeitenzahnbereich
Lithiumdisilikat (verblendet)AA
Lithiumdisilikat (monolithisch)0A
Zirkonoxid 3Y-TZP (verblendet)AB
Zirkonoxid 3Y-TZP (monolithisch)00
Silikatkeramik leuzitverstärkt (monolithisch)BB
Feldspatkeramik (monolithisch)00

Hinweis: Zu neueren Werkstoffen wie 4Y-/5Y-TZP Zirkonoxid oder zirkonoxidhaltigen Lithiumsilikatkeramiken kann aufgrund fehlender Langzeitdaten noch keine Aussage getroffen werden.

Empfehlungen für Brücken

Die Datenlage für vollkeramische Brücken erfordert eine strenge Indikationsstellung. Für mehrgliedrige/weitspannige Brücken ist die Datenlage für eine Empfehlung ungenügend.

VersorgungstypWerkstoffEmpfehlungBemerkung
3-gliedrig FrontzahnZirkonoxid 3Y-TZP (verblendet)AÜberlebensraten 88,8% bis 100% nach 7 Jahren.
3-gliedrig FrontzahnLithiumdisilikat (verblendet/monolithisch)0Offene Empfehlung.
3-gliedrig SeitenzahnZirkonoxid 3Y-TZP (verblendet)BÜberlebensraten 90% bis 97% nach 5 Jahren.
3-gliedrig SeitenzahnLithiumdisilikat (alle Formen)0 / A (soll nicht)0 nur bis Ersatz 1. Prämolar. A (soll nicht) für Ersatz 2. Prämolar/Molar.

Spezielle Versorgungsformen

  • Endokronen (Seitenzahn): Feldspatkeramik (monolithisch) oder Lithiumdisilikatkeramik können verwendet werden (0).
  • Einflügelige Adhäsivbrücken (Frontzahn): Verblendete Zirkonoxidkeramik soll verwendet werden (A). Überlebensrate 98,2% nach 10 Jahren.
  • Adhäsivbrücken (Seitenzahn): Können evidenzbasiert nicht empfohlen werden.
  • Inlaybrücken (Seitenzahn): Lithiumdisilikat (monolithisch) und Zirkonoxid (verblendet) sollen nicht angewandt werden (A). Hohe Misserfolgsraten.

Bruxismus

Bruxismus stellt ein erhöhtes Risiko für alle dentalen Restaurationen dar. Bei Patienten mit wahrscheinlichem Bruxismus:

  • Primär prüfen: Ist eine Behandlung mittels metallischer Restaurationen möglich und akzeptabel?
  • Falls Keramik gewünscht: Es sollte geprüft werden, ob monolithische Restaurationen möglich sind, da diese in Laboruntersuchungen tendenziell besser abschneiden als verblendete.
  • Aufklärung: Patienten müssen zwingend über das erhöhte Verlustrisiko aufgeklärt werden.
  • Schutz: Eine Aufbiss-/Stabilisierungsschiene kann vor mechanischem Versagen schützen.

Präparation und Fertigung

  • Mindestschichtstärken und Verbinderquerschnitte der Hersteller sind zwingend einzuhalten.
  • Politur: Nach jeglichen Einschleifmaßnahmen muss eine erneute Politur bis auf Hochglanz erfolgen. Eingeschliffene Areale sind Prädilektionsstellen für Frakturen und begünstigen Antagonistenverschleiß.
  • Befestigung: Vollkeramische Kronen und Brücken sollten nicht provisorisch befestigt werden, da bei der Entnahme Mikrorisse entstehen können.

💡Praxis-Tipp

Befestigen Sie vollkeramische Restaurationen niemals provisorisch, um Mikrorisse bei der Abnahme zu vermeiden. Polieren Sie nach jedem okklusalen Einschleifen zwingend auf Hochglanz, um Chipping und Antagonistenverschleiß vorzubeugen.

Häufig gestellte Fragen

Verblendete Zirkonoxidkeramik (3Y-TZP) wird empfohlen (Empfehlungsgrad B). Lithiumdisilikatkeramik darf nur bis zum Ersatz des ersten Prämolaren verwendet werden.
Nein. Von Inlaybrücken aus Lithiumdisilikat oder verblendetem Zirkonoxid im Seitenzahnbereich wird evidenzbasiert abgeraten (Empfehlungsgrad A - soll nicht angewandt werden).
Es sollte primär eine metallische Versorgung geprüft werden. Ist Vollkeramik gewünscht, sind monolithische Restaurationen zu bevorzugen. Eine Aufbissschiene zum Schutz wird empfohlen.
Ja, einflügelige Adhäsivbrücken aus verblendeter Zirkonoxidkeramik zeigen im Schneidezahnbereich exzellente Überlebensraten (98,2% nach 10 Jahren) und sollen verwendet werden (Empfehlungsgrad A).
Sowohl verblendetes als auch monolithisches Lithiumdisilikat (Empfehlungsgrad A) sowie verblendetes Zirkonoxid 3Y-TZP (Empfehlungsgrad B) werden empfohlen.

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